Potenzial und Wirkungsmöglichkeiten der
psychoanalytisch begründeten
Therapieverfahren

Power and Working Power of Psychoanalytic Psychotherapies 

Wolfgang Mertens

    Zusammenfassung
    Ausgehend von den Veränderungen der psychoanalytischen Metapsychologie und der Notwendigkeit von Theorien, kommt der Autor zu einer Darstellung des für die Psychoanalyse zentralen Verständnisses von Beziehung. Er zeigt auf, wie die Konzeptualisierung der wechselseitigen Beziehung zwischen Analytiker und Patient bei Freud bereits moderne Erkenntnisse intuitiv vorweggenommen, wie sie aber gleichwohl noch – vor allem in ihrer späteren kodifizierten US-amerikanischen Form – Reste eines positivistischen Weltbildes in sich getragen hat. Die volle Entfaltung der Wirkungsmöglichkeiten der psychoanalytischen begründeten Therapieverfahren konnte deshalb erst im letzten Vierteljahrhundert voll zur Geltung kommen. In Form von Handlungsanleitungen werden die Nuancen und Facetten eines komplexen Verständnisses eines auf zwei Ebenen parallel ablaufenden Beziehungsgeschehens entlang einer historischen Sichtweise herausgearbeitet.

    Schlüsselwörter
    Metapsychologie - reflektierte Intersubjektivität als zentrale Dimension der Psychoanalyse

    Summary
    After  discussing the modifications of psychoanalytic metapsychology and the necessity of theories the author describes how significant interaction and intersubjectivity nowadays are in psychoanalysis. He further demonstrates that although Freud had already intuitively anticipated modern scientific perceptions his conceptualization of interaction however still included residues of a positivistic view of life, especially as US psychoanalysts later on pleaded for in a codified way. Therefore the entire efficiency of psychoanalysis as therapy could  flourish at its best only in the last quarter of the twentieth century. The author shows in a historical point of view different modes of procedure how nuances and facets of the complex understanding of an interactional process work which happen simultaneously on two levels. 

    Keywords
    metapsychology – reflected intersubjectivity as a central dimension of psychoanalysis

 

Wut und Angst als zentrale Affekte des
Borderline-Patienten. Überlegungen zu einem
 3-Ebenen-Modell der Ätiologie

Rage and Fear, the Central Emotions of
the Borderline-Patient. Reflections on a
3-level-model of the ethology 

Jochen Peichl

    Zusammenfassung
    Der Autor fragt nach dem zentralen Affekt der Borderline-Störung und stellt zunächst die konträren Thesen vor: auf der einen Seite die Position von Otto F. Kernberg, dass Wut und Hass die affektive Basis für die Entwicklung der Psychopathologie von Persönlichkeitsstörungen generell und insbesondere bei Borderline-Störungen sind, und auf der anderen Seite die Antithese von Birger Dulz, dass die freiflottierende, diffuse Angst als der zentrale Affekt für Borderline-Störungen anzusehen ist und Wut und Hass sekundär sind. Darauf aufbauend wird eine Synthese beider Auffassungen in einem 3-Ebenen-Modell der Entstehung der BPS erarbeitet, in dem für jeden einzelnen Patienten eine typische Mischung aus konstitutioneller Verwundbarkeit, Umweltstress, Vernachlässigung, Gewalterfahrung, Mutter-Kind-Dialogstörung der frühen Kindheit (Mikrotrauma) und gewalttraumatische Erlebnisse der späten Kindheit (Makrotrauma) postuliert wird.

    Schlüsselwörter
    Borderline-Störung – Ätiologie - konstitutionelle Faktoren – Mikrotrauma - Makrotrauma

    Summary
    The author asks for the central affect of the borderline personality disorder (BPD) and presents first of all a contrary thesis: on the one hand Otto F. Kernberg’s conclusion, that rage and hate are the affective base of the development of the psychopathology of personality disorder in general and above all for borderline personality disorder and on the other hand the antithesis of Birger Dulz, that the freefloating, diffuse terror is the central affect of the BPD, rage and hate are secondary. Based upon this, the author presents a 3-level-model of the etiology of BPD, in which a typical mixture for every patient is postulated, between constitutional vulnerability, environmental stress, neglect, the experience of violence, irritation of the mother-child-dialogue (microtrauma) and the experience of severe trauma (sexual etc.) in the late childhood (macrotrauma).

    Keywords
    borderline personality – etiology - constitutional factors – microtrauma - macrotrauma

 

Wie Gutachter für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ‘
Problemfälle beurteilen – zur Qualität der Qualitätssicherer

How experts for child and youth psychotherapy judge problematic cases – on the quality of the quality assurance people

Serge K. D. Sulz und Franz Peterander

    Zusammenfassung
    In Weiterführung der Studie von Sulz et al. (2003a) wurde das Urteilsverhalten von Gutachtern für Kinder- und Jugendlichen-Verhaltenstherapie untersucht. Die Fragestellung war, ob Gutachter auch bei problematischen Fällen noch ausreichend konsistent urteilen. Sieben Gutachtern wurden je sieben Fälle zur Begutachtung vorgelegt, zwei mit geringen, drei mit mittleren und zwei mit großen Mängeln. Die Einschätzungen der Berichte erfolgten anhand einer Liste mit zehn Qualitätskriterien. Die Zahl erfüllter Kriterien korreliert hoch mit der Befürwortung eines Antrags. Die Rate grober Fehlbeurteilungen wie Befürwortung eines Falles mit großen Mängeln oder umgekehrt beträgt 4 %. Allerdings gab es verschiedene Stile des Urteilsverhaltens. Es gab strenge Gutachter, die nur einen Fall befürworteten, und milde Gutachter, die nur einen Fall nicht befürworteten. Und es gab Gutachter, die ihre Beurteilung aufschoben, bis eine Nachbesserung der rückgemeldeten Mängel eintraf, so dass der Weg zum Obergutachter nicht notwendig wurde. Insgesamt zeigte sich, dass die Gutachter auch bei problematischen Fällen zuverlässig urteilen. Allerdings könnte die Streuung der Beurteilungen durch jährliche Schulungen reduziert werden.

    Schlüsselwörter
    Antragsverfahren – Gutachten Verhaltenstherapie – Psychotherapie – Qualitätssicherung – Reliabilität

    Summary
    In continuation of the study by Sulz et al. (2003a), the judgement behavior for child and youth behavior therapy was examined. The question was if experts were still judging consistently enough even in problematic cases. Seven experts were given seven cases for judgement, two of them with minor faults, three with medium and two with large faults. The reports were assessed according to a list of ten quality criteria. The number of fulfilled criteria correlated highly with the approval of an application. The rate of rough misjudgements such as the approval of a case with large faults or vice versa is 4 %. However, there were different styles of judgement behavior. There were rigid experts who would only approve of one case or lenient experts who would only disapprove of one case. And there were experts who postponed their judgement until some finishing touches of the faults reported back would arrive so that involving the head expert was not necessary. Altogether it appeared even in problematic cases that the experts judge reliably as well. However, the dispersion of the judgements could be reduced by annual trainings.

    Keywords
    application procedure – assessment – behaviour therapy – psychotherapy – quality assurance – reliability

 

Therapiemanuale zur Behandlung von Suchtpatienten

Treatment Manuals in Addiction

Heinrich Küfner und Monika Johann

    Zusammenfassung
    Der Überblick über Therapiemanuale im Suchtbereich soll eine Orientierung und Beurteilung erleichtern und die Entwicklung von Therapiemanualen anregen. Einleitend werden vier Typen von publizierten Therapieansätzen unterschieden: (1) systematische Beschreibungen von meist störungsübergreifenden Therapieansätzen, (2) Leitlinien und Standards zur Behandlung einer Störungsgruppe oder für eine spezielle Behandlungsform, (3) semistrukturierte störungsspezifische Therapieprogramme und (4) voll strukturierte, meist störungsspezifische Therapiemanuale mit strukturierten Therapiesitzungen. Danach werden die wichtigsten Grundlagenkonzepte der Verhaltenstherapie, der Psychoanalyse, der familientherapeutischen und systemischen Therapien sowie der AA-orientierten Konzepte diskutiert. Therapiemanuale sind bislang hauptsächlich im ambulanten Bereich und im Rahmen wissenschaftlicher Studien entwickelt und evaluiert worden. Für die Anwendung von Therapiemanualen ergibt sich neben der Aufgabe der Vermittlung und des Trainings hauptsächlich die Aufgabe, zwischen Strukturierung und Standardisierung einerseits und Flexibilität und Individualisierung andererseits ein für den Patienten passendes Gleichgewicht zu finden. Hinsichtlich der Evaluation wird neben der üblichen auf Erfolgskriterien basierenden Evaluation auf den Ansatz der unmittelbaren Befragung der Patienten über die Nützlichkeit der erfahrenen Therapie und einzelner Therapiekomponenten hingewiesen, wozu es aber bislang kaum überprüfte Fragebogen gibt.

    Schlüsselwörter
    Therapie von substanzbezogenen Störungen – Therapiemanuale – Alkoholismus – Drogenabhängigkeit - Evaluation

    Abstract
    The overview about treatment manuals of addiction should facilitate to criticize and to select appropriate treatment manuals for application and to develope new manuals in the addiction field. The published descriptions of treatment approaches can be classified into four different types: (1) systematic description of a treatment approach for different groups of disturbances, but without structured treatment sessions (2) guidelines or standards in the treatment of specific disturbances or of a specific treatment approach (3) semi-structured treatment programs mostly specific for a group of disturbances as a target group(4) fully structured treatment manuals mostly specific for a disturbance with structured treatment sessions. The basic concepts of manuals in behaviour therapy, of psychoanalysis, in the field of family and systemic therapies and of AA-based treatments were discussed. Almost all treatment manuals are outpatient treatments and were developed within a research project. Besides training of therapists, the main problem of  using a treatment manual is the balance between structure and standardization on the one side and flexibility and individualization on the other side. As to evaluation of treatment, the alternative to evaluation as usual is to ask patients about their benefit of the treatment program and in relation to different treatment components as a feedback to improve different aspects of the treatment program.

    Keywords
    Treatment of addiction – addiction - treatment manuals – alcoholism - drug dependence - evaluation

 

“Rauchfrei - ich?!” – ein Therapiemanual zur Förderung der Änderungsbereitschaft bei Rauchern: Ergebnisse der Erprobung

„Smokefree – me?!“- a manual for the promotion of motivation to change among smokers: Pilot results

Karin Metz, Anneke Bühler, Gabi Schmid, Christoph Kröger

    Zusammenfassung
    Die geringe Inanspruchnahme von Tabakentwöhnungsmaßnahmen in Deutschland wird u.a. mit einer fehlenden Aufhörmotivation der Raucher erklärt. „Rauchfrei - ich?!” ist ein neu entwickeltes, auf die Förderung der Änderungsbereitschaft abzielendes Tabakentwöhnungsmanual für Gruppen im stationären Setting. Es wird detailliert vorgestellt und Ergebnisse seiner Erprobung werden berichtet. Das sechs Sitzungen umfassende Training wird sowohl von Therapeuten als auch von Rauchern bezüglich seiner Inhalte, der Durchführbarkeit und der Praxisnähe positiv beurteilt.

    Schlüsselwörter
    Tabakentwöhnung – Motivation – Intervention – Kliniken

    Summary
    The small demand of smoking cessation activities is explained by lack of motivation to quit among smokers. ”Smokefree – me?!” is a newly developed smoking cessation groupmanual aiming to promote motivation to quit among smokers in hospitals. The manual is presented in detail and pilot data are reported. The six session training is positively accepted by therapists and smokers who rated content and implementation of the manual.

    Keywords
    smoking cessation – motivation – training – hospitals

 

Stationäre Verhaltenstherapie bei Alkoholabhängigkeit –
Konzepte und Therapieergebnisse

Inpatient Behavior Therapy of alcoholism  

Johannes Lindenmeyer

    Zusammenfassung
    Es ist eine Besonderheit des deutschen Suchthilfesystems, dass die meisten Entwöhnungsbehandlungen von Alkoholabhängigen bis heute in Form einer mehrmonatigen stationären Langzeitbehandlung erfolgen. Ab etwa 1978 hat die Verhaltenstherapie durch die Entwicklung von systematischen, an einer empirischen Überprüfung ihrer Effektivität und Wirtschaftlichkeit ausgerichteten stationären Therapiekonzepten wesentlich zum gegenwärtigen Stand einer störungsspezifischen, evidenzbasierter Behandlung von Alkoholabhängigen beigetragen. Nach einem kurzen historischen Abriss dieser Entwicklung sollen in diesem Beitrag die Grundprinzipien der stationären Verhaltenstherapie von Alkoholabhängigen herausgearbeitet, wesentliche Therapiebausteine beschrieben und Daten zur Effektivität ihre Umsetzung im konkreten Therapiealltag vorgestellt werden.

    Schlüsselwörter
    Alkoholabhängigkeit – stationäre Behandlung – Verhaltenstherapie

    Summary
    In Germany until now the treatment of alcoholic patients is mostly provided on a long-term inpatient basis. Since 1978 behavior therapy has had a substantial impact on the high standard of the German treatment system by developing systematic, evidence based inpatient treatment programs. In this article the historical background and the principles of behavioral inpatient treatment of alcoholics will be explained and important treatment procedures will be described. Finally empirical data concerning the effectiveness of this treatment approach will be presented.

    Keywords
    Alcoholism – inpatient treatment – behavior therapy

 

Psychotherapie komorbider Patienten

Psychotherapy of dual diagnosis patients

Frank Löhrer, Robert Soto-Löwenthal, Frank R. Tuchtenhagen

    Zusammenfassung
    Die Behandlung komorbid Erkrankter erfordert eine besondere Therapieplanung und eine hohe Individualisierung des Therapieprozesses. Die Therapiestandards müssen indikationsorientiert ausgewählt, modifiziert und dem Belastungsniveau der Patienten angepasst werden. Dabei wird erkennbar, dass eine weitgehend aktive Haltung des Betroffenen im Umgang mit seiner Krankheit und mit ihren auslösenden Faktoren eine Chronifizierung vermeiden hilft. Das Vulnerabilitäts-Stressmodell lässt sich hilfreich integrieren. Dadurch wird der Patient bezüglich seiner Psychose exkulpiert und andererseits die Eigenverantwortung für die Suchterkrankung ressourcenorientiert übertragen.

    Schlüsselwörter
    Komorbidität – Sucht – Psychose – Schizophrenie - Psychotherapie

    Summary
    Psychotherapeutic treatment of dual diagnosis patients (drug addiction and psychosis) is known to be difficult caused by many therapy break offs and prematurely discontinuouations. In accordance to that an particular development of therapy which is very individually and required a very high degree of flexibility is necessary. Therapeutic standards have to be choosed concerned to their indications and be modified with regard to individual burdenability. Patients which take an active part in the treatment and handling of their illness seemed to have a better chance for avoiding chronification. The vulnerability-stress model is helpful integrateable. Patients have to be exkulpated concerning psychosis but have to take responsibility for their addiction.

    Keywords
    schizophrenia – polytoxicomania – comorbidity - psychotherapy

 

Entwicklung und Ergebnisse eines Fragebogens zur Patientenzufriedenheit in der ambulanten Alkoholentwöhnungstherapie

Development and Results of a Questionnaire on the Contentment of Alcoholic Outpatients

Peter Rüster

    Zusammenfassung
    Die Entwicklung eines Zufriedenheits-Fragebogens ist als eine Maßnahme zur Qualitätssicherung anzusehen, und seine Konzeption basiert auf vergleichbaren Patientenbefragungen in Kliniken. Die Ergebnisse sind als Rückmeldungsprozesse über einzelne Elemente der Therapie von Interesse und sollen in die weitere Therapiegestaltung einfließen. Generell ergab sich eine hohe Zufriedenheit mit der Therapie. Insbesondere die ambulante Form wurde von den Patienten sehr positiv bewertet. Möglicherweise ist die Übereinstimmung mit der Therapieform auch ein Indikator für die guten Therapieerfolge (s. Soyka, 2003). Bei der Bewertung der Angebote für Angehörige ergaben sich Differenzierungen. In Zukunft sollte eine bessere Aufklärung über die Notwendigkeit, auch die Systeme Partnerschaft und Familie zu behandeln, erfolgen. Eine Schwelle für die Aufnahme und Durchführung der Therapie stellt der Anfahrtsweg zur KPB-Fachambulanz und der Zeitaufwand aufgrund der hohen Intensität des Therapiesettings dar  Dieser Selektionseffekt führt dazu, dass Patienten mit größerer Behandlungsbereitschaft und mehr Therapiemotivation eher in der Therapie bleiben.

    Schlüsselwörter
    Alkoholabhängigkeit - ambulante Entwöhnungstherapie – Fragebogenkonstruktion - Patientenzufriedenheit 

    Summary
    The development of a questionnaire on outpatient contentment serves the improvement in quality. The author selected information from comparable clinical inquiries to construct the questionnaire. The results provided feed-back on different aspects of outpatient treatment and enabled to improve the present structures of  therapy. There was a high contentment with the therapy in general. In detail the patients rated  the outpatient treatment very positive. Agreement with this treatment-form is an indicator for a good therapy effect. Contentment with the therapy offers for relatives was  difficult in a way. In future there should be more education about family systems and addiction. Some patients had problems concerning the distance of the facility and the time get to therapy. But  this selection  revealed, that patients with a higher motivation remained more often in therapy.

    Keywords
    alcohol addiction - outpatient therapy - questionnaire construction - patients contentment

 

Risikofaktor traditionelle Femininität
Neue Befunde zur Geschlechtsrollenorientierung alkoholabhängiger Frauen

Traditional femininity as a risk factor
New findings concerning gender-role orientation and alcohol dependence

Anne Maria Möller-Leimkühler, Gabriele Koller

    Zusammenfassung
    Der überproportionale Anstieg der Alkoholabhängigkeit bei Frauen wird mit dem Wandel der Frauenrolle erklärt, wobei der gestiegene Alkoholkonsum entweder als Folge der Geschlechtsrollenangleichung oder als Folge von Rollenkonflikten diskutiert wird.

    In einer Stichprobe von 200 alkoholabhängigen Patienten (96 Männer, 104 Frauen) wurde nach der stationären Entgiftung die Geschlechtsrollenorientierung im Zusammenhang mit dem Kohärenzsinn und Copingstrategien sowie subjektiven Belastungen in verschiedenen Lebensbereichen untersucht. Im Vergleich mit einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe zeigt sich, dass die traditionelle feminine Geschlechtsrollenorientierung bei den alkoholkranken Frauen signifikant überrepräsentiert ist. Entsprechend korreliert geringe Maskulinität signifikant mit geringerem Kohärenzsinn, geringeren positiven sowie höheren negativen Copingstrategien. Fast alle Patientinnen und Patienten geben Geschlechtsrollenkonflikte an, doch wider Erwarten sind diese eher schwach ausgeprägt.

    Besser als mit einer Differenzierung nach Geschlecht lassen sich mit einer Analyse der Geschlechtsrollenorientierung relevante Ansatzpunkte für die Entwicklung geschlechtsspezifischer Therapie sowie besondere Risiko-Subgruppen identifizieren.

    Schlüsselwörter
    geschlechtsspezifisch – Geschlechtsrollenorientierung – Maskulinität – Feminität – Alkoholabhängigkeit

    Summary
    The overall increase of female alcohol dependence is supposed to be associated with the change of the traditional female role, and it is especially seen as a consequence of role convergence or gender-role conflicts.

    A sample of 200 in-patients with alcohol dependence (94 males, 104 females) was explored after detoxification with respect to gender-role orientation, sense of coherence, copingstrategies and subjective burden in different role areas.

    In comparison with a population-based sample the traditional feminine self-concept is overrepresented by the female patients. Low masculinity is significantly correlated with a lower sense of coherence, lower scores on positive as well as higher scores on negative coping. Nearly all patients mention problems with gender-role, but these problems are on a low level.

    The association between low masculinity and low scores on psychosocial correlates points to the importance of considering gender-role orientation, rather than just comparing men and women. Considering gender-role orientation is important for developing gender sensitive services and for identifying subgroups with special needs.

    Keywords
    gender – gender-role orientation – masculinity – femininity – alcohol dependence

 

Motivationale Psychotherapie in der ambulanten Entgiftung

Motivational Psychotherapy in Outpatient Alcohol Detoxification

Michael Horak, Michael Soyka

    Zusammenfassung
    In eine Suchtambulanz im nahen Umkreis von München ist seit mehr als 5 Jahren eine einwöchige qualifizierte ambulante Alkoholentgiftung implementiert. Neben der medizinischen Versorgung hat die psychotherapeutische Motivationsarbeit eine besondere Relevanz. Es werden die wichtigsten Aspekte psychotherapeutischer Methoden dargestellt. Zentrale Elemente sind das „Motivational Interviewing” nach Miller und Rollnik, die Berücksichtigung der Veränderungsphasen nach Prochaska und DiClemente, aber auch der psychotherapeutische Zugang bei Persönlichkeitsstörungen. Weiterhin werden die spezifischen psychotherapeutischen Anforderungen dieser ambulanten Therapieform dargestellt.

    Schlüsselwörter
    Alkohol – Alkoholismus – ambulante – Alkoholentgiftung - motivationale Gesprächsführung - Stadien der Veränderungsbereitschaft - Persönlichkeitsstörungen

    Summary
    In a special alcohol outpatient clinic in the greater Munich area is launched since more than 5 years a one-week qualified structured outpatient alcohol detoxification. Psychotherapeutic interventions as the „Motivational Interviewing” according to Miller and Rollnik and the Stage of Change Readiness and Treatment Eagerness according to Prochaska and DiClemente are of great relevance for further treatment outcome. Personality disorders can also play an important role. The specific psychotherapeutic peculiarities of this itinerant therapy form are pointed to furthermore.

    Keywords
    alcohol – alcoholism – outpatient – detoxification - motivational interviewing - stage of change readiness and treatment eagerness - personality disorders

 

Verlauf und Effizienz einer hochstrukturierten ambulanten Alkoholentwöhnungstherapie

Catamnestic study on the efficacy of an intensive outpatient treatment program for alcohol dependent patients

Miriam Bottlender, Sandra Hasemann, Carola D. Scharfenberg, Michael Soyka

    Zusammenfassung
    Es werden Ergebnisse einer prospektiven Studie zum Verlauf und zur Effizienz einer hochstrukturierten ambulanten Entwöhnungstherapie bei 102 alkoholabhängigen Patienten nach ICD-10 und DSM-IV berichtet. Die Haltequote betrug 72%, 18 der 25 Abbrüche erfolgten wegen Alkoholrückfällen. Rückfällige Therapieabbrecher hatten im Mittel eine längere Alkoholbelastung und signifikant mehr Vorbehandlungen als Patienten mit regulärem Therapieverlauf, berichteten über ein signifikant stärkeres Alkoholverlangen (OCDS). Ferner erreichten sie bei Therapiebeginn signifikant höhere Summenscores im BDI (Depressivität) und STAI (Ängstlichkeit).

    Für die katamnestischen Zeitpunkte 6, 12 und 24 Monate nach Therapiequote wurde eine hohe Ausschöpfquote mit ca. 90% erreicht. Die Abstinenzquote beträgt 6 Monate nach Therapieende 64%. Über den gesamten 24-Monats-Katamnesezeitraum waren 49% der Patienten durchgehend abstinent, 14% gebessert und 37% rückfällig.

    Schlüsselwörter
    Alkohol – Alkoholabhängigkeit - ambulante Entwöhnung - Psychotherapie

    Summary
    Results of a clinical and catamnestic investigation are reported for the efficiency of a high-structured outpatient therapy with alcohol-dependent patients. Into the study 102 patients (60% male, 40% female) could be included. All patients fulfilled the ICD-10 and DSM-IV criteria for alcohol dependence.

    The treatment retention amounted to n=74 (72%), 18 of the 25 dropouts took place because of alcohol relapse. Relapsed dropouts indicated on the average a longer alcohol load and significantly more pretreatments than completers, reported with accommodation also on a significantly stronger alcohol craving (OCDS). Furthermore they achieved significantly higher sumscores in the BDI (depression) and STAI (anxiety) also with beginning of therapy.

    At 6-24-months-follow-up ca. 90% of the patients were successfully located and interviewed. Analyses revealed that 64% of the patients were abstinent at the 6-months-follow-up evaluation. 49% of the patients remained abstinent until the 24-months-follow-up evaluation.

    Keywords
    alcohol – alcoholism – outpatient treatment - psychotherapy

 

Qualifizierte Entzugsbehandlung in der Psychiatrischen Klinik der Universität München: Behandlungskonzept, Inanspruchnahme und Therapieergebnisse

Multidisciplinary qualified in-patient detoxification for patients with alcohol and or drug dependence Therapeutic concept, rationale, clinical data 

Eva Pelzer, Gerhard Scharl, Hans-Jürgen Möller, Michael Soyka

    Zusammenfassung
    Es wird das Konzept der in der Spezialstation für Suchterkrankungen für Patienten mit Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigkeit (nach ICD-10/DSM-IV) der Psychiatrischen Klinik der LMU München praktizierten qualifizierten stationären Entgiftung vorgestellt. Körperliche Entgiftung und eine hochstrukturierte Motivationstherapie werden parallel durchgeführt mit dem Ziel, Therapie- und Abstinenzbereitschaft zu fördern.

    Im ersten Teil der Darstellung werden das Konzept, theoretische Hintergründe und die therapeutischen Elemente erläutert, im zweiten Teil werden Ergebnisse zur Patientenstruktur der Jahre 2001 und 2002 und erste Analysen dargestellt.

    Schlüsselwörter
    Alkohol – Alkoholabhängigkeit – Entzugsbehandlung - stationäre qualifizierte Entgiftung – Motivation - Psychotherapie

    Summary
    Based on previous clinical findings a model therapeutic concept of a specialised high-structured qualified in-patient detoxification for patients with alcohol and/or drug dependence according to ICD-10/DSM-IV criteria has been developed. Its concept, psychotherapeutic techniques, rationale and preliminary data of the years 2001 and 2002 are reported in this paper.

    The rationale of this intense in-patient treatment program with parallel physical detoxification and high-structured motivational therapy is to achieve willingness for therapy and abstinence.

    Keywords
    alcohol – alcoholism - qualified in-patient detoxification – motivation - psychotherapy

 

Suchtmittelabhängige in der ambulanten psychotherapeutisch-psychoanlytischen Praxis

Treatment of addiction in psychotherapy/psychoanalysis outpatients

Manuela Torelli

    Zusammenfassung
    In einer liberalisierten Gesellschaft stellen sich pathologische Abhängigkeitserkrankungen den niedergelassenen Psychotherapeut(inn)en und Psychoanalytikerinnen/-analytikern heute völlig anders dar als noch vor zwanzig Jahren. Die Autorin versucht nach der Darstellung der verschiedenen klinischen Manifestationen von Sucht die moderne psychoanalytisch orientierte Psychotherapie möglichst praxisnah zu beschreiben, um den niedergelassenen Kolleg(inn)en Mut zu machen, suchtmittelabhängige Patient(inn)en nicht sofort abzuweisen. Zuvor werden klassische psychoanalytische Erklärungsansätze kurz referiert. Daneben stehen aktuelle Zahlen wie Ergebnisse von Studien aus anderen Fachgebieten, um ein breit gefächertes kompaktes Wissen zum Thema Sucht zu vermitteln. Großen Raum nehmen die Modifikation der klassischen Behandlungstechnik sowie die speziellen Übertragungs- wie Gegenübertragungskonstellationen in der ambulanten Behandlung von Suchtmittelabhängigen ein sowie Vorschläge zu deren Bewältigung.

    Schlüsselwörter
    Jugendkultur - Alkohol-, Medikamenten-, Drogenabhängigkeit - Behandlungstechnik in der ambulanten Praxis - spezifische Übertragung und Gegenübertragung

    Summary
    In modern society, dependency illness confronts established psychotherapists and psychoanalysts in quite a different way to twenty years ago. The author will, after presenting the various clinical manifestations of addiction, try to describe modern psychoanalysis-orientated psychotherapy in relation to everyday work, in order to encourage established colleagues not to immediately turn addicted patients away. First will be notes on classic psychoanalytical interpretations. Alongside these will be current data, for example results of studies in other subjects, in order to impart a wide-ranging knowledge on the subject of addiction.

    Of major importance is the modification of the classic method of treatment as well as specific transference and counter-transference problems in the treatment of addicted outpatients as well as suggestions on how to control this.

    Keywords
    youth culture - alcohol, medication and drug addiction - treatment for outpatients - specific transference and counter-transference

 

 

 

Heft 1 - 2004
Sucht
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