Psychiatrie und Psychotherapie
Thomas Bronisch und Serge K.D. Sulz
Religiöse Glaubensmuster und Verhaltensweisen
Ihre Relevanz für Psychotherapie und Gesundheitsverhalten
Walter Andritzky
Schlüsselwörter: Gesundheitsverhalten - Psychotherapie - Sekten - Religiosität - Alternativmedizin
Zusammenfassung:
Im Gefolge des von der New-Age-Philosophie vertretenen Paradigmenwechsels von einem kausal-mechanisch-materialistischen Weltbild zu einem spirituell-energetischen wächst in der Bevölkerung seit Ende der 60er Jahre die Akzeptanz magisch-religiöser Glaubensmuster und die Bereitschaft zur aktiven Beteiligung an religiösen Gruppierungen aller Art. Indem spirituelle Deutungsmuster zunehmend die Laienätiologien und das Gesundheitssuchverhalten, aber auch die Auswahl von Heilmethoden und ihren Settings durch Ärzte und Laienheiler beeinflussen, stellt sich die Frage nach der Gesundheitsrelevanz dieser Einstellungs- und Verhaltensänderungen. Neben den essentials der New-Age-Philosophie und empirischen Befunden zu spirituellen Überzeugungen wird daher eine kritische Bestandsaufnahme zur Rolle von Religiosität und der Beteiligung an Psychogruppen/Sekten sowie ihres möglichen gesundheitsrelevanten impacts vorgelegt. Anhand der Daten einer Untersuchung an 1135 Düsseldorfer Teilnehmern verschiedener Seminartypen erweist sich u.a., daß die Anhänger spirituell orientierter Heilweisen (Reiki) hochsignifikant mehr gesundheitsfördernde Verhaltensänderungen (wie sie auch von der orthodoxen Medizin gefordert werden) aufzuweisen haben als Teilnehmer der übrigen Seminartypen wie Aerobic, Yoga, Körpertherapien oder psychologischer Seminare.
ÜBER DAS AUFSTEHEN VON DER COUCH
EIN BEITRAG AUS DER SICHT DER KÖRPERORIENTIERTEN PSYCHOTHERAPIE
KLAUS K. MADERT
Schlüsselwörter: Regression - Progression - Ich-Stärke - Heiler-Archetyp
Zusammenfassung:
Die Regression durch das Liegen auf der Couch bedarf der bewußten Umkehrung über eine angeleitete Rückführung des Patienten vom Liegen in die erwachsene Haltung des Stehens. Wie der Patient diese Progression vollzieht, ist nicht nur von diagnostischem Wert. Das bewußt langsame Aufstehen von der Couch fördert das progressive Potential und kann als Modell und Übungsfeld genutzt werden, Fixierungen zu lösen, Ich-Stärke aufzubauen und eine Beziehung zur eigenen Körperlichkeit herzustellen.
VERHALTENSTHERAPIE UND Tae-Kwon-Do
ERFAHRUNGSBERICHT EINER KINDERPSYCHIATRISCHEN ABTEILUNG
ANITA KAKAR-OEL
Schlüsselwörter: Teilleistungsstörungen - Lernstörungen - Verhaltensstörungen - Kognitive Verhaltenstherapie - Kampfkunst für Kinder
Zusammenfassung:
In unserer Abteilung werden überwiegend Kinder mit massiven Teilleistungsstörungen im sprachlichen und im Lese-Rechtschreibbereich, häufig in Verbindung mit gravierenden Verhaltensstörungen, aufgenommen. 22 ausgesuchte Kinder nahmen neben der kinderpsychiatrischen interdisziplinären Behandlung, die innerhalb eines verhaltenstherapeutischen Settings stattfindet an einer Tae-Kwon-Do-Kindergruppe der Volkshochschule Pullach teil. Alle Kinder konnten sich an die Regeln innerhalb und außerhalb dieser Gruppen halten, sowie ihre erste Prüfung mit Erfolg ablegen. Die Hälfte der Kinder hat schon an zwei oder mehr Prüfungen teilgenommen. Alle Kinder konnten ihr Selbstbewußtsein steigern und nahmen motiviert am Training teil. Diese Maßnahme erwies sich als sinnvoll kombinierbar mit der sonstigen Therapie. Im Rahmen der kinderpsychiatrischen Behandlung zeigte sich eine Verbesserung der sozialen Kompetenz und der Lernmotivation. Aufgrund der berichteten Erfahrungen liegt die Hypothese nahe, daß die Teilnahme an einer geeigneten Kinder Tae-Kwon-Do-Gruppe bei der Behandlung von ausgesuchten Kindern mit den oben angeführten Störungen eine Effizienzsteigerung bewirken kann.
Entwicklung und Persönlichkeit
Die VDS-Entwicklungsskalen zur Diagnose der emotionalen und Beziehungsentwicklung
Serge K.D. Sulz, LarsTheßen
Schlüsselwörter: Entwicklungsdiagnostik – klinische Entwicklungspsychologie – Psychotherapie - Persönlichkeit
Zusammenfassung:
Die zunehmende Einbeziehung des Entwicklungsaspekts in die klinische Diagnostik von psychischen und psychosomatische Störungen macht das Erfordernis von Messinstrumenten in diesem Bereich deutlich. In Anlehnung an das Entwicklungsmodell Kegans wurde ein Selbstbeurteilungsfragebogen entwickelt, der diese Stufen beschreibt. Er enthält 6 Teilskalen mit Items, die entweder eine Errungenschaft im Vergleich zur vorigen Stufe beschreiben oder ein Defizit, das beim Schritt auf die nächste Stufe behoben sein muß. 160 Patienten von niedergelassenen Psychotherapeuten füllten diesen Fragebogen aus. Es ergaben sich signifikant negative Korrelationen zwischen Entwicklungsstufe und den dysfunktionalen Persönlichkeitszügen nach DSM-III-R. Bei fortgeschrittenem Entwicklungsstand war das Vorhandensein eines Entwicklungslochs Prädiktor für dysfunktionale Persönlichkeitszüge. Auch depressive und Angstsyndrome konnten diskriminiert werden.
Einführung in das Schwerpunktthema Schizophrenie
Annette Schaub und Hans-Jürgen Möller
Pathogenese der Schizophrenie: zum derzeitigen Stand der Forschung
Michael Riedel, Annette Schaub, Hans-Jürgen Möller, Norbert Müller
Schlüsselwörter: Ätiopathogenese - Neurotransmitter - Neuroendokrinolgie - Neurophysiologie - Neuroimmunologie Genetik - Neuropathologie - psychosoziale Faktoren
Zusammenfassung:
Die Heterogenität schizophrener Störungen in Symptomatik, Verlauf und Therapieresponse sowie differierende biologische Befunde legen nahe, daß es sich bei der Schizophrenie um ein Syndrom handelt, dem unterschiedliche pathogenetische Mechanismen zugrunde liegen.
Heute stehen genetische und andere biologische Hypothesen zur Pathogenese der Erkrankung im Mittelpunkt der Diskussion, aktuelle Erkenntnisse aus Neuropathologie und bildgebenden Verfahren, Neurophysiologie, Neurotransmitterforschung, Psychoneuroimmunologie und Neuroendokrinologie werden im Überblick dargestellt. Psychosoziale Faktoren sind mitverantwortlich für den Erkrankungszeitpunkt, modulieren den Verlauf und spielen beim therapeutischen Procedere eine wichtige Rolle. Dies wird im Kontext der in den 50er und 60er Jahren entstandenen psychologischen Theorien erläutert.
KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE SCHIZOPHRENER PATIENTEN
UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER THERAPEUTISCHEN BEZIEHUNG.
ERSTE ERGEBNISSE EINER EINZELFALLSTUDIE
SIBYLLE KRAEMER, JULIA V. STARCK, ANDREA DIETZEL, EVA DRAGON
Schlüsselwörter: Kognitive Verhaltenstherapie - Schizophrenie - therapeutische Beziehung
Zusammenfassung:
Den Schwerpunkt der Arbeit bildet, ausgehend von kognitiv-verhaltenstherapeutischen Konzepten (Ziele, Interventionen, Therapieprozeßmodell) der Behandlung von schizophrenen Patienten, eine Einzelfallstudie zur therapeutischen Beziehung. Die Fragestellungen bezogen sich auf die Kooperationssequenz und deren Zusammenhang mit Therapieerfolg. Drei Therapiepaare mit jeweils 20 Stunden Behandlungsdauer wurden mit dem Codiersystem für die Interaktion in der Psychotherapie (Schindler 1991) und mit anderen Prozeßmaßen beurteilt. Darüber hinaus wurden Therapieerfolgsmaße erhoben. Die Ergebnisse (Sequenzanalysen, Korrelationen) weisen daraufhin, daß die Kooperationssequenz häufig auftrat, daß sie aber nicht, wie in anderen Studien, mit Therapieerfolg dieser schizophrenen Menschen verbunden war. Vielmehr scheinen diese mehr von Struktur, allerdings in Verbindung mit Empathie zu profitieren.
PRINZIPIEN UND ERGEBNISSE DER FAMILIENBETREUUNG BEI SCHIZOPHRENIE
ZUM AKTUELLEN FORSCHUNGSSTAND
CHRISTOPH BRAUKHAUS, HEIKE SAßMANN, KURT HAHLWEG
Schlüsselwörter: Schizophrenie - Familienbetreuung - Expressed-Emotion-Konzept - Kommunikation
Zusammenfassung:
Die Rückfallgefahr des Schizophreniepatienten ist deutlich erhöht bei Rückkehr in ein ungünstiges Familienklima, das bestimmt ist durch ungünstige Einstellungen der Angehörigen, die anhand des „Expressed-Emotion“-Konzepts erfaßt werden können, sich jedoch auch in Form von kritischen und ablehnenden Interaktionen ausdrückt. Familiärer Streß ist der eindeutigste Prädiktor für einen Rückfall. Programme zur psychoedukativen Familienbetreuung können die Rückfallgefahr nach zwei Jahren von 72% auf 31% reduzieren. Das Konzept von Informationsvermittlung, Kommunikations- und Problemlösetraining im Anschluß an die stationäre Therapie bei weiterer medikamentöser Betreuung hat sich als effektiv und ökonomisch erwiesen. Die bisher schleppende Umsetzung in die Praxis kann zum Teil durch fehlenden Wissenstransfer, Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zwischen Psychologen und Ärzten, wie auch mit organisatorischen Problemen bei der Arbeit mit Familien erklärt werden, erscheint jedoch zur besseren Versorgung der Patienten überwindbar.
Psychoedukative und bewältigungsorientierte
kognitive Therapien bei schizophrenen und schizoaffektiven Störungen
Annette Schaub
Schlüsselwörter: Schizophrene Störungen - Behandlung - Psychoedukation - bewältigungsorientierte Therapie - Belastungen
Zusammenfassung:
Die Vermittlung von Informationen über die Erkrankung und ihre Behandlung an die Betroffenen und ihre Angehörigen hat in den letzten Jahren in der Behandlung schizophrener Störungen an Bedeutung gewonnen. Die vorliegenden Therapieansätze unterscheiden sich dahingehend, ob sie stärker psychoedukativ oder mehr auf die Belastungen und Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind. Bei beiden Vorgehensweisen wird der Patient als Coexperte seiner Erkrankung ernst genommen und in die Behandlung integriert. Dieser Artikel gibt einen Überblick über diese zumeist manualisierten Therapieansätze sowie aktuelle Forschungsergebnisse, die eine Verbesserung des Krankheitsverlaufs unter einer kombinierten psychopharmakologischen und psychosozialen Intervention belegen. Besonderes Gewicht liegt auf der Beschreibung eines mittelfristigen bewältigungsorientierten Therapieansatzes, der seit 1995 an der Psychiatrischen Klinik der LMU München durchgeführt wird. Die Behandlungszufriedenheit der Patienten wie auch die klinischen Merkmale (z.B. die Rückfallrate nach einem Jahr) fallen günstig aus. Die Ergebnisse werden derzeit in einer kontrollierten Studie überprüft. Abschließend werden Aspekte einer effektiven Rehabilitation für Patienten mit schizophrenen Störungen beleuchtet.
INTEGRATIVE BEHANLDUNG von PATIENTEN MIT DOPPELDIAGNOSEN
KIM T. MUESER, ROBERT E. DRAKE, ANNETTE SCHAUB, DOUGLAS L. NOORDSY
Schlüsselwörter: Doppeldiagnosen – psychische Störungen durch psychotrope Substanzen – schizophrene und affektive Störungen, integrierte Behandlung, Phasenmodell - Psychopharmakotherapie
Zusammenfassung:
In den letzten Jahren sind die Diagnose und Therapie von Doppeldiagnosen verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Doppeldiagnosen werden bei Patienten gestellt, die an Substanzabhängigkeit bzw. -mißbrauch von einer oder mehreren psychotropen Substanzen bei gleichzeitigem Vorliegen einer anderen schweren psychischen Störung leiden. Dieser Beitrag beschreibt ätiologische Modelle und klinische Charakteristika von Patienten mit Doppeldiagnosen. Da sich frühere Ansätze, die beiden Störungen getrennt zu behandeln, als wenig effizient erwiesen, haben integrierte Behandlungskonzepte in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen. Diese Ansätze basieren zumeist auf einem niederschwelligen, gemeindenahen Behandlungsangebot. Sie sind als komplexe, längerfristige, phasenbezogene Behandlung angelegt, die eine gemeinsame Entscheidungsfindung im Therapieprozeß betont und pharmakologische Interventionen integriert. Die Phasen der Behandlung beziehen sich auf den Aufbau einer Behandlungsallianz, die Phase der Überzeugung, die aktive Behandlung und die Rückfallprophylaxe. Der aktuelle Forschungsstand zu integrativen Behandlungsansätzen wird kurz zusammengefaßt. Abschließend werden zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich diskutiert.
THEORIE UND THERAPIE DER SCHIZOPHRENEN PSYCHOSE AUS PSYCHOANALYTISCHER SICHT
GÜNTER LEMPA , HEINZ BÖKER
Schlüsselwörter: Psychotisches Dilemma - Psychose als Psychosomatose des Gehirns - Modifizierte psychoanalytische Behandlungstechnik
Zusammenfassung:
Die Autoren geben einen Überblick über den aktuellen Stand der psychoanalytischen Psychosentheorie. Die Psychoanalyse befaßt sich mit pathologischen intrapsychischen und interpersonellen Beziehungsmustern, die, wie empirische Studien zeigen, für den Ausbruch und Verlauf der Erkrankung wesentliche Momente darstellen. Sie schlagen das Konzept der „Psychose als Psychosomatose des Gehirns“ als mögliches Paradigma vor, um die Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Ansätze zu integrieren. Nach der Darstellung der modifizierten psychoanalytischen Behandlungstechnik der Schizophrenie wird die Fragen der Indikation und Prognose erörtert und auf empirische Studien zur Wirksamkeit eingegangen.
DIE PSYCHOPHARMAKOTHERAPIE DER SCHIZOPHRENIE
M. RIEDEL, N. MÜLLER, H.-J. MÖLLER
Schlüsselwörter: Neuroleptika - Schizophrenie - Negativsymptomatik - Positivsymptomatik
Zusammenfassung:
Die Neuroleptikatherapie stellt seit über 30 Jahren den wichtigsten Therapiepfeiler in der Behandlung der Schizophrenie dar. Dies gilt sowohl für die Behandlung der akuten Krankheitsphase als auch für die Rezidivprophylaxe. Um Nebenwirkungen durch Antipsychotika so gering wie möglich zu halten und damit die Compliance der Patienten zu erhöhen, wird in der Akut- und in der Langzeitbehandlung ein möglichst niedriges Dosisregime gewählt. Unter Aspekten wie günstiges Nebenwirkungsprofil, erhöhte Compliance und bessere Lebensqualität sollte besonders dem Einsatz von atypischen Neuroleptika noch größere Bedeutung zukommen. Als bisher nur unzureichend gelöstes Problem erweist sich die Negativsymptomatik, vor allem im Rahmen chronischer Residualsyndrome. Neben dem Einsatz von atypischen Neuroleptika sind auch Behandlungsversuche mit Antidepressiva angezeigt. In der rezidivprophylaktischen Langzeitbehandlung muß die optimale Neuroleptikadosis individuell für den einzelnen Patienten unter Risiko-Nutzen-Aspekten herausgefunden werden.
Psychotherapie-Repetitorium zum Sammeln: Zielanalyse und Therapieplanung
Serge K.D. Sulz
Buchrezension: Mathias Berger: Lehrbuch der Psychiatrie
Thomas Bronisch
Themenheft : Schizophrenie


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