Thomas Bronisch und Serge K. D. Sulz
Einer der beiden Schriftleiter (Thomas Bronisch) war in den ersten Januartagen im Auftrag der Bundesregierung in den von der Flutkatastrophe getroffenen Gebieten. Das Spezialistenteam erarbeitete Möglichkeiten der Katastrophenhilfe im psychischen Bereich. Thomas Bronisch hat einen kurzen Bericht darüber geschrieben (s. u.). Angesichts der Wucht und Unausweichlichkeit dieses Traumas erscheinen die Problemthemen, mit denen wir uns befassen, gering.
Entsetzen über inzwischen 313 000 Todesopfer einerseits und Ohnmacht angesichts des Leids der Überlebenden andererseits macht es schwer, sich wieder demlltäglichen zuzuwenden. Diese Erfahrung hat in die Seelen aller Menschen eingeschlagen, mit Wirkungen, die wir nicht kennen. Die äußeren Wirkungen auf die überlebenden Opfer sind jedoch offenbar und die inneren Wirkungen von Seiten der Psychotraumatologie einschätzbar. Deutsche Opfer erhalten ein sicheres professionelles Angebot der Traumabewältigung. Die Einheimischen werden das nicht bewältigte Trauma mit in ihr künftiges Leben nehmen müssen.
Wenden wir uns der Psychotherapie zu und den Themen, die uns bei der Gestaltung des vorliegenden Heftes wichtig waren. Da ist das Thema der Essstörungen, dem wir uns erstmals in dieser Zeitschrift zuwenden. Manfred Fichter und sein Mitarbeiter Marian Cebulla haben auf bewundernswerte Weise eine Komposition von Arbeiten zusammengestellt, deren Autoren die charakteristischen und für die Therapie bedeutsamsten Aspekte beschreiben. Da die beiden Gastherausgeber ein eigenes Editorial zum Themenheft geschrieben haben, können wir hier auf dieses verweisen.
Joachim Bauer und Horst Kächele schreiben über das Fach „Psychosomatische Medizin" und seine Beziehung zur Neurobiologie und zur Psychiatrie. Zunächst diskutieren sie Unter- schiede im Krankheitsverständnis der Psychosomatischen Medizin und der Psychiatrie, skizzieren dann die Geschichte der Psychotherapie in der Medizin bis zur Etablierung des Facharztes für Psychosomatische Medizin. Sie untersuchen dann die Infragestellung des Fachgebietes Psychosomatische Medizin, stellen die Frage, ob psychosomatische Patienten
Einer der beiden Schriftleiter (Thomas Bronisch) war in den ersten Januartagen im Auftrag der Bundesregierung in den von der Flutkatastrophe getroffenen Gebieten. Das Spezialistenteam erarbeitete Möglichkeiten der Katastrophenhilfe im psychischen Bereich. Thomas Bronisch hat einen kurzen Bericht darüber geschrieben (s. u.). Angesichts der Wucht und Unausweichlichkeit dieses Traumas erscheinen die Problemthemen, mit denen wir uns befassen, gering. eine „Minorität" sind, und definieren die Behandlungs-
verfahren der Psychosomatischen Medizin. Sie diskutieren die Effektivität stationärer psychosomatischer und psychiatrischer Behandlung, die Verteilung finanzieller und personeller Ressourcen für psychisch und psychosomatisch Erkrankte sowie differenzierte Angebote für psychisch bzw. psychosomatisch Erkrankte gegenüber der Gefahr „leitlinienorientierter" Behandlungsnormen.*
Dirk Revenstorf befasst sich mit dem gegenwärtigen Paradigma der empirischen Forschung in der Psychotherapie. Er setzt sich kritisch mit dem „pharmakologischen" Modell aus- einander, das es Therapierichtungen wie Hypnotherapie und systemischer Therapie sehr schwer macht, wissenschaftliche Anerkennung zu finden.
Serge Sulz berichtet über den aktuellen Stand der Pflicht zum internen Qualitätsmanagement und versucht aus dieser Pflicht heraus, eine Kür zu entwickeln, ein Bewusstsein für Prozess und Ergebnis der eigenen Therapien zu entwickeln, aus dem heraus Qualitätsbetrachtungen nicht mehr fachfremd und störend sind, sondern dem ureigenen Bedürfnis des Therapeuten entspringen, sein therapeutisches Fühlen, Denken und Handeln weiterzuentwickeln - in eigener Verantwortung und mit eigenen Visionen. Dabei verweist er auf die große Bedeutung von Qualitätszirkeln, die für das Qualitätsmanagement sind wie die Hefe für den Teig.
Ein weiterer Beitrag von Serge Sulz ist ein Bericht über eine Praxisstudie, in der die Anwendung der SCL90-R verglichen wurde mit der neu entwickelten VDS90-Symptomliste.
Das Repetitorium zum Sammeln für die Aus-, Fort- und Weiterbildung ist dieses Mal in Frage und Antwort zum Thema Krise und Suizid von Christian Spaemann erarbeitet worden. (Wegen des großen Aufwandes, den die wenigen Fortbildungs- punkte der BLÄK erfordern würden, haben wir auf die Beantragung verzichtet.)
PROTOKOLL ÜBER KRISENINTERVENTION NACH ![]()
DER FLUTKATASTROPHE (TSUNAMI) IN PHUKET UND KHAO LAK
CRISIS INTERVENTION AFTER THETSUNAMI CATASTROPHE IN PHUKET AND KHAO LAK
Thomas Bronisch
Zusammenfassung
Nach der Flutkatastrophe (Tsunami), vornehmlich in Thailand, Sumatra, Sri Lanka und Indien, wurden von Seiten der deutschen Regierung verschiedene Hilfsmaßnahmen initiiert. Hierzu gehörte auch die Inanspruchnahme eines psychosozialen Kriseninterventionsteams für deutsche Betroffene, deren Angehörige sowie für die Helfer selbst, wie etwa die Mitglieder des Identifizierungsteams des Bundeskriminalamtes, die Leichenbestatter und die Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes. Der Autor war Mitglied eines solchen Kriseninterventionsteams in Phuket und Khao Lak. Die Erfahrungen werden geschildert, die Problematik der Identifizierung der Leichen wird diskutiert, und es werden Vorschläge für die zukünftige Organisation solcher Krisenteams gemacht.
Schlüsselwörter Tsunami - Krisenintervention - Thailand
Summary
The German government initiated different supportive measures after the Tsunami catastrophe primarily in Thailand, Sumatra, Sri Lanka and India. One of these measures was the utilization of a psycho-social crisis intervention team for German victims and their relatives as well as members of the identification team of the federal investigation bureau, morticians, and paramedics. The author was a member of such a crisis intervention team in Phuket and Khao Lak. Experiences are reported, problems with the identification of the corpses are discussed and suggestions are made for the further organization of such crisis intervention teams.
Keywords Tsunami - crisis intervention - Thailand
REPETITORIUM ZUM SAMMELN - KRISE UND SUIZID
Christian Spaemann
Lernerfolgskontrolle - Erste Serie
Fragen
Antworten
Lernerfolgskontrolle - Zweite Serie
Fragen
Antworten
Prim. Dr. Christian Spaemann
Leiter der Klinik für Psychische Gesundheit A. ö. Krankenhaus St. Josef Braunau
klinik.psy@khbr.or.at
Das Fach „Psychosomatische Medizin“: Seine ![]()
Beziehungen zur Neurobiologie und zur Psychiatrie
„Psychosomatic Medicine“ in Germany: Its Position between Neurobiology and Psychiatry
J. Bauer, H. Kächele
Zusammenfassung
Zwischenmenschliche Beziehungserfahrungen, dies ist eine der wesentlichen Erkenntnisse der modernen Neurobiologie, hinterlassen biologische, insbesondere neurobiologische Spuren. Seelisches Erleben kann, dies zeigen unter anderem die Untersuchungen zur neuronalen Plastizität, körperliche Strukturen verändern. Emotionale Erfahrungen haben, wie neueste Untersuchungen zeigen, sogar Einfluss auf die Genregulation. Die moderne Neurobiologie liefert damit eine unerwartete Bestätigung einer Reihe älterer psychosomatischer Grundannahmen. Die Beziehungsgeschichte des Individuums und die sich aus ihr ergebenden psychobiologischen Aspekte haben in der psychosomatischen Medizin sowohl für das Erkrankungsverständnis als auch für die Therapie zentrale Bedeutung. Zu den in der psychosomatischen Medizin behandelten Störungsbildern zählen somatoforme Erkrankungen und körperliche Erkrankungen mit zusätzlicher Beteiligung seelischer Faktoren, darüber hinaus aber auch körperlich erlebte Symptome im Zusammenhang mit Angsterkrankungen, Traumafolge-Erkrankungen sowie mit dysthymen und reaktiv-depressiven Störungsbildern. Der vorliegende Beitrag kommt zu dem Ergebnis, dass die Koexistenz der beiden Fächer Psychiatrie und Psychosomatische Medizin in Deutschland zu einer vorbildlichen Situation geführt hat, in der – im Gegensatz zu zahlreichen anderen Ländern – für das breite Spektrum seelischer Gesundheitsstörungen ein einzigartig differenziertes Behandlungsangebot zur Verfügung steht.
Schlüsselwörter Neurobiologie - Psychosomatische Medizin – Psychiatrie – Psychotherapie – Körpertherapie - somatoforme Störung – Somatisierung - Depression
Summary
What modern neurobiology teaches us is that interpersonal experiences, as a consequence of neuronal plasticity, are accompanied by biological, and in particular neurobiological, changes. Mental experiences may, therefore, cause changes of bodily structures. Emotional experiences, as has recently been demonstrated, may even affect gene regulation. Thus, modern neurobiology provides us with empirical evidence for several psychosomatic assumptions and hypotheses. In psychosomatic medicine, a distinct medical discipline in Germany, the personal history of the patient and its resulting psychobiological consequences are of central importance, both for the understanding of the symptomatology and for the therapeutic approach. Disorders treated in psychosomatic departments include somatoform disorders, coping problems with organic diseases, but also somatic symptoms that appeared in the context of anxiety disorders, posttraumatic disorders and dysthymic or reactive depression. This paper comes to the conclusion that, in Germany, the coexistence of the distinct medical disciplines psychiatry and psychosomatic medicine has led to a positive situation characterized by a differentiated spectrum of therapies for patients with mental health disorders.
Keywords neurobiology - psychosomatic medicine – psychiatry – psychotherapy - body-focused psychotherapy - somatoform disorder – somatization - depression
Das Kuckucksei - ![]()
Über das pharmakologische Modell in der Psychotherapieforschung
The cuckoo’s egg -
About the pharmacological model in psychotherapy research
Dirk Revenstorf
Zusammenfassung
Der Artikel untersucht die Fallsstricke der Übertragung des pharmakologischen Modells der Wirksamkeitsprüfung auf die
Psychotherapieforschung und stellt fest, dass die enthaltenen medizinischen Grundannahmen nicht gegeben sind. Das Modell ist somit unzureichend und seine Anwendung in der Psychotherapieforschung irreführend. Mängel liegen u.a. in der Unmöglichkeit von Randomisierung, Placebo- oder anderen Kontrollgruppen und Operationalisierbarkeit relevanter Veränderungsaspekte sowie in der hohen Komorbidität psychischer Störungen. Es werden Vorschläge für andere Formen der Wirksamkeitsforschung gemacht. Außerdem wird die Gültigkeit des Paradigmas der spezifischen und unspezifischen Wirkfaktoren in Zweifel gezogen.
Schlüsselwörter Therapieforschung – Kontrollgruppen-Design – Wirksamkeitsprüfung
Summary
The article inquires into the difficulties of transferring the pharmacological model of efficacy evaluation onto the psychotherapy research only to realize that the contained medical assumptions are not given.
Therefore, the model is insufficient and its application in psychotherapy research is misleading. Among others, deficiencies are randomization, the impossibility to establish proper control groups (placebo or other) and operationalism of relevant aspects of change as well as high comorbidity of mental disorders.
Different forms of efficacy research are proposed. Also the validity of the paradigm of specific and unspecific effective factors is doubted.
Keywords psychotherapy research – control group design – efficacy evaluation
Internes Qualitätsmanagement in der ambulanten ![]()
Psychotherapiepraxis und die Frage, ob Pflicht zur Kür werden kann
Internal quality management in ambulatory psychotherapy practice – and the question if compulsatory exercise can become free (exercise)
Serge K. D. Sulz
Zusammenfassung
Das Sozialgesetzbuch schreibt neben externer Qualitätssicherung auch internes Qualitätsmanagement in der psychotherapeutischen Praxis vor. In diesem Aufsatz werden die grundlegenden Begriffe erläutert und der mögliche Ablauf eines einfachen Qualitätsmanagements (QM) beschrieben. Dabei wird darauf hingewiesen, dass nicht die Dokumentation das Kernstück des QM ist, sondern die Monitoringschleife, die einen permanenten Prozess der Ereignissuche, -entdeckung, -analyse, -bearbeitung, Prüfung des Effekts der Ereignisbearbeitung und Ereignisvorbeugung beschreibt. Dies führt zu der Aussage, dass nicht maximale Dokumentation zu maximaler Qualität führt, sondern der flexible Einsatz von situations- und prozessspezifischem Screening, z. B. mit QM-Checklisten. Insbesondere wird darauf verwiesen, dass Qualitätszirkel unentbehrlich sind, um eine freiwillige Kultur des QM dauerhaft so aufrechtzuerhalten, dass der kurzfristige Gewinn des Praxisinhabers für die Behandlung seiner aktuellen Therapiefälle qualitätsmotivierend wirkt.
Schlüsselwörter Qualitätssicherung – Qualitätsmanagement – DIN EN ISO 9000 - Qualitätszirkel
Summary
The statute book stipulates external quality assurance as well as internal quality management in psychotherapeutic practice. In this essay, the basic concepts are explained and the possible course of a simple quality management (QM) is described. It is indicated that the documentation is not described as the main item of the QM but the monitoring fillet, as it describes a permanent process of event search, discovery, analysis, elaboration and examination of the event elaaboration effects as well as event prophylaxis. This leads to following statement: not maximal documentation leads to maximal quality, but flexible employment of situation specific and process specific screening, e.g. with QM check lists. It is especially indicated that quality circles are indispensable to maintain a long-term voluntary QM culture. This would make the practice owner’s short-term gain have a quality motivating effect on the treatment of his current therapy cases.
Keywords quality assurance – quality management – DIN EN ISO 9000 – quality circle
Die VDS90-Symptomliste – eine Alternative zur SCL90-R ![]()
für die ambulante Psychotherapie-Praxis und das interne Qualitätsmanagement?
The VDS90-symptom list – an alternative to SCL90-R for ambulatory psychotherapy practice and the internal quality management?
Serge K. D. Sulz, Claus Grethe
Zusammenfassung
Die VDS90-Symptomliste wurde als Selbstbeurteilungsinstrument für die ambulante Psychotherapie-Praxis entwickelt. Sie soll einerseits das gegenwärtige Beschwerdebild des Patienten erfassen, der mit dem Anliegen einer Psychotherapie in die Praxis kommt. Andererseits sind die relevanten Symptombereiche so klar überschaubar, dass mit ihr ein erstes Screening als Ausgangspunkt einer Syndromdiagnose erfolgen kann, von dem aus eine zeitökonomische und effektive vertiefte Befunderhebung möglich ist. In der vorliegenden Praxisstudie füllten 342 Patienten der CIP-Ambulanz die VDS90-Symptomliste aus. Zum Vergleich wurde auch die SCL90-R zum Ausfüllen gegeben. Die Achse II der ICD-10 wurde mit Hilfe der VDS30-Persönlichkeitsskalen berücksichtigt. In den neun Symptombereichen der SCL90-R besteht eine gute Korrespondenz der beiden Fragebögen, die Gesamtscores korrelieren mit 0,80. Dies kann als erste Bestätigung der Güte der VDS90-Symptomliste gesehen werden. Eine Faktorenanalyse ergab eine dimensionale Struktur, die die wichtigsten klinischen Syndrome abbildet. Ihre Subskalen (Angst, Depression, somatoforme Störungen) haben eine gute Reliabilität, so dass es lohnenswert erscheint, ihren Nutzen für die Therapieverlaufskontrolle und –evaluation in künftigen Studien zu prüfen. Da sie zudem zahlreiche für die ambulante Psychotherapie sehr wichtige Symptombereiche erfasst wie Essstörungen, somatoforme Störungen, aber auch Alkoholismus, weitere Süchte etc., kann sie eine konkrete Funktion in der Therapieplanung und im internen Qualitätsmanagement übernehmen. Die Daten wurden elektronisch erhoben mit Handheld, drahtloser Datenübertragung zum Ambulanzcomputer und sofortiger Auswertung und Ergebnisausgabe durch die cibait-Software. Es zeigte sich, dass dies eine von den Patienten gut akzeptierte und qualifizierte Vorgehensweise ist.
Schlüsselwörter Symptomliste – psychischer Befund – Syndromdiagnostik – Therapieverlaufskontrolle – Therapieevaluation - Qualitätsmanagement
Summary
The VDS90 symptom list was developed as a self-assessment tool for ambulatory psychotherapy practice. On the one hand, it is supposed to grasp the present symptoms of patients coming to practice for psychotherapy. On the other hand, the relevant symptom areas are so easy to grasp that a first screening as starting point of a syndrome diagnosis may follow, initiating a possible time economic and effective detailed findings survey. In the practice study at issue, 342 patients of the CIP out-patient department filled in the VDS symptom list. In comparison, the SCL90-R was filled in as well. The axis-II of the ICD-10 was reflected with the help of the VDS30 personality scales. In the nine symptom areas of the SCL90-R there exists good correspondence of the two questionnaires, the total scores correlate with 0.80. This can be seen as a first acknowledgement of the VDS90 symptom list’s criteria. A factor analysis resulted in a dimensional structure which depicts the most important clinical syndromes. The subscales (anxiety, depression, somatoform disorder) have a good reliability, therefore it seems worthwhile to examine their utility for therapy case control and evaluation in future studies. As it also grasps numerous symptom areas that are very important for ambulatory psychotherapy, such as eating disorders, somatoform disorders as well as alcoholism and other addictions, it can take over a concrete function in treatment planning and internal quality management. The data was sampled electronically by handheld, wireless data transfer to the out-patient department computer and immediate evaluation and result output by means of cibait-software. It became apparent that this is a qualified approach that is well-accepted by patients.
Keywords symptom list – psychological diagnosis – syndrome diagnostics – therapy case control – therapy evaluation – quality management
Epidemiologie, Diagnostik und Differenzialdiagnostik von Essstörungen ![]()
Epidemiology, Diagnostics and Differenztial Diagnostics of Eating Disorders
Stephan Zipfel, Gaby Groß
Zusammenfassung
Die epidemiologische Erforschung von Essstörungen befindet sich noch immer in einer Phase, in der Inzidenz- und Prävalenzraten innerhalb verschiedener Populationen bestimmt und miteinander verglichen werden. Aufgrund stark variierender empirischer Ergebnisse muss die häufig geäußerte Annahme eines Anstiegs der Inzidenz von Essstörungen in Frage gestellt werden. Auch zur Klassifikation und Diagnostik von Essstörungen gibt es viele offene Fragen. Eine Kontroverse betrifft zum Beispiel die Abgrenzung der Essstörungen Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung. Insgesamt wird die in der klinischen Praxis häufig anzutreffende Gruppe der atypischen Essstörungen in der Forschung bisher vernachlässigt. In diesem Artikel werden aktuelle epidemiologische Befunde vorgestellt und diagnostische Aspekte kritisch diskutiert.
Schlüsselwörter Essstörungen – Anorexia nervosa – Bulimia nervosa – Binge Eating-Störung – Epidemiologie – Diagnostik – Differenzialdiagnostik
Summary
Epidemiological research of eating disorders is still at the stage of determining the incidence and prevalence rates of the disorders within populations and comparing the rates among different groups. Strongly varying empirical results question the general belief that eating disorders have become more frequent over recent decades. Regarding the classification and diagnosis of eating disorders there are also many unanswered questions. One dispute concerns the distinction between anorexia nervosa as its own entity and other eating disorders such as bulimia nervosa and binge eating disorder. Overall, there has been little research done on the atypical eating disorders although they are frequently encountered in clinical practice. In this article, existing epidemiological findings are presented and diagnostic aspects are critically discussed.
Keywords eating disorders – anorexia nervosa – bulimia nervosa – binge eating disorder – epidemiology – diagnostics – differential diagnostics
Borderline-Persönlichkeitsstörung, Selbstverletzung und Essstörung ![]()
Borderline Personality Disorder, Deliberate Self-Harm and Eating Disorders
Valerija Sipos, Ulrich Schweiger
Zusammenfassung
Borderline-Persönlichkeitsstörung, Selbstverletzungen und Essstörungen treten komorbid auf und kennzeichnen eine Gruppe von Patientinnen mit hoher Krankheitsschwere und ausgeprägter Einschränkung der psychosozialen Funktionsfähigkeit. In den letzten Jahren wurden Behandlungskonzepte entwickelt, die sich gezielt nach Bedürfnissen dieser Zielgruppe richten. Der Artikel gibt einen Überblick über die Programme und Interventionen. Erste noch unveröffentlichte Ergebnisse sprechen für eine gute Akzeptanz der Therapie und mittlere Effektstärken bei der Reduktion der Symptombelastung. Es besteht allerdings weiterhin erheblicher Bedarf an empirischer Evaluation der langfristigen Behandlungsergebnisse dieser Patientinnen.
Schlüsselwörter Anorexia nervosa - Bulimia nervosa – Essstörung - Borderline-Persönlichkeitsstörung - selbstverletzendes Verhalten - Verhaltenstherapie
Summary
Borderline personality disorder, self-harm and eating disorders may occur as comorbid conditions and characterize a group of patients with high illness severity and low level of psychosocial function. During the last years specialized treatment programs have been developed that target the specific needs of this group. Unpublished data point to a good acceptance of the interventions and medium effect size reduction of symptoms. The article gives an overview of the programs and interventions and emphasizes the need for more empiric evaluation of therapy outcomes in patients with high psychiatric comorbidity.
Keywords anorexia nervosa - bulimia nervosa - eating disorder - borderline personality disorder - self-injurious behavior - behavior therapy
Psychosoziale Risikofaktoren und aufrechterhaltende Bedingungen ![]()
von Essstörungen Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand
Psychosocial Risk and Maintenance Factors for Eating Disorders – An Overview
Corinna Jacobi, Stefan Neubert
Zusammenfassung
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über Risikofaktoren und Faktoren der Aufrechterhaltung von Essstörungen, die durch longitudinale Studien, feste Marker durch Querschnittuntersuchungen identifiziert werden können. In Anlehnung an die Taxonomie von Risikofaktoren nach Kraemer et al. (1997) stellen wir diese für die Essstörungssyndrome Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung dar. Die wichtigsten Risikofaktoren aus den Längsschnitt- und Querschnittuntersuchungen sind Komplikationen während der Schwangerschaft, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, das frühkindliche Essverhalten, Fütter- und gastrointestinale Störungen, Beschäftigung mit Gewicht und Figur, negative Selbstbewertung, sexueller Missbrauch sowie andere ungünstige Erfahrungen und allgemeinpsychiatrische Krankheiten. Bedeutende aufrechterhaltende Faktoren sind Internalisierung des Schlankheitsideals, Unzufriedenheit mit dem Körper, Perfektionismus sowie ein negativer Affekt. Im Vergleich mit den noch sehr begrenzten Forschungsbefunden zur Anorexia nervosa und Binge-Eating-Störung gibt es weitaus stärkere Belege für Risiko- und aufrechterhaltende Faktoren bei der Bulimia nervosa und bei heißhungerrelevanten Syndromen.
Schlüsselwörter Essstörungen – Risikofaktoren – aufrechterhaltende Faktoren – Übersicht
Summary
The aim of this paper is to give an overview of risk and maintenance factors for eating disorders. Risk factors and maintenance factors are identified in longitudinal studies, fixed markers are identified in cross-sectional studies. Risk factors are presented for the eating disorder syndromes anorexia nervosa, bulimia nervosa und binge eating disorder according to the risk factor taxonomy by Kraemer et al. (1997). The most important risk factors from longitudinal and cross-sectional studies are pregnancy complications; gender; ethnicity; early childhood eating, feeding and gastrointestinal problems; concerns about weight and shape; negative self-evaluation; sexual abuse and other adverse experiences and general psychiatric morbidity. Relevant factors to maintain eating pathology are thin-ideal internalization, body dissatisfaction, perfectionism and negative affect. While longitudinal evidence for risk and maintenance factors is relatively strong for bulimia nervosa and binge-related syndromes, the knowledge about risk and maintenance factors for anorexia nervosa and binge eating disorder is still very limited.
Keywords eating disorders – risk factors – maintenance factors – review
Besonderheiten der Therapie von Kindern und Jugendlichen ![]()
mit anorektischen und bulimischen Essstörungen
Specific features in the treatment of children and adolescents with anorectic and bulimic eating disorders
Silke Naab
Zusammenfassung
Kinder und Jugendliche mit Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa zeigen im Vergleich zu erwachsenen Patientinnen mit Essstörungen Besonderheiten bei Diagnostik, Verlauf und Prognose sowie Darstellung ihrer Symptomatik und Beziehungsgestaltung in der Therapie. In der psychotherapeutischen Behandlung der jungen Patientinnen sind altersspezifische Themen wie Verunsicherung durch Veränderungen in der Pubertät und Einbindung in Freundes- und Familienkreis besonders zu berücksichtigen. Der Einfluss der Eltern kann hierbei konstruktiv genutzt werden. Im Rahmen einer medikamentösen Therapie können, wie auch bei erwachsenen Patientinnen, insbesondere niederpotente Neuroleptika und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer hilfreich sein. Insbesondere die ambulante Versorgung für Kinder- und Jugendliche mit Essstörungen ist derzeit noch nicht flächendeckend gewährleistet, was jedoch für eine frühzeitige Behandlung dieses Krankheitsbildes notwendig wäre.
Schlüsselwörter Essstörungen – Anorexia nervosa – Bulimia nervosa – Kinder und Jugendliche – Therapie
Summary
Compared to adult patients with eating disorders, children and adolescents with bulimia nervosa or anorexia nervosa show differences regarding diagnostical features, prognosis, symptomatology as well as relationship in therapy. In psychotherapy, age-related aspects like uncertainty based on changes in puberty, as well as integration in peer groups and family have to be taken in account. The influence of the parents, however, can be used constructively. Regarding medical treatment neuroleptics and selective Serotonin reuptake inhibitors (SSRI) can be helpful as shown in the treatment of adult patients with eating disorders. Up to now, there are not enough opportunities for outpatient treatment of children and adolescents with eating disorders. Though, this would be important for early treatment of this disorder.
Keywords eating disorders – anorexia nervosa – bulimia nervosa – children and adolescents – therapy
Der schwierige Fall und Fallstricke. Spezifische Probleme ![]()
in der Behandlung von Essstörungen
The Difficult Case and Traps. Specific Problems in the Treatment of Eating Disorders
Markus Fumi, Manfred M. Fichter
Zusammenfassung
In der psychotherapeutischen Behandlung von Essstörungen tritt eine Reihe spezifischer Probleme auf, die auf Persönlichkeitsmerkmale der Patientinnen, Entstehungsbedingungen und Verlaufscharakteristika der Erkrankungen zurückgehen. Diese Probleme kennzeichnen häufig einen „schwierigen Fall” und reichen vom Zugang zur Krankenversorgung und der initialen Therapiemotivation über die Diagnostik bis zum Therapieverlauf. Typische „Fallstricke” an verschiedenen Punkten der psychotherapeutischen Behandlung werden beschrieben, durch Patientenbeispiele illustriert und um Lösungsmöglichkeiten ergänzt. Dabei wird deutlich, dass in der Essstörungstherapie spezifische Probleme und Krisen einerseits, die reizvolle Herausforderung zu kreativem Arbeiten andererseits zwei Seiten der selben Medaille sind.
Schlüsselwörter Essstörungen – Anorexia nervosa – Bulimia nervosa – Psychotherapie – Behandlungsprobleme – schwierige Fälle – Fallstricke
Summary
In psychotherapy, there are some specific problems based on personality characteristics of the patients, as well as specific issues regarding development and course of the disorders. These problems often indicate a ”difficult case” and reach from access to treatment and initial motivation for therapy to diagnosis and course of treatment. Typical ”traps” on different points in psychotherapy are described, illustrated by patients examples and completed by possibilities to resolve these problems. Therein, it is obvious that in eating disorder therapy there are two sides of one coin: on one hand specific problems and crises, on the other hand an attractive challenge to work creatively.
Keywords eating disorders – anorexia nervosa – bulimia nervosa – psychotherapy – problems in treatment – difficult cases – traps
Psychopharmakotherapie bei Essstörungen ![]()
Psychopharmacotherapy of eating Disorders
Bernhard Osen
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über den Stand der Forschung zur Psychopharmakotherapie bei Essstörungen. Es wurden dabei im Wesentlichen kontrollierte Studien zur Therapie der Anorexia nervosa, der Bulimia nervosa und der Binge-Eating-Störung berücksichtigt. Die Ergebnisse der Studien zur psychopharmakologischen Behandlung der Anorexia nervosa sind insgesamt nicht sehr ermutigend. Nachdem frühe Studien mit dem appetitstimulierenden Medikament Cyproheptadin, mit Opiatantagonisten und mit klassischen Neuroleptika keine positiven Effekte zeigten, konzentrierten sich neuere Arbeiten vor allem auf Antidepressiva und neuere Neuroleptika. Bei den überwiegend an stationären Patienten durchgeführten Untersuchungen zu Antidepressiva ließ sich ebenfalls kaum eine positive Wirkung auf die anorektische Symptomatik finden. Lediglich eine Studie fand positive Ergebnisse für Fluoxetin im Langzeitverlauf bei ambulant behandelten Anorexiepatienten. Es werden einige Hypothesen über die Gründe der fehlenden Effekte diskutiert. Offene Studien zu Risperidon und vor allem Olanzapin zeigen ermutigende positive Effekte. Der Beleg durch kontrollierte Studien steht allerdings noch aus.
Für die psychopharmakologische Behandlung der Bulimia nervosa haben sich Antidepressiva als am wirksamsten erwiesen. Es gibt keine eindeutigen Hinweise auf die bessere therapeutische Wirksamkeit eines bestimmten Antidepressivums. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wurden aber von den Patienten besser vertragen. Auch wenn eine kombinierte Behandlung aus kognitiver Verhaltenstherapie und antidepressiver Therapie bessere Ergebnisse zeigte, wurde die alleinige kognitive Therapie von den Patienten besser akzeptiert als die Kombinationsbehandlung.
Die Ergebnisse kontrollierter Studien zur Psychopharmakologie der Binge-Eating-Störung sind wegen der erst jüngst standardisierten Diagnostik eher noch als vorläufig zu betrachten. Antidepressiva waren hinsichtlich der Reduktion von Heißhungeranfällen und Erbrechen einer Placebobehandlung überlegen. Es zeigten sich jedoch keine überzeugenden Ergebnisse bei der Reduktion des Übergewichtes, was hingegen für das Antikonvulsivum Topiramat in einigen neueren kontrollierten Studien zutraf. Aufgrund der ermutigenden Ergebnisse von Sibutramin wurden mehrere neuere kontrollierten Studien zu diesem Adipositasmittel dargestellt, auch wenn es sich bei Sibutramin nicht um ein Psychopharmakon handelt.
Schlüsselwörter Psychopharmaka – Pharmakotherapie – Antidepressiva – Therapie – Essstörungen – Bulimia nervosa – Anorexia nervosa – Binge Eating Disorder
Summary
The following article provides a review on the current state of scientific research on the psychopharmacotherapy of eating disorders. Pharmacotherapy studies on anorexia nervosa, bulimia nervosa and binge-eating disorder are described. The results of the studies on psychopharmacological treatment of anorexia nervosa are not very encouraging. Since earlier studies on cyproheptadine, an agent which stimulates appetite, opiatantagonists and neuroleptics did not show positive effects, recent research focused on antidepressants and atypical neuroleptics. The majority of studies with antidepressants were conducted on inpatients and did not show positive results on anorectic symptoms. Only one study reported positive long–term results on out-patient anorectics. The article discusses some of the possible reasons for the lack of efficacy of antidepressants. Some uncontrolled trials report encouraging results of risperidone and olanzapine, but controlled trials are necessary to establish the efficacy of atypical neuroleptics in the therapy of anorexia nervosa.
Antidepressants have been shown to be the most effective agents in treating bulimia nervosa psychopharmalogically. There is no clear evidence of one antidepressant having a better therapeutical effect than others. However, selective serotonin reuptake-inhibitors were better tolerated by the patients. The combination of cognitive-behavioral therapy (CBT) and antidepressant pharmacology showed better results than CBT alone, while CBT without pharmacological therapy was better accepted by the patients.
The results of controlled trials investigating the effects of psychopharmacotherapy on binge-eating-disorder must be considered preliminary, as standardized assessment tools have only recently been available. Antidepressants were superior to placebos concerning reduction of binge episodes and vomiting. There were no convincing effects on weight-reduction. The anticonvulsant topiramate has been found to be effective in weight reduction in some recent controlled trials. Since the antiobesity agent sibutramine has shown to be effective in treatment of binge eating, a summery of recent controlled trials are described, although sibutramine is not an psychopharmacological agent.
Keywords psychopharmacology – pharmacotherapy – antidepressants – treatment – eating disorders – anorexia nervosa – bulimia nervosa – binge eating disorder
Psychodynamische Therapiekonzepte bei der Behandlung
von Anorexia und Bulimia nervosa
Psychodynamic Therapeutic Concepts in theTreatment of Anorexia and Bulimia Nervosa
Christoph Nikendei, Wolfgang Herzog
Zusammenfassung
Die Essstörungen Anorexia nervosa und Bulimia nervosa sind beide durch den konflikthaften Umgang mit der Nahrungsaufnahme gekennzeichnet. Trotz des gemeinsamen Leitsymptoms unterscheiden sich beide Krankheitsbilder in ihrer spezifischen Psychodynamik mit grundlegenden Implikationen für die Manifestation, den Krankheitsverlauf und die Prognose. Nach wie vor weist die Anorexia nervosa, nicht zuletzt bedingt durch die Verleugnungstendenzen der Patient(inn)en, eine hohe Mortalität auf. Bei der Bulimia nervosa – bei der die assoziierte Mortalität hingegen gering zu sein scheint – verhindert häufig der zentrale Affekt der Scham einen frühzeitigen Behandlungsbeginn. Um den Therapieverlauf langfristig zu strukturieren, sollte am Anfang jeder Behandlung ein individueller Gesamtbehandlungsplan entwickelt werden. In Abhängigkeit der Schwere der Erkrankung ist eine ambulante oder stationäre Therapie der Betroffenen indiziert. Entsprechend der multifaktoriellen Genese der Erkrankungen fließen vielfältige therapeutische Elemente in den Behandlungsplan der ambulanten oder stationären Psychotherapie ein. In den konfliktzentrierten psychodynamischen Behandlungsbausteinen finden sich sowohl trieb- und objektbeziehungstheoretische als auch familiendynamische Konzepte wieder. Dennoch ist die Arbeit am Symptom mit einer Gewichtszunahme bei der Anorexia nervosa und einer Gewichtsstabilisierung bei der Bulimia nervosa ein zentrales erstes Therapieziel und letztlich die Voraussetzung für eine konfliktzentrierte psychotherapeutische Arbeit. Aus diesem Grundverständnis heraus haben sich für beide Essstörungen modifizierte Therapiekonzepte entwickelt, die der Verleugnungstendenz der Anorexia nervosa einerseits und der Scham der Bulimia nervosa andererseits Rechnung tragen.
Schlüsselwörter Anorexia nervosa – Bulimia nervosa – Essstörung – psychodynamische Therapie
Summary
Anorexia nervosa and bulimia nervosa are both characterized by abnormal eating behaviour. Although both eating disorders share this leading symptom, they differ in their specific psychodynamics, with implications for clinical manifestation, course of disease and prognosis. Anorexia nervosa, characterized by patient denial, continues to be marked by high mortality. Bulimia nervosa is associated with a sense of shame that, while less severe in its outcomes, can interfere with the timely start of treatment. Every long-term course of treatment should begin with an individual therapy plan. The severity of disease will determine whether ambulatory or in-patient treatment is needed. Corresponding to the multi-dimensional aetiology of the disease, various instruments of treatment flow into the ambulatory or in-patient psychotherapy. In the conflict-centred psychodynamic-based elements of the therapy, a number of analytic concepts are to be found. However weightgain (anorectic patients) and weight stabilisation (bulimic patients) are the primary goals of treatment and are a precondition for conflict-centred psychodynamic therapy. Out of this basic understanding, modified therapy plans for each type of eating disorders were developed, addressing both the denial of anorexia nervosa and the shame of bulimia nervosa.
Keywords anorexia nervosa – bulimia nervosa – eating disorders – psychodynamic therapy
Integrativ-tiefenpsychologische Aspekte bei Binge Eating-Störung
und psychogenem Übergewicht
Integrative-Psychodynamic Aspects of Binge Eating Disorder and Psychogenic Overweight
Stephan Herpertz, Katharina Martin
Zusammenfassung
Trotz intensiver Forschung in den letzten zehn Jahren ist die Datenlage zur Binge Eating-Störung und zu möglichen Zusammenhängen mit Übergewicht und Adipositas widersprüchlich. Konsens besteht darüber, dass das gezügelte Essverhalten als wichtiger Pathomechanismus der Bulimia nervosa nicht uneingeschränkt auf die Binge Eating-Störung übertragen werden kann. Nur bei der Hälfte dieser Patienten geht der Essstörung ein restriktives Essverhalten voraus.
Neben der störungsspezifischen, u.a. auf das Essverhalten fokussierenden kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) als Goldstandard der Behandlung der Binge Eating-Störung hat sich auch die interpersonelle Psychotherapie (IPT) als wirksames Therapieverfahren etablieren können, die nicht auf Veränderungen des Essverhaltens einschließlich assoziierter dysfunktionaler Kognitionen, sondern allein auf gestörte Interpersonelle Beziehungen abhebt. Die IPT weist große Überschneidungen mit modernen Konzepten tiefenpsychologischer Fokaltherapien, wie z.B. der analytischen Psychotherapie nach Luborsky, auf. Obwohl es an empirischen Daten zur Effektivität tiefenpsychologischer Fokaltherapie bei Essstörungen mangelt, gilt in einem Analogschluss zur IPT deren Wirksamkeit als ebenso wahrscheinlich. Wie alle konservativen Therapieverfahren ist auch die Psychotherapie, unabhängig ihrer schulischen Ausrichtung, im Hinblick auf die Gewichtsreduktion mittel- und langfristig wenig effektiv. Dennoch vermag Psychotherapie psychologische Parameter bei Patienten mit Binge Eating-Störung trotz erneuter Gewichtszunahme dauerhaft zu bessern, was auf positive Veränderungen des Selbst- und Körperbildes schließen lässt.
Schlüsselwörter Binge Eating-Störung – tiefenpsychologische Psychotherapie – Fokaltherapie – analytische Psychotherapie
Summary
Despite intensive research in the past 10 years, data on binge eating disorder and possible correlations between overweight and obesity is controversial. There is consensus that restrained eating behaviour, as an important pathomechanism for bulimia nervosa, is not necessarily unrestrictedly applicable to binge eating disorder. Restrictive eating behaviour may be found in only half of the patients with a binge eating disorder. Besides cognitive behavioral therapy (CBT) as one disorder-specific method of treatment, and as the gold standard treating binge-eating disorder, interpersonal psychotherapy (IPT) has also proven to be an effective treatment method of binge eating disorder; the goal of IPT is necessarily to alter the eating behavior and associated dysfunctional cognition, but rather to exclusively focus on malfunctioning social relations. IPT demonstrates a large degree of overlapping with modern concepts of psychodynamic focal-oriented psychotherapies, e.g. analytic psychotherapy according to Luborsky. Although there is a lack of empirical data on the efficacy of psychodynamic focal-oriented psychotherapies, the analogical conclusion is that the efficacy of IPT is by the same token probable. As all conservative therapeutic procedures, psychotherapy irrespective of the orientation is not very effective with regard to medium- or long-term weight reduction. Nevertheless, psychotherapy may improve psychological parameters in patients with binge eating disorder despite renewed weight increase inferring a positive improvement of self- and physical perception.
Keywords binge eating disorder – psychodynamic psycho- therapy – focal-oriented therapy – analytic psychotherapy
Verhaltenstherapeutische Interventionen zur Verbesserung ![]()
der Körperakzeptanz bei Anorexia Nervosa und Bulimia nervosa
Cognitive-Behavioral Treatment of Body Image Disturbances in Anorexia and Bulimia nervosa
Reimund Böse
Zusammenfassung
Körperwahrnehmungsstörungen und Schwierigkeiten mit der Körperakzeptanz sind ein Hauptproblem bei der Behandlung von Essstörungen. Dies bestätigen auch neueste Forschungsergebnisse, die die Körperunzufriedenheit als einen der bedeutsamsten Prädiktoren für den Verlauf von Essstörungen identifizierten.Therapeutische Erfahrungen zeigen zudem, dass Körperakzeptanzprobleme selten „von allein” verschwinden und deren Veränderung spezifischer, direkter Interventionen bedarf. Der Artikel beschreibt praxisnah, wie in der ambulanten und stationären Psychotherapie mit Problemen der Körperakzeptanz umgegangen werden kann. Dabei werden Techniken wie Körperwahrnehmungsübungen, Imaginationsübungen, Körperumrisszeichnungen, Seiltechniken, Spiegelübungen und Videobetrachtungen vorgestellt. Schließlich werden die Ergebnisse der bisherigen Therapieevaluationsstudien zusammengefasst.
Schlüsselwörter Körperakzeptanz – Körperschemastörung – Anorexia nervosa – Bulimia nervosa – Psychotherapieforschung
Summary
Numerous studies point to the high predictive value of the variable ‚body image disturbance‘ for the course of eating disorders. In spite of these findings the direct and systematic treatment of body image problems still constitutes the exception in standard eating disorder treatments.
This article wants to show why intense and sophisticated interventions for this set of problems are necessary and quite useful. Suggestions for implementation of these therapeutic strategies in individual and group settings are followed by a summary of results from (major) therapy outcome studies
Keywords body image – anorexia nervosa – bulimia nervosa – eating disorders – outcome-evaluation
Empirische Untersuchungen Zur Psychotherapie der Essstörungen: ![]()
Was ist wirklich evidenz-basiert?
Psychotherapy Research in Eating Disorders: What is really Evidence-Based?
Martina de Zwaan
Zusammenfassung
Trotz zahlreicher empirischer Untersuchungen ist das gesicherte Wissen über die störungsspezifische Psychotherapie der Essstörungen limitiert. In den letzten Jahren wurden vor allem in den englischsprachigen Ländern Therapieleitlinien entwickelt, die hohen methodischen Standards entsprechen. Viele der resultierenden Empfehlungen basieren jedoch auf Expertenmeinung und klinischer Erfahrung, wenige Empfehlungen sind auf kontrollierte Untersuchungen zurückzuführen. Dazu gehören vor allem der Einsatz spezifischer kognitiv- verhaltenstherapeutischer Ansätze in der Behandlung der Bulimia nervosa und der Binge-Eating-Störung sowie der Einsatz familienfokussierter Therapieansätze in der Behandlung Adoleszenter mit Anorexia nervosa. Ebenfalls empfohlen werden kann der initiale Therapieversuch mit Antidepressiva oder von auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Grundlagen aufgebauter Selbsthilfemanuale. Bei der Anorexia nervosa spielt die stationäre Therapie eine größere Rolle als bei anderen Essstörungen, wobei ein sinnvolles Maß an Struktur und die Erfahrung in der Behandlung von anorektischen Patientinnen Voraussetzungen sind. In Deutschland sollte die Verfügbarkeit qualifizierter ambulanter Behandlungsangebote, die evidenz-basierte Therapie beinhalten, ausgebaut werden.
Schlüsselwörter Essstörungen – Psychotherapie – Leitlinien – evidenz-basiert
Summary
Despite numerous empirical studies our knowledge about the best disorder-specific psychotherapy approaches in the treatment of eating disorders is still limited. In recent years treatment guidelines have been developed especially in the English speaking countries meeting high methodological standards. The resulting recommendations rely primarily on expert opinion and clinical experience, only few can be based on controlled studies. These include specific cognitive behavioral approaches in the treatment of bulimia nervosa and binge eating disorder as well as family focused approaches in the treatment of adolescents with anorexia nervosa. An initial treatment attempt with antidepressant medication or guided self-help based on cognitive behavioral principles can also be recommended. In anorexia nervosa inpatient treatment is of greater importance than in the other eating disorders. A sensible amount of structure and expertise in the treatment of anorectic patients is required. In Germany the availability of qualified outpatient treatment options offering evidence-based treatments should be increased.
Keywords eating disorders – psychotherapy – guidelines - evidence-based
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EDITORIAL |
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PROTOKOLL ÜBER KRISENINTERVENTION NACH DER FLUTKATASTROPHE (TSUNAMI) IN PHUKET UND KHAO LAK |
CRISIS INTERVENTION AFTER THETSUNAMI CATASTROPHE IN PHUKET AND KHAO LAK |
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REPETITORIUM ZUM SAMMELN - KRISE UND SUIZID |
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Das Fach „Psychosomatische Medizin“: Seine Beziehungen zur Neurobiologie und zur Psychiatrie |
„Psychosomatic Medicine“ in Germany: Its Position between Neurobiology and Psychiatry |
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Das Kuckucksei - Über das pharmakologische Modell in der Psychotherapieforschung |
The cuckoo’s egg - About the pharmacological model in psychotherapy research |
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Internes Qualitätsmanagement in der ambulanten Psychotherapiepraxis und die Frage, ob Pflicht zur Kür werden kann |
Internal quality management in ambulatory psychotherapy practice – and the question if compulsatory exercise can become free (exercise) |
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Die VDS90-Symptomliste – eine Alternative zur SCL90-R für die ambulante Psychotherapie- Praxis und das interne Qualitätsmanagement? |
The VDS90-symptom list – an alternative to SCL90-R for ambulatory psychotherapy practice and the internal quality management? |
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Epidemiologie, Diagnostik und Differenzialdiagnostik von Essstörungen |
Epidemiology, Diagnostics and Differenztial Diagnostics of Eating Disorders |
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Borderline-Persönlichkeitsstörung, Selbstverletzung und Essstörung |
Borderline Personality Disorder, Deliberate Self-Harm and Eating Disorders |
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Psychosoziale Risikofaktoren und aufrechterhaltende Bedingungen von Essstörungen Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand |
Psychosocial Risk and Maintenance Factors for Eating Disorders – An Overview |
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Besonderheiten der Therapie von Kindern und Jugendlichen mit anorektischen und bulimischen Essstörungen |
Specific features in the treatment of children and adolescents with anorectic and bulimic eating disorders |
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Der schwierige Fall und Fallstricke. Spezifische Probleme in der Behandlung von Essstörungen |
The Difficult Case and Traps. Specific Problems in the Treatment of Eating Disorders |
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Psychopharmakotherapie bei Essstörungen |
Psychopharmacotherapy of eating Disorders |
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Psychodynamische Therapiekonzepte bei der Behandlung von Anorexia und Bulimia nervosa |
Psychodynamic Therapeutic Concepts in theTreatment of Anorexia and Bulimia Nervosa |
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Integrativ-tiefenpsychologische Aspekte bei Binge Eating-Störung und psychogenem Übergewicht |
Integrative-Psychodynamic Aspects of Binge Eating Disorder and Psychogenic Overweight |
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Verhaltenstherapeutische Interventionen zur Verbesserung der Körperakzeptanz bei Anorexia Nervosa und Bulimia nervosa |
Cognitive-Behavioral Treatment of Body Image Disturbances in Anorexia and Bulimia nervosa |
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Empirische Untersuchungen Zur Psychotherapie der Essstörungen: Was ist wirklich evidenz-basiert? |
Psychotherapy Research in Eating Disorders: What is really Evidence-Based? |

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