Themenheft: Jugend und Adoleszenz
STRUKTURIERTE BEFUNDERHEBUNG UND SYNDROMDIAGNOSE IN DER PSYCHOTHERAPEUTISCHEN PRAXIS
Serge K. D. Sulz, Ina Hörmann, Wolfgang Hiller, Michael Zaudig
Schlüsselwörter: Psychischer Befund - Syndromdiagnose - VDS-Befund - Interraterreliabilität
Zusammenfassung: Es wurde ein Instrument zur standardisierten Erhebung des psychischen Befundes entwickelt, das besonders für die ambulante psychotherapeutische Praxis geeignet ist. Der VDS-Befund enthält 190 strukturierte Fragen mit 291 differenzierenden Symptomangaben, die eine 4-stufige Bewertung des Schweregrads des Symptoms erlauben. Ergebnis ist die Syndromdiagnose, die aus 16 psychischen und psychosomatischen Hauptsyndromgruppen und 48 Subsyndromen ausgewählt wird. Es wird davon ausgegangen, dass diese für die Therapieplanung relevanter ist als die ICD-10-Diagnose. Mit 30 Minuten Dauer ist die Befunderhebung zeitökonomisch. Die Studie wurde an 61 Ambulanz-Patienten durchgeführt. Die Interraterreliabilität ist insbesondere bei den für die Psychotherapie relevanten Syndromen gut. Bei Life-Ratings war die Übereinstimmung der Rater wesentlich größer als bei Video-Ratings. Die Korrelationen mit den SCL-90-R-Werten der Patienten weisen auf eine befriedigende Validität hin, die aber weiterer empirischer Untersuchung bedarf.
Keywords: Psychischer Befund - Syndromdiagnose - VDS-Befund - Interraterreliabilität
Summary: Es wurde ein Instrument zur standardisierten Erhebung des psychischen Befundes entwickelt, das besonders für die ambulante psychotherapeutische Praxis geeignet ist. Der VDS-Befund enthält 190 strukturierte Fragen mit 291 differenzierenden Symptomangaben, die eine 4-stufige Bewertung des Schweregrads des Symptoms erlauben. Ergebnis ist die Syndromdiagnose, die aus 16 psychischen und psychosomatischen Hauptsyndromgruppen und 48 Subsyndromen ausgewählt wird. Es wird davon ausgegangen, dass diese für die Therapieplanung relevanter ist als die ICD-10-Diagnose. Mit 30 Minuten Dauer ist die Befunderhebung zeitökonomisch. Die Studie wurde an 61 Ambulanz-Patienten durchgeführt. Die Interraterreliabilität ist insbesondere bei den für die Psychotherapie relevanten Syndromen gut. Bei Life-Ratings war die Übereinstimmung der Rater wesentlich größer als bei Video-Ratings. Die Korrelationen mit den SCL-90-R-Werten der Patienten weisen auf eine befriedigende Validität hin, die aber weiterer empirischer Untersuchung bedarf.
Anschrift: Es wurde ein Instrument zur standardisierten Erhebung des psychischen Befundes entwickelt, das besonders für die ambulante psychotherapeutische Praxis geeignet ist. Der VDS-Befund enthält 190 strukturierte Fragen mit 291 differenzierenden Symptomangaben, die eine 4-stufige Bewertung des Schweregrads des Symptoms erlauben. Ergebnis ist die Syndromdiagnose, die aus 16 psychischen und psychosomatischen Hauptsyndromgruppen und 48 Subsyndromen ausgewählt wird. Es wird davon ausgegangen, dass diese für die Therapieplanung relevanter ist als die ICD-10-Diagnose. Mit 30 Minuten Dauer ist die Befunderhebung zeitökonomisch. Die Studie wurde an 61 Ambulanz-Patienten durchgeführt. Die Interraterreliabilität ist insbesondere bei den für die Psychotherapie relevanten Syndromen gut. Bei Life-Ratings war die Übereinstimmung der Rater wesentlich größer als bei Video-Ratings. Die Korrelationen mit den SCL-90-R-Werten der Patienten weisen auf eine befriedigende Validität hin, die aber weiterer empirischer Untersuchung bedarf.
NEUROPSYCHOLOGIE UND HIRNFORSCHUNG ALS HERAUSFORDERUNG FÜR DIE PSYCHOTHERAPIE
Serge K. D. Sulz
Schlüsselwörter: Neuropsychologie - Neurobiologie - Hirnforschung - Verhaltensanalyse - Verhaltenstherapie
Zusammenfassung: Es wird versucht, zunächst kurz den aktuellen Stand der neurobiologischen und neuropsychologischen Untersuchungsmethoden und die für die Psychotherapie relevantesten Erkenntnisse der Hirnforschung darzustellen. Dabei wird neben den durch die modernen bildgebenden Verfahren ermöglichten Forschungsergebnisse auch Beispiele aus der neuropsychologischen Rehabilitation berichtet. Ausgehend vom heutigen Wissen über Neurophysiologie und Neuroendokrinologie und den Hypothesen über Funktionssystem und ihre Bedeutung für das Verständnis psychologischer Funktionen wird das Spannungsfeld zwischen Neurobiologie, Neuropsychologie und Verhaltenstherapie diskutiert und Möglichkeiten gemeinsamer Weiterentwicklung skizziert. Am Beispiel des Verhaltensdiagnostiksystems VDS wird eine Erweiterung der Verhaltensanalyse um die aus dem aktuellen Wissensstand bekannten verhaltenssteuernden Variablen beschrieben.
Keywords: Neuropsychologie - Neurobiologie - Hirnforschung - Verhaltensanalyse - Verhaltenstherapie
Summary: Es wird versucht, zunächst kurz den aktuellen Stand der neurobiologischen und neuropsychologischen Untersuchungsmethoden und die für die Psychotherapie relevantesten Erkenntnisse der Hirnforschung darzustellen. Dabei wird neben den durch die modernen bildgebenden Verfahren ermöglichten Forschungsergebnisse auch Beispiele aus der neuropsychologischen Rehabilitation berichtet. Ausgehend vom heutigen Wissen über Neurophysiologie und Neuroendokrinologie und den Hypothesen über Funktionssystem und ihre Bedeutung für das Verständnis psychologischer Funktionen wird das Spannungsfeld zwischen Neurobiologie, Neuropsychologie und Verhaltenstherapie diskutiert und Möglichkeiten gemeinsamer Weiterentwicklung skizziert. Am Beispiel des Verhaltensdiagnostiksystems VDS wird eine Erweiterung der Verhaltensanalyse um die aus dem aktuellen Wissensstand bekannten verhaltenssteuernden Variablen beschrieben.
Anschrift: Es wird versucht, zunächst kurz den aktuellen Stand der neurobiologischen und neuropsychologischen Untersuchungsmethoden und die für die Psychotherapie relevantesten Erkenntnisse der Hirnforschung darzustellen. Dabei wird neben den durch die modernen bildgebenden Verfahren ermöglichten Forschungsergebnisse auch Beispiele aus der neuropsychologischen Rehabilitation berichtet. Ausgehend vom heutigen Wissen über Neurophysiologie und Neuroendokrinologie und den Hypothesen über Funktionssystem und ihre Bedeutung für das Verständnis psychologischer Funktionen wird das Spannungsfeld zwischen Neurobiologie, Neuropsychologie und Verhaltenstherapie diskutiert und Möglichkeiten gemeinsamer Weiterentwicklung skizziert. Am Beispiel des Verhaltensdiagnostiksystems VDS wird eine Erweiterung der Verhaltensanalyse um die aus dem aktuellen Wissensstand bekannten verhaltenssteuernden Variablen beschrieben.
EINFÜHRUNG IN DAS THEMA ADOLESZENZ
Hellmuth Braun-Scharm
ENTWICKLUNGSRISIKEN IM JUGENDALER. EINE SYSTEMTHEORETISCHE PERSPEKTIVE
Rolf Oerter
Schlüsselwörter: System - Emergenz - Selbstorganisation - Attraktor - Identität - Rahmenmotivation
Zusammenfassung: Aktive Identitätsformung als zentrale Entwicklungsaufgabe im Jugendalter wird unter systemtheoretischer Perspektive neu betrachtet und auf die Begriffe Selbstorganisation, Attraktor, Rückkoppelung und Homöostase bezogen. Identitätsbildung wird als Selbstorganisation beschrieben, die in der einschlägigen Forschung theoretisch als Stufen des Selbst sowie durch den Grad der Selbstkomplexität und durch Selbstintegration konzipiert werden. Entwicklungsaufgaben und Lebensthematiken können in diesem Rahmen als Attraktoren des Systems beschrieben werden. Die systemische Sichtweise wird dann auf Ökosysteme und die in ihnen angebotenen Gegenstandsbezüge ausgeweitet. Dabei erweist sich die Einbeziehung von Gegenständen (im weitesten Sinne des Wortes) in das Handlungssystem als fruchtbar, weil es die Sichtweise, daß das menschliche System an den Körpergrenzen endet, überwindet. Für die klinische Praxis resultiert aus der systemischen Analyse (a) eine Kritik nosologischer Einteilungen, die ungerechtfertigterweise im Analogieschluß von körperlichen Erkrankungen übernommen wurde, (b) die Forderung nach ökologischer Validität von Therapien und (c) die Nutzung präventiver Maßnahmen vor Ausbruch manifester Störungen.
Keywords: System - Emergenz - Selbstorganisation - Attraktor - Identität - Rahmenmotivation
Summary: Aktive Identitätsformung als zentrale Entwicklungsaufgabe im Jugendalter wird unter systemtheoretischer Perspektive neu betrachtet und auf die Begriffe Selbstorganisation, Attraktor, Rückkoppelung und Homöostase bezogen. Identitätsbildung wird als Selbstorganisation beschrieben, die in der einschlägigen Forschung theoretisch als Stufen des Selbst sowie durch den Grad der Selbstkomplexität und durch Selbstintegration konzipiert werden. Entwicklungsaufgaben und Lebensthematiken können in diesem Rahmen als Attraktoren des Systems beschrieben werden. Die systemische Sichtweise wird dann auf Ökosysteme und die in ihnen angebotenen Gegenstandsbezüge ausgeweitet. Dabei erweist sich die Einbeziehung von Gegenständen (im weitesten Sinne des Wortes) in das Handlungssystem als fruchtbar, weil es die Sichtweise, daß das menschliche System an den Körpergrenzen endet, überwindet. Für die klinische Praxis resultiert aus der systemischen Analyse (a) eine Kritik nosologischer Einteilungen, die ungerechtfertigterweise im Analogieschluß von körperlichen Erkrankungen übernommen wurde, (b) die Forderung nach ökologischer Validität von Therapien und (c) die Nutzung präventiver Maßnahmen vor Ausbruch manifester Störungen.
Anschrift: Aktive Identitätsformung als zentrale Entwicklungsaufgabe im Jugendalter wird unter systemtheoretischer Perspektive neu betrachtet und auf die Begriffe Selbstorganisation, Attraktor, Rückkoppelung und Homöostase bezogen. Identitätsbildung wird als Selbstorganisation beschrieben, die in der einschlägigen Forschung theoretisch als Stufen des Selbst sowie durch den Grad der Selbstkomplexität und durch Selbstintegration konzipiert werden. Entwicklungsaufgaben und Lebensthematiken können in diesem Rahmen als Attraktoren des Systems beschrieben werden. Die systemische Sichtweise wird dann auf Ökosysteme und die in ihnen angebotenen Gegenstandsbezüge ausgeweitet. Dabei erweist sich die Einbeziehung von Gegenständen (im weitesten Sinne des Wortes) in das Handlungssystem als fruchtbar, weil es die Sichtweise, daß das menschliche System an den Körpergrenzen endet, überwindet. Für die klinische Praxis resultiert aus der systemischen Analyse (a) eine Kritik nosologischer Einteilungen, die ungerechtfertigterweise im Analogieschluß von körperlichen Erkrankungen übernommen wurde, (b) die Forderung nach ökologischer Validität von Therapien und (c) die Nutzung präventiver Maßnahmen vor Ausbruch manifester Störungen.
PUBERTÄT UND ADOLESZENZ AUS DER SICHT DER KLINISCHEN ENTWICKLUNGSPSYCHOLGIE
EMPIRISCHE GRUNDLAGEN DER PSYCHOTHERAPIE
TEIL 1: DIE PUBERTÄT
Peter Osten
Schlüsselwörter: Reifung in der Pubertät - klinische Entwicklungspsychologie - Psychotherapieforschung - Allgemeine Psychotherapie - entwicklungsorientierte Intervention
Zusammenfassung: In Teil 1 dieser Arbeit wird zunächst Bezug genommen auf die Bedeutung empirischer Grundlagen - klinische Entwicklungspsychologie und Evidenzforschung - im Kontext der Psychotherapie für erwachsene Patienten. Die Ergebnisse direkt und längsschnittlich beobachteter Kinder und Jugendlicher verändern sowohl das herkömmliche Entwicklungsverständnis als auch das Wissen von der Entstehung psychischer und psychosomatischer Störungen. Outcome-Forschungen machen im Bereich der Psychotherapie ein "Integrationsparadigma" notwendig ("Allgemeine Psychotherapie"), das neben der Schulenspezifität auch auf eine entwicklungspsychologische Orientierung von therapeutischen Interventionen hinausläuft. In diesem Sinne benötigen Erwachsenenpsychotherapeuten klinisch-entwicklungspsychologisches Wissen, das sie für die Entwicklungsprozesse ihrer Klienten sensibilisiert. Die Pubertät wird mit diesem Hintergrund in den Bereichen der körperlichen Veränderungen (psychosexuelle Reifungsabläufe, Wachstum, Motorik und Antriebe) und deren psychischen Adaptation (Emotion, Körperbild, "gender identity") dargestellt. Der Übergang vom kindlichen Begehren bis zum Beginn der adoleszenten Identitätsbildung wird aus persönlichkeits- und sozialisationstheoretischer Perspektive beleuchtet.
Keywords: Reifung in der Pubertät - klinische Entwicklungspsychologie - Psychotherapieforschung - Allgemeine Psychotherapie - entwicklungsorientierte Intervention
Summary: In Teil 1 dieser Arbeit wird zunächst Bezug genommen auf die Bedeutung empirischer Grundlagen - klinische Entwicklungspsychologie und Evidenzforschung - im Kontext der Psychotherapie für erwachsene Patienten. Die Ergebnisse direkt und längsschnittlich beobachteter Kinder und Jugendlicher verändern sowohl das herkömmliche Entwicklungsverständnis als auch das Wissen von der Entstehung psychischer und psychosomatischer Störungen. Outcome-Forschungen machen im Bereich der Psychotherapie ein "Integrationsparadigma" notwendig ("Allgemeine Psychotherapie"), das neben der Schulenspezifität auch auf eine entwicklungspsychologische Orientierung von therapeutischen Interventionen hinausläuft. In diesem Sinne benötigen Erwachsenenpsychotherapeuten klinisch-entwicklungspsychologisches Wissen, das sie für die Entwicklungsprozesse ihrer Klienten sensibilisiert. Die Pubertät wird mit diesem Hintergrund in den Bereichen der körperlichen Veränderungen (psychosexuelle Reifungsabläufe, Wachstum, Motorik und Antriebe) und deren psychischen Adaptation (Emotion, Körperbild, "gender identity") dargestellt. Der Übergang vom kindlichen Begehren bis zum Beginn der adoleszenten Identitätsbildung wird aus persönlichkeits- und sozialisationstheoretischer Perspektive beleuchtet.
Anschrift: In Teil 1 dieser Arbeit wird zunächst Bezug genommen auf die Bedeutung empirischer Grundlagen - klinische Entwicklungspsychologie und Evidenzforschung - im Kontext der Psychotherapie für erwachsene Patienten. Die Ergebnisse direkt und längsschnittlich beobachteter Kinder und Jugendlicher verändern sowohl das herkömmliche Entwicklungsverständnis als auch das Wissen von der Entstehung psychischer und psychosomatischer Störungen. Outcome-Forschungen machen im Bereich der Psychotherapie ein "Integrationsparadigma" notwendig ("Allgemeine Psychotherapie"), das neben der Schulenspezifität auch auf eine entwicklungspsychologische Orientierung von therapeutischen Interventionen hinausläuft. In diesem Sinne benötigen Erwachsenenpsychotherapeuten klinisch-entwicklungspsychologisches Wissen, das sie für die Entwicklungsprozesse ihrer Klienten sensibilisiert. Die Pubertät wird mit diesem Hintergrund in den Bereichen der körperlichen Veränderungen (psychosexuelle Reifungsabläufe, Wachstum, Motorik und Antriebe) und deren psychischen Adaptation (Emotion, Körperbild, "gender identity") dargestellt. Der Übergang vom kindlichen Begehren bis zum Beginn der adoleszenten Identitätsbildung wird aus persönlichkeits- und sozialisationstheoretischer Perspektive beleuchtet.
PUBERTÄT UND ADOLESZENZ AUS DER SICHT DER KLINISCHEN ENTWICKLUNGSPSYCHOLGIE
EMPIRISCHE GRUNDLAGEN DER PSYCHOTHERAPIE
TEIL 2: DIE ADOLESZENZ
Peter Osten
Schlüsselwörter: Reifung in der Adoleszenz - klinische Entwicklungspsychologie - Psychotherapieforschung - allgemeine Psychotherapie - entwicklungsorientierte Intervention
Zusammenfassung: In Teil 2 dieser Arbeit werden im Anschluss an die Darstellung der biologischen Umbrüche in der Pubertät (Teil 1) zunächst die Entwicklungslinien von der späten Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter aufgezeigt, um vom Kontext her die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz zu verdeutlichen. Durch die körperlichen Veränderungen entsteht erhöhte Selbstaufmerksamkeit, dies stößt die "Entdeckung des Selbst" und die Bildung genitaler Identität an. Identität wird hierbei als psychosoziales "Feldphänomen" definiert, also nicht als ein individueller Solipsismus. Dabei verliert prolongierte Selbstaufmerksamkeit ihren salutogenen Einfluss und trägt zu Rückzug und Verunsicherung bei; teilweise bei erhöhter Konzentrationsfähigkeit. Jugendliche Identität besteht zu Beginn nicht so sehr aus dem, was man als Jugendlicher ist, sondern vielmehr aus dem, was man sein und werden will. So navigieren Adoleszente ihren Identitätsprozess in verschiedenen (postmodernen) Umfeldern - Familie, Schule, Ausbildung, Freizeit, Peergruppen, Partnerschaften, Sexualverhalten, Politik, Kultur und Gesellschaft - zwischen Widerspruch, moralischer Wertigkeit und persönlicher Stimmigkeit, bis sich prägnante Muster ausbilden. Wege in die berufliche Identität werden aufgezeigt, beginnend bei den motivationalen Entwicklungslinien. Bei der Abstimmung von Wunsch und Wirklichkeit im beruflichen Bereich werden Geschlechterunterschiede beleuchtet, die Persönlichkeitsentwicklung am Übergang in den Beruf wird aufgezeigt. Damit stellen sich drei Hauptentwicklungsaufgaben der Adoleszenz heraus: Geschlechtsidentität, berufliche Identität, politisch-gesellschaftliche Identität.
Keywords: Reifung in der Adoleszenz - klinische Entwicklungspsychologie - Psychotherapieforschung - allgemeine Psychotherapie - entwicklungsorientierte Intervention
Summary: In Teil 2 dieser Arbeit werden im Anschluss an die Darstellung der biologischen Umbrüche in der Pubertät (Teil 1) zunächst die Entwicklungslinien von der späten Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter aufgezeigt, um vom Kontext her die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz zu verdeutlichen. Durch die körperlichen Veränderungen entsteht erhöhte Selbstaufmerksamkeit, dies stößt die "Entdeckung des Selbst" und die Bildung genitaler Identität an. Identität wird hierbei als psychosoziales "Feldphänomen" definiert, also nicht als ein individueller Solipsismus. Dabei verliert prolongierte Selbstaufmerksamkeit ihren salutogenen Einfluss und trägt zu Rückzug und Verunsicherung bei; teilweise bei erhöhter Konzentrationsfähigkeit. Jugendliche Identität besteht zu Beginn nicht so sehr aus dem, was man als Jugendlicher ist, sondern vielmehr aus dem, was man sein und werden will. So navigieren Adoleszente ihren Identitätsprozess in verschiedenen (postmodernen) Umfeldern - Familie, Schule, Ausbildung, Freizeit, Peergruppen, Partnerschaften, Sexualverhalten, Politik, Kultur und Gesellschaft - zwischen Widerspruch, moralischer Wertigkeit und persönlicher Stimmigkeit, bis sich prägnante Muster ausbilden. Wege in die berufliche Identität werden aufgezeigt, beginnend bei den motivationalen Entwicklungslinien. Bei der Abstimmung von Wunsch und Wirklichkeit im beruflichen Bereich werden Geschlechterunterschiede beleuchtet, die Persönlichkeitsentwicklung am Übergang in den Beruf wird aufgezeigt. Damit stellen sich drei Hauptentwicklungsaufgaben der Adoleszenz heraus: Geschlechtsidentität, berufliche Identität, politisch-gesellschaftliche Identität.
Anschrift: In Teil 2 dieser Arbeit werden im Anschluss an die Darstellung der biologischen Umbrüche in der Pubertät (Teil 1) zunächst die Entwicklungslinien von der späten Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter aufgezeigt, um vom Kontext her die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz zu verdeutlichen. Durch die körperlichen Veränderungen entsteht erhöhte Selbstaufmerksamkeit, dies stößt die "Entdeckung des Selbst" und die Bildung genitaler Identität an. Identität wird hierbei als psychosoziales "Feldphänomen" definiert, also nicht als ein individueller Solipsismus. Dabei verliert prolongierte Selbstaufmerksamkeit ihren salutogenen Einfluss und trägt zu Rückzug und Verunsicherung bei; teilweise bei erhöhter Konzentrationsfähigkeit. Jugendliche Identität besteht zu Beginn nicht so sehr aus dem, was man als Jugendlicher ist, sondern vielmehr aus dem, was man sein und werden will. So navigieren Adoleszente ihren Identitätsprozess in verschiedenen (postmodernen) Umfeldern - Familie, Schule, Ausbildung, Freizeit, Peergruppen, Partnerschaften, Sexualverhalten, Politik, Kultur und Gesellschaft - zwischen Widerspruch, moralischer Wertigkeit und persönlicher Stimmigkeit, bis sich prägnante Muster ausbilden. Wege in die berufliche Identität werden aufgezeigt, beginnend bei den motivationalen Entwicklungslinien. Bei der Abstimmung von Wunsch und Wirklichkeit im beruflichen Bereich werden Geschlechterunterschiede beleuchtet, die Persönlichkeitsentwicklung am Übergang in den Beruf wird aufgezeigt. Damit stellen sich drei Hauptentwicklungsaufgaben der Adoleszenz heraus: Geschlechtsidentität, berufliche Identität, politisch-gesellschaftliche Identität.
DIE VERÄNDERUNG DER BEDEUTUNGSGEBENEN STRUKTUR DES INDIVIDUUMS DURCH ADOLESZENZ UND THERAPIE
Mario Erdheim
Schlüsselwörter: Adoleszenz-Bedeutungswandel-Entwicklung-Psychoanalyse
Zusammenfassung: Die Adoleszenz bietet dem Individuum laut K.R. Eissler eine "zweite Chance", Verletzungen der frühen Kindheit zu verarbeiten. Sie erweist sich damit aber auch als interessantes Modell, um die Wirkungsweise tiefenpsychologischer Psychotherapien zu verstehen. Die Veränderung der bedeutungsgebenden Struktur des Individuums wird am Beispiel innerer Räume, neuer Erfahrungen und des Prinzips der Nachträglichkeit untersucht.
Keywords: Adoleszenz-Bedeutungswandel-Entwicklung-Psychoanalyse
Summary: Die Adoleszenz bietet dem Individuum laut K.R. Eissler eine "zweite Chance", Verletzungen der frühen Kindheit zu verarbeiten. Sie erweist sich damit aber auch als interessantes Modell, um die Wirkungsweise tiefenpsychologischer Psychotherapien zu verstehen. Die Veränderung der bedeutungsgebenden Struktur des Individuums wird am Beispiel innerer Räume, neuer Erfahrungen und des Prinzips der Nachträglichkeit untersucht.
Anschrift: Die Adoleszenz bietet dem Individuum laut K.R. Eissler eine "zweite Chance", Verletzungen der frühen Kindheit zu verarbeiten. Sie erweist sich damit aber auch als interessantes Modell, um die Wirkungsweise tiefenpsychologischer Psychotherapien zu verstehen. Die Veränderung der bedeutungsgebenden Struktur des Individuums wird am Beispiel innerer Räume, neuer Erfahrungen und des Prinzips der Nachträglichkeit untersucht.
KÖRPER UND GESCHLECHT IN DER ADOLESZENZ
Vera King
Schlüsselwörter: Männliche und weibliche Adoleszenz - geschlechtstsypische Verarbeitungen körperlicher Veränderungen - intergenerationale Dynamiken der Adoleszenz - Körper als Austragungsort adoleszenter Konflikte
Zusammenfassung: In diesem Beitrag werden die mit der adoleszenten Aneignung des männlichen und weiblichen Körpers verbundenen Konflikte untersucht. Dazu werden psychodynamische Konzepte in eine mikrosoziologische Betrachtung integriert, bei der nicht pathologische Entwicklungen, sondern die mit den körperlichen Veränderungen zu bewältigenden psychischen Herausforderungen zum Ausgangspunkt genommen werden. Im Zentrum steht dabei die Doppelsinnigkeit des herangewachsenen Leibes als einerseits Träger des Für-mich-Seins, zum andern als Verkörperung des Von-anderen-und-für-andere-Seins. In einer phänomenologisch inspirierten Lesart wird die konstitutive "Aufdringlichkeit" des Körpers in der Adoleszenz herausgearbeitet. Es werden die damit verbundenen geschlechtstypischen Anforderungen, Inszenierungen und psychischen Bewältigungen skizziert, ins Verhältnis zu intergenerationalen, familialen Adoleszenzdynamiken und kulturellen Geschlechterbildern gesetzt und damit Licht auf adoleszenztypische Störungen und auf den Geschlechtskörper als einem Austragungsort adoleszenter Konflikte geworfen.
Keywords: Männliche und weibliche Adoleszenz - geschlechtstsypische Verarbeitungen körperlicher Veränderungen - intergenerationale Dynamiken der Adoleszenz - Körper als Austragungsort adoleszenter Konflikte
Summary: In diesem Beitrag werden die mit der adoleszenten Aneignung des männlichen und weiblichen Körpers verbundenen Konflikte untersucht. Dazu werden psychodynamische Konzepte in eine mikrosoziologische Betrachtung integriert, bei der nicht pathologische Entwicklungen, sondern die mit den körperlichen Veränderungen zu bewältigenden psychischen Herausforderungen zum Ausgangspunkt genommen werden. Im Zentrum steht dabei die Doppelsinnigkeit des herangewachsenen Leibes als einerseits Träger des Für-mich-Seins, zum andern als Verkörperung des Von-anderen-und-für-andere-Seins. In einer phänomenologisch inspirierten Lesart wird die konstitutive "Aufdringlichkeit" des Körpers in der Adoleszenz herausgearbeitet. Es werden die damit verbundenen geschlechtstypischen Anforderungen, Inszenierungen und psychischen Bewältigungen skizziert, ins Verhältnis zu intergenerationalen, familialen Adoleszenzdynamiken und kulturellen Geschlechterbildern gesetzt und damit Licht auf adoleszenztypische Störungen und auf den Geschlechtskörper als einem Austragungsort adoleszenter Konflikte geworfen.
Anschrift: In diesem Beitrag werden die mit der adoleszenten Aneignung des männlichen und weiblichen Körpers verbundenen Konflikte untersucht. Dazu werden psychodynamische Konzepte in eine mikrosoziologische Betrachtung integriert, bei der nicht pathologische Entwicklungen, sondern die mit den körperlichen Veränderungen zu bewältigenden psychischen Herausforderungen zum Ausgangspunkt genommen werden. Im Zentrum steht dabei die Doppelsinnigkeit des herangewachsenen Leibes als einerseits Träger des Für-mich-Seins, zum andern als Verkörperung des Von-anderen-und-für-andere-Seins. In einer phänomenologisch inspirierten Lesart wird die konstitutive "Aufdringlichkeit" des Körpers in der Adoleszenz herausgearbeitet. Es werden die damit verbundenen geschlechtstypischen Anforderungen, Inszenierungen und psychischen Bewältigungen skizziert, ins Verhältnis zu intergenerationalen, familialen Adoleszenzdynamiken und kulturellen Geschlechterbildern gesetzt und damit Licht auf adoleszenztypische Störungen und auf den Geschlechtskörper als einem Austragungsort adoleszenter Konflikte geworfen.
ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE DES JUGENDALTERS "FRÜHE STÖRUNGEN" - SPTÄERWORBEN?
Curd Michael Hockel
Schlüsselwörter: Entwicklungsaufgaben - Körpernutzung - Adoleszenz - Borderline - Endorphin
Zusammenfassung: Entwicklung im Jugendalter ist ein konstruktiver Prozess, der in der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zur Festlegung von Lebensprojekten und Selbstkonzepten führt. Die Gestaltung einer dem Jugendlichen selbst bewussten Persönlichkeitsstruktur und eines Spektrums von Gewohnheiten (einschließlich derer der Körpernutzung und somit des jeweiligen Stoffwechsels/Endorphinspiegels) bleibt zwar plastisch, ist jedoch deutlich von überdauernden Zügen getragen. Es wird dem Erscheinungsbild des Borderline-Patienten als einem "früh gestörten" Patienten nachgegangen. Dies Störungsbild kann auch bei (scheinbar) ungestörter Kindheit entstehen, es liegt die Hypothese nahe, dass die Plastizität jugendlicher Selbstgestaltung Raum für "Entgleisungen" bietet. Nach allgemeiner Überzeugung kann psychotherapeutische Hilfe nur im Rahmen einer intensiven, gelingenden Beziehung geleistet bzw. übermittelt werden. Die These ist: In einigen Fällen entwickelt erst die Chronifizierung jugendlicher Fehlsteuerung sich im Sinne einer "sich schließenden Gestalt" im Erwachsenenleben rückblickend und zwingend das Bild der "frühen Störung." Durch fünf Fallvignetten werden Faktoren psychotherapeutischer Wirksamkeit illustriert (Selbstprüfung, Wertschätzung, Einfühlung, Authentizität und Kompetenzaufbau), die geeignet sein können, eine Langzeitbehandlung fordernde "frühe Störung" einer jugendlichen Borderline-Struktur zu verhindern.
Keywords: Entwicklungsaufgaben - Körpernutzung - Adoleszenz - Borderline - Endorphin
Summary: Entwicklung im Jugendalter ist ein konstruktiver Prozess, der in der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zur Festlegung von Lebensprojekten und Selbstkonzepten führt. Die Gestaltung einer dem Jugendlichen selbst bewussten Persönlichkeitsstruktur und eines Spektrums von Gewohnheiten (einschließlich derer der Körpernutzung und somit des jeweiligen Stoffwechsels/Endorphinspiegels) bleibt zwar plastisch, ist jedoch deutlich von überdauernden Zügen getragen. Es wird dem Erscheinungsbild des Borderline-Patienten als einem "früh gestörten" Patienten nachgegangen. Dies Störungsbild kann auch bei (scheinbar) ungestörter Kindheit entstehen, es liegt die Hypothese nahe, dass die Plastizität jugendlicher Selbstgestaltung Raum für "Entgleisungen" bietet. Nach allgemeiner Überzeugung kann psychotherapeutische Hilfe nur im Rahmen einer intensiven, gelingenden Beziehung geleistet bzw. übermittelt werden. Die These ist: In einigen Fällen entwickelt erst die Chronifizierung jugendlicher Fehlsteuerung sich im Sinne einer "sich schließenden Gestalt" im Erwachsenenleben rückblickend und zwingend das Bild der "frühen Störung." Durch fünf Fallvignetten werden Faktoren psychotherapeutischer Wirksamkeit illustriert (Selbstprüfung, Wertschätzung, Einfühlung, Authentizität und Kompetenzaufbau), die geeignet sein können, eine Langzeitbehandlung fordernde "frühe Störung" einer jugendlichen Borderline-Struktur zu verhindern.
Anschrift: Entwicklung im Jugendalter ist ein konstruktiver Prozess, der in der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zur Festlegung von Lebensprojekten und Selbstkonzepten führt. Die Gestaltung einer dem Jugendlichen selbst bewussten Persönlichkeitsstruktur und eines Spektrums von Gewohnheiten (einschließlich derer der Körpernutzung und somit des jeweiligen Stoffwechsels/Endorphinspiegels) bleibt zwar plastisch, ist jedoch deutlich von überdauernden Zügen getragen. Es wird dem Erscheinungsbild des Borderline-Patienten als einem "früh gestörten" Patienten nachgegangen. Dies Störungsbild kann auch bei (scheinbar) ungestörter Kindheit entstehen, es liegt die Hypothese nahe, dass die Plastizität jugendlicher Selbstgestaltung Raum für "Entgleisungen" bietet. Nach allgemeiner Überzeugung kann psychotherapeutische Hilfe nur im Rahmen einer intensiven, gelingenden Beziehung geleistet bzw. übermittelt werden. Die These ist: In einigen Fällen entwickelt erst die Chronifizierung jugendlicher Fehlsteuerung sich im Sinne einer "sich schließenden Gestalt" im Erwachsenenleben rückblickend und zwingend das Bild der "frühen Störung." Durch fünf Fallvignetten werden Faktoren psychotherapeutischer Wirksamkeit illustriert (Selbstprüfung, Wertschätzung, Einfühlung, Authentizität und Kompetenzaufbau), die geeignet sein können, eine Langzeitbehandlung fordernde "frühe Störung" einer jugendlichen Borderline-Struktur zu verhindern.
"ES BRAUCHT MEHR ALS EIN WOCHENENDE, ARTHUR, UM AUF DEM WASSER GEHEN ZU KÖNEN" - TIEFENPSYCHOLOGISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUM KONZEPT DER RESSOURCENORIENTIERUNG IN DER PSYCHOTHERAPIE MIT JUGENDLICHEN
Bruno Metzmacher & Helmut Zaepfel
Schlüsselwörter: Ressourcenaktivierung und therapeutische Beziehung - Übertragungs- und Interaktionsverstehen - soziales Sinnverstehen
Zusammenfassung: Ressourcen sind ein bedeutender Wirkfaktor in der Psychotherapie von Jugendlichen. Zu Beginn des Artikels werden zwei kritische Aspekte der Ressourcendiskussion beschrieben. Sodann werden diagnostische und therapeutische Elemente eines tiefenpsychologischen Ressourcenkonzepts diskutiert. Dabei wird der therapeutischen Beziehung und ihrer Bedeutung für den Prozess der Ressourcenaktivierung besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Keywords: Ressourcenaktivierung und therapeutische Beziehung - Übertragungs- und Interaktionsverstehen - soziales Sinnverstehen
Summary: Ressourcen sind ein bedeutender Wirkfaktor in der Psychotherapie von Jugendlichen. Zu Beginn des Artikels werden zwei kritische Aspekte der Ressourcendiskussion beschrieben. Sodann werden diagnostische und therapeutische Elemente eines tiefenpsychologischen Ressourcenkonzepts diskutiert. Dabei wird der therapeutischen Beziehung und ihrer Bedeutung für den Prozess der Ressourcenaktivierung besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Anschrift: Ressourcen sind ein bedeutender Wirkfaktor in der Psychotherapie von Jugendlichen. Zu Beginn des Artikels werden zwei kritische Aspekte der Ressourcendiskussion beschrieben. Sodann werden diagnostische und therapeutische Elemente eines tiefenpsychologischen Ressourcenkonzepts diskutiert. Dabei wird der therapeutischen Beziehung und ihrer Bedeutung für den Prozess der Ressourcenaktivierung besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
SO GENANNTE ADOLSZENTENKRISEN: ENTSTEHUNGSBEDINGUNGEN, KLINIK, PSYCHODYNAMIK, VERLAUF UND HILFESTELLUNG
Gunther Klosinski
Schlüsselwörter: Adoleszentenkrise - Entwicklungsaufgaben - Beziehungsängste - Beziehungswünsche - Gleichaltrigen-Gruppe
Zusammenfassung: Adoleszentenkrisen als krisenhafte Normvarianten des Erlebens und Verhaltens in der Adoleszenz lassen sich als Autoritäts-, Identitäts- und psychosexuelle Krisen der Reifezeit beschreiben. Sie entstehen insbesondere dann, wenn alterstypische Entwicklungsaufgaben nicht bewältigt werden. Letztere werden erörtert sowie die Bedeutung der Gleichaltrigen-Gruppe für die Jugendlichen und ihre Auswirkungen auf Familie und Gesellschaft hervorgehoben. Das Spektrum der Adoleszentenkrisen und ihre Entstehungsbedingungen werden beschrieben. Der Verlauf ist ungewiss: Etwa zwei Drittel der Jugendlichen unter dem Bild einer Adoleszentenkrise entwickeln später eine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung. Psychotherapeuten müssen die Rolle des Entwicklungs- und Initiationshelfers mit übernehmen, Adoleszente in der Krise bedürfen eines Mentors oder einer Mentorin bzw. der Neben-Eltern. Einer familientherapeutisch orientierten Grundeinstellung kommt besondere Bedeutung zu.
Keywords: Adoleszentenkrise - Entwicklungsaufgaben - Beziehungsängste - Beziehungswünsche - Gleichaltrigen-Gruppe
Summary: Adoleszentenkrisen als krisenhafte Normvarianten des Erlebens und Verhaltens in der Adoleszenz lassen sich als Autoritäts-, Identitäts- und psychosexuelle Krisen der Reifezeit beschreiben. Sie entstehen insbesondere dann, wenn alterstypische Entwicklungsaufgaben nicht bewältigt werden. Letztere werden erörtert sowie die Bedeutung der Gleichaltrigen-Gruppe für die Jugendlichen und ihre Auswirkungen auf Familie und Gesellschaft hervorgehoben. Das Spektrum der Adoleszentenkrisen und ihre Entstehungsbedingungen werden beschrieben. Der Verlauf ist ungewiss: Etwa zwei Drittel der Jugendlichen unter dem Bild einer Adoleszentenkrise entwickeln später eine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung. Psychotherapeuten müssen die Rolle des Entwicklungs- und Initiationshelfers mit übernehmen, Adoleszente in der Krise bedürfen eines Mentors oder einer Mentorin bzw. der Neben-Eltern. Einer familientherapeutisch orientierten Grundeinstellung kommt besondere Bedeutung zu.
Anschrift: Adoleszentenkrisen als krisenhafte Normvarianten des Erlebens und Verhaltens in der Adoleszenz lassen sich als Autoritäts-, Identitäts- und psychosexuelle Krisen der Reifezeit beschreiben. Sie entstehen insbesondere dann, wenn alterstypische Entwicklungsaufgaben nicht bewältigt werden. Letztere werden erörtert sowie die Bedeutung der Gleichaltrigen-Gruppe für die Jugendlichen und ihre Auswirkungen auf Familie und Gesellschaft hervorgehoben. Das Spektrum der Adoleszentenkrisen und ihre Entstehungsbedingungen werden beschrieben. Der Verlauf ist ungewiss: Etwa zwei Drittel der Jugendlichen unter dem Bild einer Adoleszentenkrise entwickeln später eine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung. Psychotherapeuten müssen die Rolle des Entwicklungs- und Initiationshelfers mit übernehmen, Adoleszente in der Krise bedürfen eines Mentors oder einer Mentorin bzw. der Neben-Eltern. Einer familientherapeutisch orientierten Grundeinstellung kommt besondere Bedeutung zu.
HISTORISCHE ASPEKTE KLINISCHER KONZEPTE VON ADOLESZENZ
Rainer Huppert
Schlüsselwörter: Klinische Adoleszenzkonzepte - Reifung und Krise - Adoleszenz und Psychose - Entwicklungspsychopathologie
Zusammenfassung: Als spezifische Entwicklungsperiode wurde die Adoleszenz lange nicht angemessen erkannt. Die Formierung klinischer Konzepte setzte die Etablierung der Adoleszenz im gesellschaftlichen Bewußtsein voraus. Die komplexe Verflechtung biologischer und psychosozialer Merkmale bestimmte Deutungs- und Forschungsbemühungen sowie das Bild von Adoleszenz als Krise bis in dezidiert pathogenetische Konstrukte hinein. Positionen moderner Entwicklungspsychopathologie und die Ablösung übergreifender theoretischer Konzepte durch empirisch begründete Strategien relativierten diese Auffassung und führten zu einer Neubewertung psychopathologischer Auffälligkeiten dieser Lebensepoche im Rahmen einer verlaufs- und entwicklungsorientierten mehrdimensionalen Betrachtung, ohne daß dieser bereits explizit in Systemen nosologischer Klassifikationen immer explizit Rechnung getragen werden kann.
Keywords: Klinische Adoleszenzkonzepte - Reifung und Krise - Adoleszenz und Psychose - Entwicklungspsychopathologie
Summary: Als spezifische Entwicklungsperiode wurde die Adoleszenz lange nicht angemessen erkannt. Die Formierung klinischer Konzepte setzte die Etablierung der Adoleszenz im gesellschaftlichen Bewußtsein voraus. Die komplexe Verflechtung biologischer und psychosozialer Merkmale bestimmte Deutungs- und Forschungsbemühungen sowie das Bild von Adoleszenz als Krise bis in dezidiert pathogenetische Konstrukte hinein. Positionen moderner Entwicklungspsychopathologie und die Ablösung übergreifender theoretischer Konzepte durch empirisch begründete Strategien relativierten diese Auffassung und führten zu einer Neubewertung psychopathologischer Auffälligkeiten dieser Lebensepoche im Rahmen einer verlaufs- und entwicklungsorientierten mehrdimensionalen Betrachtung, ohne daß dieser bereits explizit in Systemen nosologischer Klassifikationen immer explizit Rechnung getragen werden kann.
Anschrift: Als spezifische Entwicklungsperiode wurde die Adoleszenz lange nicht angemessen erkannt. Die Formierung klinischer Konzepte setzte die Etablierung der Adoleszenz im gesellschaftlichen Bewußtsein voraus. Die komplexe Verflechtung biologischer und psychosozialer Merkmale bestimmte Deutungs- und Forschungsbemühungen sowie das Bild von Adoleszenz als Krise bis in dezidiert pathogenetische Konstrukte hinein. Positionen moderner Entwicklungspsychopathologie und die Ablösung übergreifender theoretischer Konzepte durch empirisch begründete Strategien relativierten diese Auffassung und führten zu einer Neubewertung psychopathologischer Auffälligkeiten dieser Lebensepoche im Rahmen einer verlaufs- und entwicklungsorientierten mehrdimensionalen Betrachtung, ohne daß dieser bereits explizit in Systemen nosologischer Klassifikationen immer explizit Rechnung getragen werden kann


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