Themenheft : Somatoforme Störungen
Editorial: Wie lange sollen Psychotherapie dauern?
Thomas Bronisch und Serge K.D. Sulz
ÄRZTLICHE PSYCHOTHERAPIE IN DEUTSCHLAND
Jörg Schmutterer
Schlüsselwörter: Ärztliche Psychotherapie
Zusammenfassung:
Es werden die historische Entwicklung nach dem Krieg, die Strukturen der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung und die Ausbildung der ärztlichen Psychotherapeuten im Vergleich zu den psychologischen Psychotherapeuten dargestellt.
Die Arbeit setzt sich hierbei mit der Stellung der ärztlichen Psychotherapeuten im Meinungsbild der Öffentlichkeit, im Verhältnis zu anderen Arztgruppen und zu den nichtärztlichen Psychotherapeuten auseinander.
INTEGRATION VON PSYCHOTHERAPIE IN DIE ALLGEMEINMEDIZINISCHE PRAXIS
Andreas Eisen
Schlüsselwörter: Psychotherapie - Psychische Störungen - Allgemeinmedizin - Integration
Zusammenfassung:
Zahlreiche Untersuchungen der letzten Jahre in der Allgemeinpraxis ergaben immer wieder einen sehr hohen Anteil psychischer und psychosomatischer Störungen. Es scheint daher naheliegend, die psychotherapeutische Versorgung aus dem Randdasein einer Spezialdisziplin heraus und in ebenso
großem Umfang in die Allgemeinpraxis hereinzunehmen. In der praktischen Arbeit ergibt sich eine Reihe von Implikationen die als Risiken und Chancen abgewogen werden müssen. In einer persönlich gehaltenen Darstellung werden Erfahrungen und kritische Gedanken aus neun Jahren Integrationsversuch zur Diskussion gestellt.
DIFFERENTIALINDIKATION VON KURZ- UND LANGZEITTHERAPIE IN DER VERHALTENSTHERAPIE
Serge K.D. Sulz
Schlüsselwörter: Langzeittherapie, Kurzzeittherapie, Differentialindikation, Verhaltenstherapie
Zusammenfassung:
Mangels empirisch-wissenschaftlicher Fundierung ist die Differentialindikation von Kurz- und Langzeittherapie auf klinische und theoriegeleitete Kriterien angewiesen. Diese werden in dieser Arbeit diskutiert. Es wird versucht, zu praxisorientierten Leitlinien zu finden, die wiederum der wissenschaftlichen Prüfung unterzogen werden müssen. Klinisch spricht für eine Kurzzeittherapie das Fehlen einer Persönlichkeitsstörung, eher massive situative Auslöser der Erkrankung und Einfachdiagnosen. Hilfreich scheint einerseits die Unterscheidung zwischen gelerntem und regelgeleitetem Verhalten und andererseits zwischen erforderlicher Entwicklung und erforderlichem Lernen zu sein.
Langzeit-Katamnesen von leichten und schweren Persönlichkeitsstörungen - therapeutische Implikationen
Michael Stone
Schlüsselwörter: Langzeitkatamnesen - Persönlichkeitsstörungen - private Praxis - Therapie
Zusammenfassung:
Die Ergebnisse einer Nachuntersuchung nach 10 bis 25 Jahren von vornehmlich aus einer psychotherapeutisch-psychoanalytischen Praxis stammenden Patienten mit Persönlichkeitsstörungen werden dargestellt. Im Gegensatz zu den Katamnesestudien ehemals stationär psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelter Patienten mit Borderline- und antisozialer Persönlichkeitsstörung fehlen solche Katamnesen in der Literatur. Persönlichkeitszüge, die zu einem guten bzw. schlechten Verlauf prädisponieren, werden beschrieben und Empfehlungen für das therapeutische Vorgehen gegeben.
Verhaltenstherapie und Katathym-imaginative Psychotherapie
Vorschlag für eine Kombination der beiden Therapieverfahren
Madlen Jacobshagen
Schlüsselwörter: Verhaltenstherapie - katathym-imaginative Psychotherapie - Kombination der Methoden - klientenzentrierter Ansatz
Zusammenfassung:
Es wird für eine reflektierte Kombination von Verhaltenstherapie und katathym-imaginativer Psychotherapie (KIP) plädiert. Dabei wird ein Vorgehen zur Diskussion gestellt, das vorrangig am Erkenntnis- und Entscheidungsprozeß des Patienten orientiert ist. Folgende Vorteile kann ein Verhaltenstherapeut durch die Einbeziehung der KIP haben: Hilfen zur Diagnostik, zur Stabilisierung der Persönlichkeit und zur Bewältigung der Problemverhaltensweisen. Drei Falldarstellungen verdeutlichen die Aussagen.
INDIKATION UND ZIELSETZUNG PSYCHOANALYTISCH ORIENTIERTER KURZZEITTHERAPIE
Rudolf Lachauer
Schlüsselwörter: Indikation - psychoanalytisch - fokal - Kurzzeitpsychotherapie
Zusammenfassung:
Die Indikation zu einer psychoanalytisch orientierten Kurzzeittherapie sollte schrittweise erfolgen. Nach der Entscheidung, ob überhaupt Psychotherapie und wenn ja, ob psychoanalytisch orientierte Therapie indiziert ist, ist besonders die Frage zu berücksichtigen, ob eine Kurztherapie auch vom Patienten mit „getragen“ wird. Wenn in Bezug auf die Symptomatik eine genügend gute Prognose gegeben sein soll, muß der Patient bereits zu Beginn genügend motiviert sein und er muß mit Deutungen „arbeiten“ können. Außerdem muß es dem Therapeuten relativ leicht fallen, ein zentrales fokales Thema zu formulieren. Dieses Thema stellt eine Verbindung zwischen dem „aktuellen Hauptproblem“ des Patienten und einer dahinterliegenden unbewußten Dynamik her. Daneben ist eine fokale analytisch orientierte Kurzpsychotherapie auch als Klärung der Motivation für eine tiefergehende analytische Behandlung und als Intervallbehandlung im Rahmen einer längerfristigen Persönlichkeitsentwicklung geeignet.
Was sind somatoforme Störungen? Diagnosen, Modelle und Instrumente
Wolfgang Hiller & Winfried Rief
Schlüsselwörter: Somatoforme Störungen - Diagnosen - Modelle - diagnostische Verfahren
Zusammenfassung:
Das noch „junge“ Konzept der somatoformen Störungen hat in den letzten Jahren ein enormes Interesse von wissenschaftlicher wie auch klinischer Seite erfahren. In diesem Beitrag werden die diagnostischen Ansätze und Störungsmodelle vorgestellt.
Einleitung zum Schwerpunktthema: Somatoforme Störungen - mehr als alter Wein in neuen Schläuchen?
Winfried Rief, Wolfgang Hiller, Manfred Fichter
Somatoforme und Konversionsstörungen im Krankenhaus
H.P. Kapfhammer
Schlüsselwörter: somatoforme Störung - Konversionsstörung - Krankenhaus - negative Affektivität - Hypochondrie - Destruktivität - Krankheitsverhalten - Behandlungsstrategien
Zusammenfassung:
Patienten mit medizinisch unklaren körperlichen Symptomen sind in der stationären Versorgung sehr häufig anzutreffen. Sie gelten vielfach als „schwierige Patienten“. Probleme der Arzt - Patienten - Interaktion werden in diesem Artikel anhand verschiedener Dimensionen beleuchtet. Ferner werden die Voraussetzungen einer effektiven Therapie dargestellt.
DIAGNOSTIK UND BEHANDLUNG DISSOZIATIVER STÖRUNGEN
Carsten Spitzer & Harald J. Freyberger
Schlüsselwörter: Dissoziative Störungen - Hysterie - Klassifikation - integrative Psychotherapie
Zusammenfassung:
Einleitend werden die Veränderungen im Hysterieverständnis und die damit verbundene Wiederbelebung des Dissoziationskonzeptes skizziert, um dann die moderne Klassifikation der dissoziativen Störungen in der ICD-10 und dem DSM-IV zu erläutern. Für die Behandlungsplanung erscheint jedoch die rein phänomenologisch orientierte Diagnostik nicht ausreichend; vielmehr müssen u.a. Krankheitsverarbeitung und -konzept, psychosoziales Funktionsniveau, psychiatrische Komorbidität und Realtraumatisierungen in der Vorgeschichte berücksichtigt werden. Allein vor diesem Hintergrund lassen sich differentielle Therapieindikationen und -empfehlungen für dissoziative Störungen auf kognitiv-psychischer und körperlicher Ebene formulieren. Diese beinhalten sowohl verhaltenstherapeutische als auch tiefenpsychologisch-psychodynamische Aspekte im Sinne einer integrativen, konfliktorientierten Psychotherapie. Abschließend wird die diagnostische Kategorie der multiplen Persönlichkeitsstörung kritisch diskutiert.
Somatoforme Störugnen in der Dermatologie
Ulrich Stangier, Uwe Gieler
Schlüsselwörter: Somatoforme Störungen, Dermatologie, Somatoformer Juckreiz, Körperdysmorphe Störung
Zusammenfassung:
Somatoforme Symptome der Haut und Haare stellen eine besonders verbreitete und vielfältige Störungsgruppe dar, die bisher nur wenig Beachtung in der Forschung gefunden hat. Es werden eine Klassifikation der somatoformen Beschwerdebilder und wichtige Differentialdiagnosen vorgestellt. Besonders ausführlich wird auf den Somatoformen Juckreiz und die Körperdysmorphe Störung eingegangen. Neben der Diskussion von Erklärungsansätzen werden Falldarstellungen zu den Störungsbildern vorgestellt. Intensive Forschung ist notwendig, um die ungenügende Versorgung dieser Patientengruppe in der Dermatologie zu verbessern.
Somatoforme Störungen bei Kindern und Jugendlichen
E. Pfeiffer , G. Schröder, U. Lehmkuhl
Schlüsselwörter: Somatoforme Störungen - Diagnose und Klassifikation im Kindes- und Jugendalter - Somatisierungsstörung
Zusammenfassung:
Somatoforme Störungen haben häufig ihren Beginn bereits im Kindes- und Jugendalter, deshalb ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. Probleme der Klassifikation in diesem Alter werden diskutiert und eine Modifizierung der Diagnosekriterien, z.B. für die Somatisierungsstörung, vorgeschlagen. In einem Literaturüberblick wird auf Fragen der Prävalenz und Ätiologie sowie auf alters- und geschlechtsspezifische Faktoren eingegangen. In einer eigenen Studie an 108 Kindern und Jugendlichen mit somatoformen Störungen fanden wir eine erhöhte psychiatrische Komorbidität, eine hohe familiäre Krankheitsbelastung sowie ein hohes psychosoziales Belastungsniveau im Vergleich zu anderen Patientengruppen. Es folgen Empfehlungen zur Intervention und zur Psychotherapie.
KONZEPT EINER GRUPPENTHERAPIE FÜR HYPOCHONDRISCHE PATIENTEN
Ulrike Lupke & Winfried Rohr
Schlüsselwörter: Hypochondrie - somatoforme Störungen - stationäre Verhaltenstherapie - Verhaltensmedizin - Gruppentherapie
Zusammenfassung:
Hypochondrie ist gekennzeichnet durch die Befürchtung oder auch Überzeugung des Betroffenen, an einer ernsthaften, möglicherweise lebensbedrohlichen Krankheit zu leiden oder erkrankungsgefährdet zu sein. Infolge dieser Befürchtung konsultieren die Patienten mit dem Wunsch nach medizinischer Rückversicherung häufig Ärzte, kontrollieren selbst ihre gesundheitlichen Funktionen und vermeiden symptomauslösende körperliche Anstrengungen und Sozialkontakte. Bei ausschließlich somatomedizinischer Behandlung kommt es zu einem chronischen Krankheitsverlauf. Verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze für diese Störung stammen aus dem englischsprachigen Raum; Behandlungsleitlinien für gruppentherapeutische Ansätze fehlen jedoch. In der vorliegenden Arbeit wird ein stationäres standardisiertes Behandlungskonzept der Hypochondrie vorgestellt. Dieses beinhaltet eine störungsspezifische Gruppentherapie unter Einbeziehung videogestützter Psychoedukation, Expositionen in vivo, Sporttherapie und integriert die psychotherapeutische mit der organmedizinischen Behandlung.
Psychotherapie-Repetitorium: Facharztprüfung: Wahl des zweiten Therapieverfahrens. Praktische Hinweise zur Durchführung von Verhaltenstherapien und deren Supervision
Serge K.D. Sulz
Buchrezension: S. Höfling und C.-M. Hockel: Hellmut Dunkelangst
Ute Gräff


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