RÜCKKEHRKINDER IN BOSNIEN - PROBLEME, BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN, AUFFÄLLIGKEITEN

RETURNEE CHILDREN IN BOSNIA – CONFLICTS, COPING, PROBLEMS

Diana Bruer, Maria Gavranidou, Steve Powel, Ejub Cehic, Wili Butolo

    Zusammenfassung
    Die Auswirkungen von Flucht und Vertreibung sind Gegenstand empirischer Forschung, nicht so jedoch die Auswirkungen der RĂŒckkehr von FlĂŒchtlingskindern in ihre HeimatlĂ€nder. Ziel der vorliegenden qualitativen Studie ist, ein erstes Bild der sozialen und emotionalen Situation von bosnischen RĂŒckkehrerkindern zu liefern. HierfĂŒr analysierten wir die AufsĂ€tze von 115 Kindern im Alter von 10-17 Jahren, die in Sarajevo an dem Programm “Reintegration of Returnee– Schoolchildren into the School System” teilnahmen. Wie von uns angenommen, thematisierten diese Kinder in ihren AufsĂ€tzen viele Probleme und Schwierigkeiten der Integration in die neue Gesellschaft. Insbesondere nannten sie Anpassungsschwierigkeiten, EinsamkeitsgefĂŒhle und soziale Isolation, Traurigkeit, Sprach- und Schulprobleme. Diese Probleme variierten in AbhĂ€ngigkeit von Geschlecht, Alter und psychischen AuffĂ€lligkeiten.

    SchlĂŒsselwörter
    FlĂŒchtlingskinder – Kriegsauswirkungen – Bosnien – Reintegration – Anpassungsprobleme

    Summary
    Refugee children though a highly disturbed group are no longer of scientific interest as soon as they return in their home countries. The aim of the present qualitative study is therefore to provide a first idea of the social and emotional situation of Bosnian returnee children. We analysed the compositions of 115 returnee children aged 10-17 years who took part in the program “Reintegration of Returnee – Schoolchildren into the School System” in Sarajevo. As we hypothesized report these children numerous reintegration difficulties and problems like maladaptation to the new society, social isolation, feelings of sadness, language and school-problems. These problems vary according to gender, age and psychopathology.

    Keywords
    refugee children - consequences of war – Bosnia – reintegration - returnee children

    Diana Bruer
    Dipl.-Psychologin
    Kinderklinik und Kinderpoliklinik
    im Dr. von Haunerschen Kinderspital
    Lindwurmstraße 4, 80336 MĂŒnchen
    Tel. 089/5160-3140 Fax 089/5160-4730
     

DIE BEDEUTUNG NEUROBIOLOGISCHER FORSCHUNG FÜR DIE PSYCHOTHERAPEUTISCHE PRAXIS

TEIL II - PRAXIS: DAS ZÜRCHER RESSOURCEN MODELL (ZRM)

THE MEANING OF NEUROSCIENTIFIC RESEARCH FOR PSYCHOTHERAPY

Maja Storch

    Zusammenfassung
    Dieser Artikel ist der zweite Teil eines Beitrags zur einer wissenschaftlich fundierten und praxistauglichen Koordination und Integration verschiedener Psychotherapieformen. Hierbei kommt den Neurowissenschaften eine wichtige BrĂŒckenfunktion zu. Auf der Basis der Ergebnisse, die der Psychologie in den letzten 10 Jahren von der Gehirnforschung zur VerfĂŒgung gestellt wurden, können theoretisch und empirisch solide abgesicherte Konzepte entwickelt werden, die es erlauben, die Begrifflichkeit und das Methodeninventar verschiedener Psychotherapieformen miteinander in Beziehung zu setzen. Der erste Teil dieses Beitrages (Storch, 2002) befasste sich mit der neurowissenschaftlichen Theoriebildung. Der zweite Teil stellt, aufbauend auf diesen Überlegungen, ein Praxisverfahren vor, das in Kooperation mit Dr. Frank Krause fĂŒr die UniversitĂ€t ZĂŒrich entwickelt und ĂŒberprĂŒft wurde.

    Stichwörter
    Selbstmanagement – Persönlichkeitsentwicklung – Psychotherapie – Zielpsychologie – Motivation – Neurobiologie – Ressourcen – Selbstwirksamkeit – Gesundheitspsychologie

    Summary
    This article is the second part of a study concerning the coordination and integration of different forms of psychotherapy which are not only scientifically sound but have also been tried and tested in practice. The neurosciences play an important connecting function here. Based on the results from research on the brain which have been made available to psychologists over the past 10 years, concepts have been developed which are both theoretically and empirically sound. These concepts allow us to combine the theoretical concepts and practical methods of different forms of psychotherapy. The first part of this study (Storch 2002) dealt with the neuroscientific theory. The second part introduces a practical procedure which has been developed at the University of ZĂŒrich in collaboration with Dr. Frank Krause.

    Keywords
    Self-management - personality-development – psychotherapy - goal-psychology – motivation – neurobiology – resources - self-efficacy – health-psychology

    Dr. phil. Maja Storch
    Psychologische Psychotherapeutin
    UniversitĂ€t ZĂŒrich, PĂ€dagogische Psychologie
    Scheuchzerstraße 21
    CH-8006 ZĂŒrich
    Das ZĂŒrcher Ressourcen Modell im Internet:
    www.zrm.ch

 

WIE URTEILEN VERHALTENSTHERAPIE-GUTACHTER? VON DER EINSCHÄTZUNG DES FALLBERICHTS ZUR BEURTEILUNG DES ANTRAGS

HOW DO BEHAVIOR THERAPY EXPERTS JUDGE? FROM ASSESSMENT OF THE CASE REPORT TO ASSESSMENT OF THE APPLICATION

Serge K. D. Sulz, Rolf Meermann , Eibe-Rudolf Rey , Michael Sadre Chirazi-Stark

    Zusammenfassung
    29 Gutachter beurteilten fĂŒnf unausgewĂ€hlte Verhaltenstherapie-ErstantrĂ€ge. Zuerst schĂ€tzten sie jeden Antrag anhand von 9 QualitĂ€tskriterien ein. Dann entschieden sie bezĂŒglich uneingeschrĂ€nkter oder eingeschrĂ€nkter BefĂŒrwortung oder NichtbefĂŒrwortung des Antrags. Es ergab sich ein Übereinstimmung von 97 % bezĂŒglich BefĂŒrwortung – NichtbefĂŒrwortung. Die beiden gut geeigneten FĂ€lle wurden mit 92 % Übereinstimmung ungekĂŒrzt befĂŒrwortet. Lediglich bei den mit MĂ€ngeln behafteten geeigneten FĂ€llen war die Übereinstimmung der Gutachter nicht so gut. 65 % der Beurteilungen fĂŒhrten bei ihnen zu ungekĂŒrzter BefĂŒrwortung, 20 % zu Nachfragen und 15 % zu KĂŒrzungen. Aufgrund der QualitĂ€t eines Antrags ergibt sich, dass bei neun erfĂŒllten Kriterien mit einer ungekĂŒrzten BefĂŒrwortung, bei acht erfĂŒllten Kriterien mit Nachfragen und bei sieben oder sechs erfĂŒllten Kriterien mit KĂŒrzungen gerechnet werden muss. Weniger als sechs erfĂŒllte Kriterien können zur NichtbefĂŒrwortung fĂŒhren. Die inhaltlichen AusfĂŒhrungen der RĂŒckmeldungen an die Antragsteller sind differenziert und vielfĂ€ltig. Das kritische Feedback der Gutachter trotz ungekĂŒrzter BefĂŒrwortung ist ein in der bisherigen Diskussion nicht berĂŒcksichtigter Bestandteil des Gutachtens. Er ging nicht in Statistiken ein, obgleich er als steuerndes Instrument ebenfalls berĂŒcksichtigt werden muss.

    SchlĂŒsselwörter
    Antragsverfahren – Gutachten – Verhaltenstherapie – Psychotherapie – QualitĂ€tssicherung – ReliabilitĂ€t

    Summary
    29 experts judged five not chosen first applications for behavior therapy. First, they assessed each application by 9 quality criteria. Then they decided regarding limited or unlimited recommendation or non recommendation of the application. The result was an agreement of 97% regarding recommendation – non recommendation. The two well suitable cases were recommended unshortened with 92% agreement. Merely with the flawed suitable cases, the agreement of the experts wasn’t as good. 65% of the assessments lead to an unshortened recommendation with them, 20% to inquiries and 15% to reductions. On account of the quality of an application it follows that with nine met criteria with an unshortened recommendation, one has to reckon with inquiries regarding eight met criteria and with reductions regarding seven or six met criteria. Less than six met criteria can lead to non recommendation. The comments in content of the reportings back to the applicant are sophisticated and varied. Despite the unshortened recommendation, the critical feedback of the experts is part of the expert’s opinion which hasn’t been considered in the discussion up to now. It didn’t enter the statistics, although it has to be considered as a controlling instrument as well.

    Keywords
    application procedure – assessment – behavior therapy – psychotherapy – quality assurance – reliability

    Dr. Dr. Serge K.-D. Sulz
    Nymphenburger Str. 185
    80634 MĂŒnchen
    Fax  089-132 133
    E-Mail: cipmedien@aol.com

DIAGNOSE UND DIFFERENZIALDIAGNOSE VON PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN

DIAGNOSIS UND DIFFERENTIAL DIANGNOSIS OF PERSONALITY DISORDER

Serge K. D. Sulz und Sabine Sauer

    Zusammenfassung
    ZunĂ€chst werden theoretische Konzeptionen von Persönlichkeitsstörungen diskutiert. Anschließend wird ĂŒber Studien zu Diagnose und Differenzialdiagnose von Persönlichkeitsstörungen und ĂŒber empirische Untersuchungen zu den VDSPersönlichkeitsskalen berichtet. Diese wurden mit dem Ziel entwickelt, fĂŒr die psychotherapeutische Praxis ökonomisch einsetzbare Messinstrumente zur VerfĂŒgung zu stellen, die dysfunktionale PersönlichkeitszĂŒge erfassen, die hĂ€ufig die Entstehung psychischer Erkrankungen sowie Verlauf und Ergebnis von Psychotherapien beeinflussen können. Dann wird ĂŒber den Versuch berichtet, durch eine Nachexploration mit Hilfe eines strukturierten Interviews Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10 zu diagnostizieren. Es wird eine neue Studie vorgestellt ĂŒber die ersten Erfahrungen mit dem Einsatz des Interviews zur Erfassung von Persönlichkeitsstörungen (VDS30-Int). Bei 81 Patienten wurden die um die drei Skalen paranoid, schizotyp und dissozial auf elf Skalen erweiterten VDS30-Persönlichkeitsskalen eingesetzt und anschließend das Persönlichkeitsstörungsinterview VDS30-Int durchgefĂŒhrt. Die Korrelation zwischen Selbstbeurteilung (Persönlichkeitsskalen) und Fremdbeurteilung (Interview) war bei den Skalen selbstunsicher, histrionisch, zwanghaft, narzisstisch, dependent und emotional instabil (Borderline) gut bis sehr gut, bei passiv-aggressiv, paranoid und schizotyp schlecht. Die InterraterreliabilitĂ€t des Interviews war gut. Es bestand eine hohe KomorbiditĂ€t von selbstunsicheren, zwanghaften und dependenten Persönlichkeitsstörungen.

     

    SchlĂŒsselwörter
    Persönlichkeitsstörung – Diagnose – Persönlichkeitsfragebogen – Persönlichkeitsinterview - Psychotherapie

    Summary
    At first, theoretical concepts of personality disorders are being discussed. Afterwards, there is a report on studies regarding diagnosis and differential diagnosis of personality disorders and empirical research regarding the VDS personality scales.These were developed with the aim to place economically employable measuring instruments for the psychotherapeutic practice at disposal which register disfunctional personality traits that can often have influence on the emergence of psychic illnesses and can also influence the course and result of psychotherapies negatively. Then there is a report about a study on diagnosing personality disorders according to ICD-10 by an after-exploration with the help of a structured interview. A new study is presented introducing first experiences about the employment of the interview recording personality disorders (VDS 30-Int). Among 81 patients, the VDS 30– personality scales which were extended up to eleven scales by the three scales paranoid, schizotype and dissocial were used and afterwards the personality disorder interview VDS 30-Int was carried out. The correlation between self assessment (personality scales) and cross assessment (interview) were good to very good with the scales avoidant, histrionic, compulsive, narcissistic, dependent and emotionally unstable (borderline), low with passive-aggressive, paranoid and schizotype. The interrater reliability of the interview was good. There was a high comorbidity of avoidant, compulsive and dependent personality disorders.

    Keywords
    personality disorder, diagnosis, personality scales, personality interview, psychotherapy

    Dr. Dr. Serge K.-D. Sulz
    Nymphenburger Str. 185
    80634 MĂŒnchen
    Fax  089-132 133
    E-Mail: cipmedien@aol.com

MAGISCHE ÜBERZEUGUNGEN BEI ZWANGSSTÖRUNGEN
INTERDISZIPLINÄRE ÜBERLEGUNGEN ZU EINEM BISLANG WE
NIG DIFFERENZIERTEN STÖRUNGSASPEKT

MAGICAL BELIEFS IN OCD.

INTERDISCIPLINARY REFLECTIONS ON A LARGELY IGNORED FEATURE

Götz Taubert

    Zusammenfassung
    Im BemĂŒhen um bessere Ă€tiologische Modelle der Zwangsstörung wird auf die wenig differenzierte Aufarbeitung der bei Zwangsstörungen hĂ€ufig vorkommenden magischen Überzeugungen hingewiesen. Es wird gezeigt, dass die kognitivbehavioralen Konstrukte “inflated responsibility” und “thoughtaction fusion” hohe inhaltliche Ähnlichkeit zu magischen Überzeugungen aufweisen und unter solchen subsumierbar sind. Einer derartige Perspektive wurde bislang vermutlich durch die gering elaborierte und möglicherweise vorurteilsbeladene Aufarbeitung des PhĂ€nomens Magie durch psychologische Wissenschaftler verhindert. Durch eine Darstellung der differenzierten Erarbeitung des PhĂ€nomenbereiches Magie durch die Ethnologie werden die Konzepte “partizipatives Erleben” und “autonome Imagination” sowie funktionale Aspekte magischen Praktizierens wie “ErklĂ€rung”, “Kontrolle” und “Selbstentwicklung” vorgestellt. Es wird gezeigt, dass diese Kategorien einem inhaltlich differenzierten VerstĂ€ndnis magischer Überzeugungen bei Zwangsstörungen dienen können und grundlegende Aspekte der Störung wie auch der Störungsdynamik plausibel abbilden. Der hohe Wert dieser Konzepte fĂŒr eine differenzierte und phĂ€nomenologisch orientierte psychologische Ätiologiemodellbildung wird herausgestellt.

    SchlĂŒsselwörter
    Zwangsstörung - magische Überzeugungen - Überverantwortlichkeit – Intrusionen - Ätiologie

    Summary
    In the attempt to achieve better etiological modelling of obsessive compulsive disorder (OCD), it should be pointed out that that little analysis has been done on magical beliefs, which are a widespread phenomenon in OCD. It will be shown that the cognitive-behavioural constructs ”inflated responsibility” and ”thought-action fusion” show high similarity to magical beliefs, and are subsumable under magical thinking. The inclusion of such similarities has been largely ignored by psychological scientists in undifferentiated and possibly biased investigations into the phenomenon of magic. By referring to well-discussed ethnological data on magic the ethnological concepts of ”participation” and ”autonomous imagination” as well as functional aspects of magic like ”explanation”, ”control” and ”self-development” will be introduced. It will be shown that these concepts can be regarded as useful heuristics for a sophisticated understanding of magical beliefs in OCD, as well as for OCD-specific dynamics. The high value of these concepts for a phenomenological sensitive etiological modelling of OCD will be emphasized.

     

    Keywords
    obsessive compulsive disorder (OCD) - magical belief - inflated responsibility - intrusional thoughts - etiology

    Dipl.-Psych. Götz Taubert
    Schießstattstr. 5  87700 Memmingen
    Tel.: 08331 /960782
    Fax: 01212/531786786

    Der Autor arbeitet als Diplompsychologe in den Abteilungen SozialpÀdiatrisches Zentrum und Psychosomatische Station der Kinderklinik des Klinikums Memmingen.

DIAGNOSTIK UND DIFFERENZIALDIAGNOSTIK DER ANGSTSTÖRUNGEN NACH ICD-10

CLINICAL DIAGNOSIS AND DIFFERENTIAL DIAGNOSIS OF ANXIETY DISORDERS BY MEANS OF ICD-10

JĂŒrgen Konermann und Michael Zaudig

    Zusammenfassung
    Der Artikel gibt einen umfassenden Überblick ĂŒber die ICD-10/DSM-IV-Angststörungen (Phobien, Panikstörung und generalisierte Angststörung). Schwerpunkt der Darstellung ist die ausfĂŒhrliche Diskussion der Differenzialdiagnostik zu organischen und anderen psychischen Störungen. Letztere werden besonders unter praxisrelevanten BezĂŒgen diskutiert. Im abschließenden Abschnitt werden diagnostische Hilfsmittel fĂŒr die Praxisroutine dargestellt.

    SchlĂŒsselwörter
    ICD-10 - DSM-IV – Angststörung – Diagnose -Differenzialdiagnose

    Summary
    In this article the current state of diagnosis and differential diagnosis of anxiety disorders (phobias, panic disorders and generalized anxiety disorders) is discussed as presented in ICD-10 and DSM-IV and their relevance concerning day to day practise. Problems in differentiating anxiety states from other psychiatric disorders are highlighted as well as assessing anxiety syndromes by means of scales and structured interviews.

    Keywords
    ICD-10 - DSM-IV - anxiety disorder - diagnosis - differential diagnosis

    Dr. phil. JĂŒrgen Konermann
    Psychosomatische Klinik Windach, 86949 Windach
    Telefon 08193/72-815
    Fax 08193/72-809

    Priv.-Doz. Dr. med. Michael Zaudig
    Psychosomatische Klinik Windach, 85949 Windach
    Telefon 08193/72-802
    Fax 08193/72-809
     

EPIDEMIOLOGIE VON ANGSTSTÖRUNGEN

EPIDEMIOLOGY OF ANXIETY DISORDERS

Roselind Lieb, Andrea Schreier, Nina MĂŒler

    Zusammenfassung
    Angststörungen sind nach neueren epidemiologischen Studien ein hĂ€ufiges und weit verbreitetes PhĂ€nomen in der Allgemeinbevölkerung. Sie gehören neben Affektiven und Substanzstörungen zu den hĂ€ufigsten psychischen Störungen in der Bevölkerung und wurden lange in ihrer gesundheitspolitischen Bedeutung unterschĂ€tzt. Angststörungen manifestieren sich erstmalig bereits wĂ€hrend der Kindheit, mit einer Hochrisikozeit fĂŒr das Erstauftreten einer Angststörung zwischen 10 und 25 Jahren. JĂŒngere epidemiologische Arbeiten lassen zudem vermuten, dass das Ersterkrankungsalter in jĂŒngeren Altersgruppen vorrĂŒckt. Als soziodemografische Korrelate von Angststörungen haben sich vor allem Alter, Geschlecht, Familienstand und Bildungs-/beruflicher Status erwiesen. Andere Risikofaktoren wurden bislang weniger hĂ€ufig auf der Basis von methodisch adĂ€quaten Designs ĂŒberprĂŒft, jedoch zeichnet sich hier ab, dass eine familiĂ€re Belastung mit psychischen Störungen (insbesondere mit Angststörungen), Behavioral Inhibition und belastende Lebensereignisse, wie z. B. sexueller Missbrauch, das Risiko fĂŒr eine Angststörung erhöhen. Unklar ist die SpezifitĂ€t der Risikofaktoren, d.h., inwieweit sich Risikofaktoren fĂŒr verschiedene Angststörungen oder fĂŒr Angststörungen in Abgrenzung zu anderen Störungen unterscheiden. Angststörungen gehen zudem mit einer hohen KomorbiditĂ€t, insbesondere mit Affektiven und alkoholbedingten Störungen, einher. Auch wenn Hinweise darauf vorliegen, dass frĂŒhe Angststörungen möglicherweise kausale Risikofaktoren fĂŒr die Entwicklung einer sekundĂ€ren Depression darstellen, sind dringend weitere ForschungsbemĂŒhungen notwendig, um die beobachtete Überlappung von Angststörungen mit anderen psychischen Störungen in ihrer Bedeutung weiter aufzuklĂ€ren. Vor allem wird hier in Zukunft verstĂ€rkt der Einsatz von prospektiven LĂ€ngsschnittuntersuchungen und reprĂ€sentativen Stichproben nötig sein, um methodische SchwĂ€chen bisheriger Forschung zu ĂŒberwinden. Analysen zu Versorgungsaspekten zeigen, dass Angststörungen als unterversorgt angesehen werden mĂŒssen. Nach neueren SchĂ€tzungen ist in Deutschland davon auszugehen, dass nur etwa die HĂ€lfte aller Personen, die an einer Angststörung leiden (12-Monats-Diagnose), irgendeine Art von Behandlungsangebot erhalten. Personen mit Angststörungen werden somit in unserem Gesundheitssystem lĂ€ngst nicht optimal versorgt, was mit unnötigem Leid fĂŒr die Betroffenen wie auch mit gesundheitsökonomischen Implikationen verbunden ist.

    SchlĂŒsselwörter
    Epidemiologie – PrĂ€valenz – Erstmanifestation - DSM-IV – Angststörungen – KomorbiditĂ€t – Versorgung - Risikofaktoren

    Summary
    Anxiety disorders are a widespread phenomenon in the general population. Next to affective and substance use disorders they are the most frequent mental disorders in the general population and have long been underestimated with respect to their relevance for health policy. The first manifestation of anxiety disorders is often during childhood with the high-risk period for age of onset between 10 and 25 years of age. Beyond age 40, the probability of first onset of an anxiety disorder considerably decreases. There is some evidence suggesting a successively decreasing overall prevalence for older cohorts. Correlates of anxiety disorders include demographics such as gender, low income and education, unemployment and being unmarried. Other risk factors have so far only rarely been studied on the basis of adequate methodological designs. However, existing knowledge suggests that a family history of mental disorders (especially anxiety disorders), behavioral inhibition as well as adverse life experiences, e.g., sexual abuse, increase the risk for anxiety disorders. Until today, questions remain with respect to the specificity of these risk factors, i.e., to what extent risk factors are specific only for certain anxiety disorders or for anxiety disorders as opposed to affective disorders. Comorbidity among anxiety disorders is considerable. Highest comorbidity could be shown with affective and substance use disorders. There is empirical evidence suggesting a causal relationship between early anxiety disorders and the later development of secondary depression. However, in the future there will be a special need for prospective longitudinal studies and representative samples to overcome shortcomings of previous research and to study the psychopathological implications of comorbidity on the basis of adequate designs. Analyses regarding health care utilization indicate that anxiety disorders are far from being sufficiently treated. In Germany only half of the individuals with a diagnosis of an anxiety disorder (12-month-prevalence) have received any treatment at all. The treatment of anxiety disorders must be considered far from the optimum.

    Keywords
    Epidemiology – prevalence - age of onset - DSM-IV - anxiety disorders – comorbidity - health care utilisation -
    risk factors

    Dr. Roselind Lieb
    Max-Planck-Institut fĂŒr Psychiatrie
    Klinische Psychologie und Epidemiologie
    Kraepelinstraße 2  80804 MĂŒnchen
    Tel: 089/ 30622 546  Fax: 089/30622 544

    E-Mail: lieb@mpipsykl.mpg.de

PSYCHOPHARMAKOTHERAPIE BEI ANGSTERKRANKUNGEN

PHARMACOTHERAPY OF ANXIETY DISORDERS

Nikola Kern und Andreas Ströhle

    Zusammenfassung
    Die moderne Psychopharmakotherapie von Angsterkrankungen begann mit der Beobachtung von Klein und Fink, dass Imipramin antipanisch wirksam ist. Darauf aufbauend wurden aus der homogenen diagnostischen Kategorie der “Angstneurosen” verschiedene Angstsyndrome auf der Grundlage ihres unterschiedlichen pharmakologischen Antwortverhaltens abgeleitet und fĂŒhrten zu einer eher am Symptom orientierten Pharmakotherapie. Da die Anwendung der bei Angststörungen gut wirksamen Benzodiazepine durch ihr hohes Missbrauchsund AbhĂ€ngigkeitspotenzial sowie die Toleranzentwicklung limitiert wird und der Verlauf der Angsterkrankungen eher chronisch ist, sollte eine Therapie mit Antidepressiva angestrebt werden. Die Wirksamkeit von Antidepressiva verschiedener Substanzklassen und Generationen konnte in zahlreichen kontrollierten Studien bei den jeweiligen Angsterkrankungen nachgewiesen werden. Zusammenfassend werden die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs) aufgrund ihres gĂŒnstigen Nebenwirkungsprofils und ihrer Wirksamkeit bei allen Angsterkrankungen neuerdings auch bei spezifischen Phobien als Medikament der ersten Wahl bei den meisten Angststörungen angesehen. Trotz vertrĂ€glicher und nachweislich wirksamer Substanzen muss die Psychopharmakotherapie der Angststörungen in ein multimodales Behandlungskonzept mit psychoedukativen, psychotherapeutischen, psychopharmakologischen und soziotherapeutischen Bestandteilen eingebettet sein. Ob in der Zukunft partielle GABA-A-Rezeptor-Agonisten, spezifische Serotoninrezeptor-Agonisten, CCK–Antagonisten oder Neuropeptide eine Rolle in der pharmakologischen Behandlung der Angststörungen spielen, ist zur Zeit Gegenstand der Forschung.

    SchlĂŒsselwörter
    Pharmakotherapie von Angsterkrankungen – Antidepressiva - zukĂŒnftige Anxiolytika

    Summary
    The modern pharmacotherapy of anxiety disorders originated from Klein and Fink®s observation that the tricyclic antidepressant imipramine has antipanic properties. Subsequently, different anxiety syndromes were delineated out of the former diagnostic category “anxiety neurosis”, according to their pharmacological responsiveness. As anxiety disorders tend to have a chronic course and with respect to the risk of dependence for benzodiazepines, a durable anxiolytic therapy with antidepressants should be performed. The anxiolytic activity of antidepressants from different substance classes and generations could be demonstrated in numerous controlled studies. Overall, the effectiveness and the favourable side-effect profile of the Selective Serotonin Reuptake Inhibitors (SSRIs) have elevated them to first-line treatment tools for the respective anxiety disorders, recently even for specific phobia. Although the pharmacotherapy of anxiety disorders has improved substantially during the last years, a combination of psychoeducative, pharmacological, psychotherapeutic and sociotherapeutic strategies still remains critically important to the therapeutic management of each individual patient. Whether new therapeutic approaches, for example, partial agonists of GABA A-receptor, specific agonists of the Serotoninreceptor, CCK-antagonists or Neuropeptides, will play a role in the future pharmacotherapy of anxiety disorders is currently under investigation.

    Keywords
    Pharmacotherapy of anxiety disorders – antidepressants - future anxiolytics

    Dr. med. Andreas Ströhle
    Klinik fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie
    UniversitÀtsklinikum Charité
    Humboldt-UniversitÀt zu Berlin
    Schumannstr. 20/21 ‱ 10117 Berlin
    Tel.: 030 450 517034 oder –517062
    FAX: 030 450 517934
    E-Mail: andreas.stroehle@charite.de

KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE BEI PANIK UND AGORAPHOBIE IM JUGEND- UND ERWACHSENENALTER

COGNITIVE BEHAVIOR THERAPY WITH ADOLESCENT AND ADULT PATIENTS SUFFERING FORM PANIC DISORDER AND AGORAPHOBIA

Sigrun Schmidt-Traub

    Zusammenfassung
    Im ersten Teil des Beitrags werden aktuelle Forschungsschwerpunkte und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Panik- und Agoraphobieforschung referiert. Am Beispiel einer jungen Frau mit Panik und Agoraphobie nach ĂŒberstandener Herzerkrankung und eines Mannes mit derselben kombinierten Angststörung und einer komorbiden rezidivierenden Depression werden im zweiten Teil verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Diagnostik und Behandlung dieser Angststörungen beleuchtet. Nach Darstellung der gemeinsam mit den Patienten erarbeiteten Mikro-, Makro- und Zielanalysen wird die verhaltenstherapeutische Vorgehensweise bei panischen und phobischen Ängsten – Psychoedukation, Konfrontation, kognitive Verfahren, Gesundheitstraining, Kommunikationshilfen, Zukunftsplanung und RĂŒckfallprophylaxe - veranschaulicht. Am Ende wird beider Therapieverlauf mit seinen Höhen und Tiefen skizziert.

    SchlĂŒsselwörter
    Panikstörung – Agoraphobie – kognitive Verhaltenstherapie fĂŒr Jugendliche und Erwachsene

    Summary
    In the first part of the article current scientific topics, newest developments and results from panic and agoraphobia research are reported. In part two the dianostic assessment of thes anxiety disorders and the treatment with cognitive behavior therapy is examined with the help of a case of a young woman suffering from panic and agoraphobia after recovery form coronar disease and a man with the same combination of anxiety disorders plus comorbid recurring major depression. After illustrating the micro-analysis, macro-analysis and goalanalysis, which were all won in joint actions with the patients, the cognitive behavior treatment procedures for panic and phobic anxieties are portrayed – psycho-education, confrontation, cognitive methods, health training, communication processes, planing for the future and relapse prophylaxis. Towards the end of the article both therapeutic courses with their highlights lows are outlined.

    Keywords
    Panic disorder – agoraphobia – cognitive behavior therapy for adolescents and adults

    Dr. Sigrun Schmidt-Traub
    DixbÀume 775
    45257 Essen
    Tel. 0201-48 12 35
    Fax 0201-8486881
    E-Mail: Schmidt-Traub@t-online.de

KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE BEI SOZIALER PHOBIE (SOZIALER ANGSTSTÖRUNG) - STATE OF THE ART

COGNITIVE-BEHAVIORAL THERAPY FOR SOCIAL PHOBIA (SOCIAL AXIETY DISORDER) - STATE OF THE ART

Ulrich Stangier

    Zusammenfassung
    Metaanalysen der Wirksamkeit von psychologischen Thera­pien belegen, dass mit kognitiver Verhaltenstherapie deutli­che Verbesserungen der sozialphobischen Symptomatik er­zielt werden. Es besteht jedoch Übereinstimmung, dass die EffektivitĂ€t verfĂŒgbarer BehandlungsansĂ€tze verbessert wer­den kann. Eine Weiterentwicklung stellt der auf dem kogniti­ven Modell basierende Therapieansatz von Clark und Wells dar. Dieser berĂŒcksichtigt Störungen in der Informationsver­arbeitung von Personen mit Sozialen Phobien und zielt auf eine VerĂ€nderung von Aufmerksamkeitsprozessen, Sicher­heitsverhalten und kognitiver ReprĂ€sentation des sozialen Selbst ab. KĂŒrzlich abgeschlossene Therapiestudien von Clark et al. und Stangier et al. belegen, dass die Wirksamkeit des Behandlungsansatzes im Einzelsetting ĂŒber den bislang in Metaanalysen angegebenen Effekten kognitiv-behavioraler (Gruppen) Behandlung liegt. Der auf dem kognitiven Modell beruhende Behandlungsansatz ist hochstrukturiert und sehr störungsspezifisch ausgerichtet. Durch entsprechende Erwei­terungen und Anpassungen sind die Methoden auch bei komorbiden Störungen und im stationĂ€ren Setting umsetzbar und dĂŒrften deshalb auch in der Versorgungspraxis einen ef­fektiveren Behandlungsansatz fĂŒr SP darstellen als die bislang verbreiteten Therapien.

    SchlĂŒsselwörter
    Soziale Phobie - kognitiv-behaviorale Therapie - Einzel­versus Gruppentherapie – Sicherheitsverhalten - Informations­verarbeitung

    Abstract
    Meta-analyses of psychological treatments for social phobia show that cognitive-behavioral treatments are effective in reducing social phobic symptoms. Despite the positive findings reported for CBT, it is generally agreed that efficacy of psychological treatments for social phobia needs further improvement. Clark and Wells (1995) developed a new treatment approach based on the cognitive model of social phobia. The treatment focuses on the specific biases in information processing and aims at the modification of self­focused attention, use of safety behaviors, biased representation of the social self and anticipatory and post-event processing. The results of two recently completed trials by Clark et al. andStangier et al. found evidence that when delivered in an indivi­dual format, the effect sizes of the cognitive therapy were higherthan other forms of cognitive-behavioral group treatments that are currently available. The treatment based on the cognitive model comprises highly structured and specific procedures. When adopted to specific applications, the approach is also effective in treating social phobic outpatients and inpatients with complex comorbid conditions. To sum up, this newer development in cognitive therapy is also suggested to show higher effectiveness in mental health care system than earlier forms of psychological treatments.

    Keywords
    Social phobia - cognitive-behavioral therapy - individual versus group treatment - safety behaviors - information processing

    Privatdozent Dr. Ulrich Stangier
    Institut fĂŒr Psychologie
    J.W. Goethe-UniversitÀt Frankfurt
    PF 111932 Fach 54
    D-60054 Frankfurt
    Tel. 069/798 28259 ‱ FAX: 069/798 28110
    E-Mail: stangier@psych.uni-frankfurt.de

DIE GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG – STATE OF THE ART

GENERALIZED ANXIETY DISORDERS – STATE OF THE ART

Eni S. Becker und Birgit NĂŒndel

    Zusammenfassung
    Patienten mit einer Generalisierten Angststörung (GAS) leiden unter chronischer, anhaltender Angst, in deren Mittelpunkt ausgeprĂ€gte Sorgen stehen. Diese werden als schwer zu kontrollieren erlebt und gehen mit einem hohen Anspannungsniveau und einigen körperlichen Symptomen einher. Die GAS ist eine hĂ€ufige Störung, die von den Betroffen als sehr belastend erlebt wird. Doch bis heute gibt es nur wenige Therapiestudien zur GAS, die im allgemeinen geringere Erfolge aufweisen als spezifische Therapien, die bei anderen Angststörungen zum Einsatz kommen. Es gibt derzeit zwei neuere AnsĂ€tze, die besonders viel versprechend sind. Zum einen die Konfrontation in sensu mit den Sorgeninhalten, zum anderen die angewandte Entspannung nach Öst. Beide können mit kognitiv orientierten Interventionen kombiniert werden. Beide BehandlungsansĂ€tze werden ausfĂŒhrlicher dargestellt.

    SchlĂŒsselwörter
    Generalisierte Angststörung – Konfronta
    tion in sensu – Angewandte Entspannung

    Summary
    Patients with Generalized Anxiety Disorder (GAD) suffer from chronic anxiety. A central feature are worries which are conceived as uncontrollable, and are accompanied by high arousal and a number of bodily symptoms. GAD is highly prevalent, and the impairment is considerable. There is a lack of therapy studies concerning GAD. Results have shown that the therapy outcome is not as good as for phobias or panic disorder. Two new interventions are especially promising: worry confrontation in sensu and applied relaxation by Öst. Both may be combined with cognitive therapy interventions. These therapy strategies will be explained in greater detail.

    Keywords
    Generalized Anxiety disorder – confrontation in  sensu – applied relaxation

    Dr. Eni Becker
    TU Dresden
    Klinische Psychologie und Psychotherapie
    01062 Dresden
    E-Mail: ebecker@rcs.urz.tu-dresden.de

DIE ANGST – FREUDIANE AUFFASSUNGEN UND EINIGE THERAPEUTISCHE KONSEQUENZEN

ANCIETY – FREUDIEN CONCEPTIONS AND SOME THERAPEUTIC INFERENCES

Stefan Pirée

    Zusammenfassung
    ZunĂ€chst wird die Entwicklung der Auffassung der Angst vom Symptom zum Signal dargestellt. Ursache ist dabei immer eine “innere Gefahr”, einerseits als libidinale ReizĂŒberflutung, anderseits als verinnerlichte Kastrationsdrohung. Danach wurde der Kastrationsbegriff in eine globale Theorie des inneren Mangels eingegliedert. So befindet sich die Angst im VerhĂ€ltnis des Begehrens zum Genießen bzw. in der Begegnung mit den Objekten, Ursache des Wunschbegehrens (“a”), als wesentlich zur Gestaltung des Subjekts. Die Angst wird schließlich im Handhaben der Übertragung zu einer möglichen therapeutischen Methode.

    Summary
    First is shown the conceptual evolution of anxiety from symptom to signal. The cause is always an “inner danger”; a libidinal overflotting excitement or a castration threat. Later the concept of castration was integrated in a global theory of inner lack. So anxiety was situated between desire and enjoyment, in the encounter with the objects, cause of desire (“a”), essentially in the building of the subj ect. Anxiety finally, in the handling of transference, may become a therapeutic method.

    SchlĂŒsselwörter
    Angst – Energetik – Psychodynamik – Begehren - Übertragung

    Keywords
    Anxiety – energetic – psychodynamic – desire - transference

    Dr. med. Stefan Pirée
    Facharzt f. Psychiatrie, Psychoanalyse, Psychotherapie.
    Assoc. memb. International Psychoanalytic Association

    80803 MĂŒnchen
    Viktor-Scheffelstr. 10
    Tel. 397879

PRAXIS DER ANALYTISCHEN THERAPIE BEI ANGSTSTÖRUNGEN

PRACTICE OF PSYCHOANALYTIC THERAPY IN ANXIETY DISORDERS

Regine Scherer-Renner

    Zusammenfassung
    Das Sozialgesetzbuch verpflichtet Psychotherapeuten in der ambulanten Praxis zum internen QualitĂ€tsmanagement (Sulz, 2001). QualitĂ€t wird definiert als optimale Versorgung psychisch kranker Menschen nach dem jeweils neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis unter Beachtung der besonderen Eigenarten und Ziele sowie behandlungsbezogener Vorstellungen der einzelnen Persönlichkeit (Maß, 1997). Was ist derzeit der neueste Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse in der psychoanalytischen Praxis? Nach welchen Leitlinien sollen sich Psychotherapeuten richten, wenn innerhalb des Fachgebiets Uneinigkeit besteht, wie sie beispielhaft an der Kontroverse von AndrĂ© Green und Daniel Stern bezĂŒglich der Relevanz bzw. Irrelevanz der Kleinkindforschung fĂŒr die Psychotherapie deutlich wird? Soll die “SpezifitĂ€t der Psychoanalyse” bewahrt werden im Sinne Greens “konzeptioneller Apartheid” (Dornes, 2002), oder soll ein interdisziplinĂ€rer Austausch mit der Bindungs-, der Kleinkind- und der Hirnforschung intensiviert werden, wie manche Autoren (Heigl-Evers, Dornes, Strauß, Storch) es empfehlen? Wie können die Erkenntnisse dieser Disziplinen in der Psychotherapie umgesetzt werden, ohne dass die “SpezifitĂ€t der Psychoanalyse” verloren geht? Durch diesen Konflikt verstĂ€rkt sich die althergebrachte Angst “Wie arbeite ich analytisch richtig?” - vor allem im Weiterbildungsbereich. In der ursprĂŒnglichen psychotherapeutischen Praxis Freuds und seiner SchĂŒler sind deutende und stĂŒtzende Technik verbunden, wĂ€hrend die so genannte “klassische Psychoanalyse” der nordamerikanischen Ich-Psychologie der 50er Jahre “Auflösung der Übertragung durch reine Deutung”, “strikte technische NeutralitĂ€t” und “maximale Entfaltung der Übertragungsneurose” zum behandlungstechnischen Ideal der freudianischen Psychoanalyse erhebt. Am Beispiel von Patienten mit Angststörungen wird ĂŒberlegt, inwieweit die Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der Bindungs-, Kleinkind- und Hirnforschung zu einer WiederannĂ€herung an das frĂŒhe behandlungstechnische VerstĂ€ndnis der Psychoanalyse fĂŒhrt.

    SchlĂŒsselwörter
    Bindungsforschung - Hirnforschung - Kleinkindforschung - interdisziplinÀrer Austausch - Auswirkung auf die analytische Praxis - Angststörungen - Angst in der Weiterbildung

    Summary

    According to the German Code of Social Law, psychotherapists working with outpatients are required to undertake internal quality checks (Sulz, 2002). Quality is defined here as the provision of optimum treatment to mentally ill patients in accordance with the current status of scientific knowledge; and the observance of certain aims and features and treatmentrelated notions of individual personality (Maß, 1997). So, what is the current status of scientific knowledge in psychoanalytical practice? What guidelines should psychotherapists follow when differences of opinion exist within a specialist area, such as in the controversy involving AndrĂ© Green and Daniel Stern and the relevance/non relevance of infant research in psychotherapy? Should the ”specificity of psychoanalysis” be preserved, in the sense of Green‘s ”conceptual apartheid” (Dornes, 2002), or should the exchange between attachment -, brain - and infant research disciplines be intensified, as many authors (Heigl-Evers, Dornes, Strauß, Storch) have recommended? How could findings in these disciplines be applied to psychotherapy, without compromising the ”specificity of psychoanalysis”? The traditional fear ”how can I correctly work analytically?” has been intensified by this conflict, particularly within the career development area.

    In Freud’s original psychotherapeutical practice, and that of his students, interpreting and sustaining methods were connected, whereas the so-called ”classical psychoanalysis” of the North American ego-psychology of the 1950s raised ”the transcendence of transference through pure interpretation”, ”strict technical neutrality” and ”the maximum development of transference neurosis” to the therapeutic ideal of Freudian psychoanalysis.

    Using patients with anxiety disorders as an example, I will consider the extent to which the analysis of findings from attachment -, brain - and infant research lead us back to the earlier understanding of therapeutic methodology in psychoanalysis.

    Keywords
    Attachment research - brain research - infant research – interdisciplinary exchange – effect on analytical practice- anxiety disorders - career development anxiety

    Dr. med. Regine Scherer–Renner
    FachĂ€rztin fĂŒr Psychotherapeutische Medizin
    Psychoanalytikerin
    Kaiserplatz 11, 80803 MĂŒnchen
    Tel: 089-33 88 98, Fax: 089-34 47 54
    E-mail: scherer-renner@gmx.de

DIE ANGST DES THERAPEUTEN

THE THERAPIST‘S FEAR

Roland Heinze

    Zusammenfassung
    Das Thema der Angst des Therapeuten ruft bis heute in unserem Beruf etwas Unbehagen hervor. Dabei geht es neben den bewussten und in unseren GegenĂŒbertragungsreaktionen erkennbaren GefĂŒhlen auch um unbewusste und auf mannigfaltige Art abgewehrte Ängste. In diesem Aufsatz werden einige dieser Ängste beschrieben und dann die von ihnen hervorgerufenen Abwehrstrategien erörtert. Einen zentralen Raum nehmen hier die Absicherung des Therapeuten durch seine Zuordnung zu einer Therapierichtung und die theoretische Einordnung des therapeutischen Geschehens ein. Weiterhin ist zu beobachten, dass die Reduktion von KomplexitĂ€t und damit von Angst auch in der Wissenschaft und in der Psychotherapieforschung eine unterschwellige Motivation darstellt. Der Aufsatz kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Kenntnis von mehr als einem theoretischen Bezugsrahmen, die persönliche Psychohygiene des Therapeuten und seine Selbstreflexion seine subjektive GefĂŒhlskompetenz stĂ€rken und ihn befĂ€higen, sowohl Theoriekonzepte als auch eigene Ängste zu erkennen und als Helfer in seiner Arbeit zu nutzen.

    SchlĂŒsselwörter
    Angst - Deutungen - GegenĂŒbertragung - Theorie - therapeutische IdentitĂ€t

    Summary
    The topic of the therapist’s fear is a continual source of uneasiness and frustration in our profession. In addition to perceptible, conscious feelings and discernible countertransference reactions we must deal as well with unconscious anxieties and various forms of unconscious resistances to them. This paper describes some of these anxieties and discusses the resistance strategies they produce. Protection of the therapist by adherence to a particular therapy school and the theoretical classifications of occurrences in the therapy process are central issues. We further observe how the reduction of complexity – and thus of anxiety – is a subliminal motivation in psychotherapy research and science. The article concludes that knowledge of more than one theoretical framework, the personal psychic hygiene of the therapist and his self-reflection strengthen subjective emotional competence and enable her/ him to better discriminate both theoretical concepts and her/ his own anxieties as they arise in the course of therapies.

    Keywords
    Fears - anxiety - interpretations - countertransference - theory - therapeutic identity

    Dr. med. Dipl.-Psych. Roland Heinzel
    Nervenarzt, Psychoanalyse, Gruppentherapie
    ReitergĂ€ssle 15, 78256 Steißlingen
    Tel. 07738-92610
    E-Mail: rolhei@t-online.de

ANGST IN DER THERAPEUTISCHEN GRUPPE

ANXIETY IN THERAPY GROUPS

Volker Tschuschke

    Zusammenfassung
    Angst wird als existenzielles menschliches Problem beschrieben, das besonders bei vielen Psychotherapie-Patienten dominierendes Symptom ist. Auf psychoanalytischer Grundlage wird herausgearbeitet, wie Störungen in der Individuationsentwicklung die NĂ€he-Distanz-Beziehungen mit anderen Menschen bei den meisten strukturell gestörten Patienten mit Angst besetzen. In der therapeutischen Gruppe treten diese Ängste latent und manifest wieder auf. Aus diesem Grunde können die aus defizitĂ€ren wichtigen sozialen Beziehungen entstandenen Störungen gerade in der Gruppe am besten bearbeitet und therapeutisch verĂ€ndert werden. Abschließend werden kurz Forschungsergebnisse von Angst und Risikobereitschaft zur Öffnung und Arbeit in der Gruppe im Zusammenhang mit Therapie-Outcomes vorgestellt.

    SchlĂŒsselwörter
    Gruppentherapie – psychodynamische Gruppentherapie – Angst in der Gruppentherapie – Wirkfaktoren der Gruppentherapie

    Summary
    Anxiety is being considered as an existential human problem which is the leading symptom in most patients undergoing psychotherapy. Based on a psychoanalytic understanding, it is discussed how psychological distortions develop by emphasizing the process of individualization. Due to a deficit in separation and indivualization patients experience relationships and the regulation of near and distance with others unconsciously as threatening. In the therapeutic group such anxious preoccupations feed an omnipresent group climate of hesitation and fear of getting involved. These anxieties are best treated in the social climate of a therapeutic group since they were being developed from insufficient early – social - relationships with significant others. The theoretical and clinical considerations are finally discussed in the context of empirically derived process-outcome relationships and therapeutic factors of inpatient therapy groups.

    Keywords
    Group therapy - psychodynamic group therapy – anxiety in group therapy – therapeutic factors

    Prof. Dr. Volker Tschuschke
    Arbeitsgruppe Medizinische Psychologie
    im Institut fĂŒr Psychosomatik und Psychotherapie
    der UniversitÀt zu Köln
    Joseph-Stelzmann-Str. 9 ‱ 50924 Köln
    E-Mail: volker.tschuschke@medizin.uni-koeln. de

DIE ANGST DES THERAPEUTEN VOR SICH SELBST

SHRINKS CONCERNED ABOUT THEMSELVES

Eva Jaeggi

    Zusammenfassung
    Therapeuten haben deshalb Angst vor sich selbst, weil sie zu Recht befĂŒrchten, dass sie sich vom schlechten Image, das sie in der Umwelt haben, nicht allzu sehr unterscheiden. Ihre Angst betrifft ihre im Privatleben anzutreffenden UnzulĂ€nglichkeiten. FĂ€lschlicherweise meinen sie aber, sie mĂŒssten, um ihren Beruf ausĂŒben zu können, auch privat tadellos sein. Die Abwehr dieser Angst kostet viel Energie.

    SchlĂŒsselwörter
    Angst – Selbstdeutung – Heuchelei - therapeutische IdentitĂ€t - Befangenheit - Schauspieler r

    Summary
    Therapists are afraid of themselves because they fear (rightly) that there is little difference between the often bad image they have in the eyes of others and their real person. Their anxieties concern the inadaequacies of their private life. They have the wrong notion, that they should be privately flawless to be a good therapist. The defense of this anxiety costs a lot of energy.

    Key words
    Anxiety - self-interpretation – selfconsciousness – hypocrisy- therapeutic identity - acto

    Prof. Dr. Eva Jaeggi
    Prof. fĂŒr Klinische Psychologie,
    Psychoanalytikerin, Verhaltenstherapeutin
    Forststrasse 25
    14163 Berlin
    Tel./Fax 030-8011867
    E-Mail: Eva.Jaeggi@alumni. tu-berlin. de

 

 

 

Heft 1 - 2003 Angst
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