Themenheft : Sexualstörungen
PSYCHOTHERAPIEBEHANDLUNGSPLÄTZE IN PSYCHIATRISCHEN VERSORGUNGSKRANKENHÄUSERN/ KLINIKEN FÜR PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERAPIE IN DEUTSCHLAND 1998 - ERGEBNISSE EINER ERHEBUNG DER ARBEITSGRUPPE Forschung der Bundesdirektorenkonferenz (AGF/BDK)
Manfred Wolfersdorf & Gabriele Weishaupt-Langer
Schlüsselwörter: Stationäre Psychotherapie - klinische Psychiatrie - Psychotherapie-Behandlungsplätze
Zusammenfassung:
Im Rahmen einer Umfrage zu Psychotherapie-Behandlungsplätzen in 223 ausgeschriebenen deutschen Fachkrankrenhäusern/Abteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie 1998 gaben 84 (39%) im Mittel 218,3 Betten pro Klinik an. Davon wurden 17,4% (37,9) als methoden- und 40,9% (89,2) als störungszentrierte Psychotherapieplätze bezeichnet. Unter Einbezug methodischer Kritik lässt sich festhalten, dass Psychotherapie heute von der klinischen Psychiatrie als integraler Bestandteil ihres Behandlungsangebotes verstanden wird.
DIE DEBATTE UM DAS "FALSE MEMORY SYNDROME" ZUM STREIT UM DEN WAHRHEITSGEHALT VON WIEDERGEWONNENEN ERINNERUNGEN ERWACHSENER AN SEXUELLEM MIßBRAUCH IN DER KINDHEIT
Jutta Schneider und Martin Sack
Schlüsselwörter: Wiedergewonnene Erinnerung - sexueller Missbrauch - falsche Erinnerung - Suggestion - traumatische Erinnerung
Zusammenfassung:
Seit Beginn der 90er Jahre hat der Begriff des False Memory Syndromes im englischsprachigen Raum für Unruhe in der Öffentlichkeit wie in der psychotherapeutischen Fachwelt gesorgt. Es geht um die Unterstellung, Patientinnen entwickelten in großem Rahmen falsche Erinnerungen an sexuellen Missbrauch als Produkt therapeutischer Suggestion. Wir versuchen, die Diskussion zu diesem Thema in der internationalen Fachliteratur nachzuzeichnen. Zentrale Aspekte der Debatte werden zusammen mit relevanten Forschungsergebnissen aufgegriffen. Im Folgenden wird zunächst kurz die "False Memory Syndrome Foundation" vorgestellt, die das vermeintliche "Syndrom" propagiert. Des weiteren gehen wir auf die Häufigkeit, mit der sexueller Missbrauch vergessen und wiedererinnert wird und auf die möglicherweise zugrundeliegenden Mechanismen ein. Hier spielen unter anderem Ergebnisse aus den Bereichen der Gedächtnis- und Traumaforschung, der Neurobiologie sowie der Suggestionsforschung eine Rolle. Umfragen unter Therapeuten vermitteln einen ersten Eindruck, wie mit wiedergewonnenen Erinnerungen tatsächlich umgegangen wird. Zusammenfassend kommen wir zu dem Schluss, dass Erinnerungen an sexuellen Missbrauch durchaus verloren und später wiedergewonnen werden können - dass aber auch umgekehrt (in unterschiedlichem Maß) "falsche" Erinnerungen möglich sind. Das suggestive Einflusspotential in einer Therapie erfordert besondere Vorsicht.
KREATIVE ZUGÄNGE ZU EINEM PRAXISRELEVANTEN THERAPIEFOKUS
Martin Grabe
Schlüsselwörter: FOKALTHERAPIE - GESTALTUNGEN - FAMILIENKONSTELLATION - BEZIEHUNGSKONFLIKT - THERAPIETEAM
Zusammenfassung:
Die Formulierung eines Fokus ist eine wichtige Hilfe zur Zentrierung einer Psychotherapie. Je begrenzter die Zeit ist, die zur Verfügung steht, und je mehr Personen an der Therapie beteiligt sind, desto entscheidender wird ein gemeinsam erarbeiteter Fokus für den Therapieerfolg. Es wird ein tiefenpsychologisch fundiertes fokaltherapeutisches Diagnostikverfahren vorgestellt, das sich im routinemäßigen Einsatz unserer Abteilung bewährt hat. In einer berufsgruppenübergreifenden Fokusrunde werden Inhalte wie Symptomatik, aktuelle Konflikte, szenisches Erleben und Biografie zusammengetragen, aber auch Gestaltungen des Patienten analysiert. Die biografische Anamnese wird anhand einer mit Figuren erstellten Familienkonstellation erhoben. Der zusammenfassend formulierte Fokussatz beschreibt das zentrale Beziehungskonfliktthema und leitet daraus Therapieziele und Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft ab.
SUPPORTIVE PSYCHOTHERAPIE - EINE NÜTZLICHE NEBENSACHE ODER EIN PSYCHOTHERAPEUTISCHES BASISKONZEPT?
Gerd Möhlenkamp
Schlüsselwörter: Supportive Psychotherapie - integrativer Ansatz - schwere psychische Störungen - psychotherapeutische Versorgung
Zusammenfassung:
Ein Überblick über die unterschiedlichen Bewertungen Supportiver Psychotherapie (S.T.) wird in vier Grundpositionen zusammengefasst:• S.T. und Psychotherapie schließen sich aus.• S.T. ist eine akzessorische Methodik, insbesondere zur motivationalen Bahnung der eigentlichen Psychotherapie.• S.T. ist als eigenständiges psychotherapeutisches Konzept integrierter Bestandteil eines umfassenden therapeutischen Ansatzes. • S.T. ist ein eigenständiges und hinreichendes Verfahren bei bestimmten schweren psychischen Störungen. Plädiert wird für eine fachliche Aufwertung der Supportiven Psychotherapie, vor allem wegen ihrer Bedeutung für ein mehr nachfrageorientiertes Psychotherapieangebot, das auch schwere psychische Störungen einschließt.
ALLE "GUTEN" PSYCHOANALYTISCHEN PSYCHOTHERAPIEN SIND SUPPORTIV - UND WAS ZEICHNET "GUTE" PSYCHOTHERAPIEN AUS?
ANNA & PAUL H. ORNSTEIN
Schlüsselwörter: Supportive Psychotherapie - Fokaltherapie - Selbstpsychologie - Selbstobjekt und Selbstobjektübertragungen - Technikorientierte versus prozessorientierte Psychotherapie - Empathie
Zusammenfassung:
Es erfolgt eine Einschätzung des Stellenwertes der "Supportiven Psychotherapie" aus der Perspektive der Selbstpsychologie . Dabei wird die Position vertreten, daß supportive Psychotherapie nicht den Status einer eigenständigen Therapieform beanspruchen kann. Die übliche Einteilung der Psychotherapie in supportive, direktive, Beziehungs- und Einsichtstherapien als getrennte Entitäten (die oft überlappen) wird obsolet, wenn wir den Prozess betrachten, der zwischen und in den Beteiligten in der Therapiesituation entsteht, als Schlüssel zu m Wesen therapeutischer Interventionen. Jede Modalität psychoanalytischer Therapie enthält - aus der Perspektive des sich entwickelnden Therapieprozesses gesehen - Elemente der Unterstützung und baut auf der stabilen Basis der Art der sich entwickelnden Beziehung auf. Balints Methode der Fokaltherapie - einer interpretativen Kurztherapie - von den Autoren aufbauend auf Theorie und Therapieansatz der Selbstpsychologie modifiziert, ersetzt das Konzept einer abgegrenzten exklusiv supportiven Modalität der Behandlung.
SPÄTMODERNE SEXUALVERHÄLTNISSE - ZUM SOZIOLOGISCHEN HINTERGRUND SEXUALTHERAPEUTISCHER ARBEIT
Gunter Schmidt
Schlüsselwörter: Sexualität - Soziologie der Sexualität - sozialer Wandel und Psychotherapie - Liebesbeziehungen
Zusammenfassung:
Der Autor beschreibt den sozialen Wandel der Sexualität in den letzten drei Jahrzehnten und verweist vor allem auf drei Entwicklungen: (1) das Ersetzen der traditionellen Sexualmoral durch eine Verhandlungs- oder Interaktionsmoral der Partner, deren zentrale Kategorie die Forderung nach vereinbartem Sexualverhalten ist; (2) das Aufkommen einer neuen Beziehungsform, die nicht mehr auf Institutionen, äußeren Normen oder Verpflichtungen und rollenbedingten wechselseitigen Abhängigkeiten basiert, sondern auf Gefühlen füreinander und emotionalem Gewinn miteinander, und die prinzipiell instabil ist; (3) das Verschwinden des "Triebs" als leitende Metapher zu Gunsten einer entdramatisierten Vorstellung von Sexualität als einer Lustmöglichkeit, über die man pragmatisch, autonom und einfallsreich verfügen kann.
THERAPIE SEXUELLER FUNKTIONSSTÖRUNGEN THERAPY OF SEXUAL DYSFUNCTIONS
Walter Dmoch
Schlüsselwörter: SEXUALSTÖRUNGEN - PSYCHODYNAMISCHE THERAPIE - TIEFENPSYCHLOGISCH MODIFIZIERTE THERPIE - LINGUISTISCHE ELEMENT DER THERAPIE - WAHRNEHMUNGSSCHULUNG
Zusammenfassung:
Die gleichzeitig an den biologischen, psychischen und sozialen Faktoren ihres Zustandekommens orientierte Behandlung sexueller Funktionsstörungen ist ein psychosomatisches Vorgehen im ursprünglichen Sinne. Die Therapie basiert auf Verhaltensmodifikationen, die lerntheoretisch begründet und aus wissenschaftlicher Empirie abgeleitet sind; obwohl sie ein verhaltenstherapeutisches Lernprogramm darstellen, können vom eklektisch vorgehenden Therapeuten tiefenpsychologisch orientierte Modifikationen vorgenommen werden, etwa um therapeutische Interventionen dem Erleben und Verhalten des individuellen Paares anzupassen. Wir behandeln nicht isolierte Symptome, sondern sehen den designierten Patienten (oder "Beschwerdeführer") gemäß einer interaktionellen Auffassung von Sexualität als Symptomträger, dessen Sexualstörung eine gemeinsam zustande gebrachte und unterhaltene Leistung oder wenigstens eine gemeinsam nicht überwundene Schwierigkeit anzeigt. Das Paar wird angeleitet, dysfunktionale Verhaltensweisen im Denken, Fühlen und Handeln aufzuspüren und zu lernen, luststrebiges Erleben und Verhalten konkret neu zu gestalten, indem es seine Achtsamkeit und Spürsamkeit für natürliche, autonom anwachsende körperliche und seelische Lust und Freude entwickelt.
VERHALTENSTHERAPIE SEXUELLER STÖRUNGEN FÜR MÄNNER OHNE PARTNERIN: WAS IST THERAPEUTISCH MÖGLICH?
Eva-Maria Fahrner
Schlüsselwörter: SEXUALTHERAPIE - EREKTIONSSTÖRUNGEN - EJAKULATIONSSTÖRUNGEN - EINZELPSYCHOTHERAPIE - PATIENTEN OHNE PARTNERIN
Zusammenfassung:
Die heute allgemein als erfolgreiches Vorgehen anerkannte Sexualtherapie ist als Paartherapie konzipiert. Für Männer mit sexuellen Funktionsstörungen, die keine Partnerin haben, gibt es kein vergleichbares Therapieangebot. Nach Beschreibung dieser Patientengruppe werden, ausgehend von der klassischen Sexualtherapie, praxisnah Möglichkeiten aufgezeigt, wie - zwar mit gewissen Einschränkungen - sexuelle Störungen bei Männern ohne Partnerin dennoch behandelt werden können. Drei Lernschritte, die diesen Patienten wichtig sind, werden ausführlich beschrieben. Es handelt sich dabei um die Förderung der sexuellen und partnerschaftlichen Kommunikation, den Abbau von Wissensdefiziten im sexuellen Bereich sowie die Erweiterung des sexuellen Verhaltensrepertoires
WEIBLICHES BEGEHREN IM ALTER - ZWISCHEN SCHAM UND LUST
U. Brandenburg, U. Attermeyer, H. Saß
Schlüsselwörter: Alte Frauen - sexuelle Einstellungen - Sexualverhalten - sexuelle Zufriedenheit - Beziehung zum eigenen Körper
Zusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Einstellung und Verhalten älterer Frauen zur Sexualität. Neben einer kulturellen Betrachtung werden Ergebnisse einer Studie zu diesem Thema dargestellt. So wurden 52 Frauen, die älter als 60 (die meisten zwischen 70 und 78) Jahre waren, in einem ausführlichen Interview und mit Hilfe eines eigens dafür entwickelten Fragebogens zum Thema Sexualverhalten, sexuelle Einstellungen wie auch zu sexuellen Wünschen befragt. Übereinstimmend zeigten die Ergebnisse, dass ältere und alte Frauen keineswegs asexuell leben. Die Scham, über eigenes sexuelles Verhalten zu sprechen, ist dennoch groß. Insbesondere auf die Frage nach sexuellen Wünschen und Sehnsüchten schwiegen fast alle der von uns befragten Frauen. Ein interessanter Zusammenhang stellt sich zwischen der Größe sexueller Zufriedenheit und der Beziehung zum eigenen Körper dar. Während sexuelle Funktionalität wie Orgasmushäufigkeit, Petting-, Masturbations- oder Koitusfrequenz keinerlei Einfluss auf die sexuelle Zufriedenheit hat, so hat die Beziehung und die Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen eine hochsignifikante.
VORWIEGEND KÖRPERLICH BEDINGTE WEIBLICHE SEXUALSTÖRUNGEN UND DEREN BEHANDLUNG
Ortrun Jürgensen
Schlüsselwörter: Sexualstörung - Hysterektomie - gynäkologische Karzinome - Intersexualität - testikuläre Feminisierung - MRK-Syndrom - AGS - Turner-Syndrom
Zusammenfassung:
In einer Übersichtsarbeit werden körperliche Krankheiten und deren Behandlung dargestellt, die bei Frauen vorübergehende oder bleibende Sexualstörungen bedingen. Unterschieden werden der sekundäre Verlust von Uterus und Ovarien bei benignen und malignen Erkrankungen sowie die Karzinomerkrankung der Brust als wichtigste Tumorerkrankung von angeborenen Störungen wie testikuläre Feminisierung, Mayer-Rockitansky-Küster-Syndrom, adrenogenitales Syndrom und Turner-Syndrom mit primärem Fehlen von Sexualorganen. Die angeborenen Störungen erscheinen insofern wichtiger als die erworbenen, als sie Hypothesen über die Lokalisation der Störung sexueller Differenzierung und Geschlechtsidentität erlauben. Das gilt besonders für die intersexuellen Störungen, bei denen bereits antenatal hohe Androgenmengen wirksam werden. Auf die Grenzen psychotherapeutischer Interventionen bei solchen Störungen wird in der Diskussion hingewiesen.
UROLOGISCHE DIAGNOSTIK UND THERAPIE VON EREKTIONSSTÖRUNGEN
J. Ullrich Schwarzer
Schlüsselwörter: EREKTILE DYSFUNKTION - BASISDIAGNOSTIK - FARBDUPLEXSONOGRAFIE - PHARMAKOTHERAPIE - SCHWELLKÖRPERINJEKTIONSTHERAPIE
Zusammenfassung:
Die Diagnostik der erektilen Impotenz sollte in einem Stufenschema von nichtinvasiver zu invasiver Diagnostik ablaufen, wobei sorgsam erhobene Anamnese und fachurologische Untersuchung obligat sind und die frühzeitige Einbeziehung des Psychiaters anzustreben ist. Rigiscan und Schwellkörper-EMG sind wenig invasive, fakultative Ergänzungen der Diagnostik. Der Schwellkörperinjektionstest mit Dopplersonografie gilt als Standard bei begründetem Verdacht auf organisch bedingte Störung. Penisangiografie und Cavernosografie sind nur in speziellen Fällen indiziert. Die Therapie organisch verursachter Erektionsstörungen erfolgt medikamentös oral überwiegend mit Yohimbin oder Sildenafil, während SKAT weiterhin die am häufigsten angewandte semiinvasive Therapie darstellt. Die Vakuumerektionshilfe hat eine gewisse Bedeutung für ältere Patienten wegen der geringen Komplikationsrate. Penile Revaskularisationen bleiben speziellen Indikationen vorbehalten, Venenligaturen haben keine Indikation mehr. Schwellkörperimplantate sind eine wirksame Therapie, gelten aber als therapeutische Ultima ratio.
Somato-Psychotherapie bei Erektionsstörungen: Ansätze zu einer integrativen Behandlung sexueller Dysfunktionen
Uwe Hartmann und Götz Kockott
Schlüsselwörter: Erektionsstörung - erektile Dysfunktion - sexuelle Dysfunktion - Sexualtherapie - integriertes Konzept - Somato-Psychotherapie
Zusammenfassung:
Erektionsstörungen sind aufgrund ihrer hohen Prävalenz und ihrer weit reichenden psychosomatischen Auswirkungen ein signifikantes Gesundheitsproblem. Die in diesem Beitrag vertretene Somato-Psychotherapie kann auf das bewährte Vorgehen der Sexualtherapie zurückgreifen und es durch die neuen somatischen Behandlungsoptionen anreichern, vor allem durch die wirksamen oralen Medikamente. Das Rationale eines integrativen Ansatzes wird in seiner wissenschaftlichen und klinischen-therapeutischen Basis beschrieben und die Möglichkeiten und Probleme aus sexualtherapeutischer Sicht fokussiert. Die Somato-Psychotherapie entspricht der meist psychischen und somatischen Genese erektiler Dysfunktionen und kann durch die Behandlung somatischer Aspekte mehr Patienten ein adäquates Therapieangebot machen. Sie ist wichtiger Bestandteil eines gestuften sexualmedizinischen Prozessmodells der Untersuchung und Behandlung erektiler Dysfunktionen und erweitert das Spektrum der Therapiemöglichkeiten. Anhand einer Kasuistik wird das Vorgehen in der Praxis beschrieben.
NEUE ENTWICKLUNGEN IN DER PSYCHOTHERAPIE VON PARAPHILIEN
Wolfgang Berner
Schlüsselwörter: Paraphilien - kognitiv-verhaltenstherapeutische und psychodynamische Behandlung - medikamentöse Behandlung - SSRI-Behandlung
Zusammenfassung:
Die in den letzten Jahren veröffentlichten Behandlungsprogramme für paraphile Störungen erinnern zunehmend an Suchttherapieprogramme und die damit verbundenen Rückfallverhütungsprogramme. In einem Überblick werden daher neuere diagnostische und differentialdiagnostische Richtlinien erörtert, die Entwicklungen in den kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansätzen mit den psychodynamisch orientierten verglichen und Ähnlichkeiten aufgezeigt. Die neueren Entwicklungen in den medikamentösen Therapieansätzen betonen auch den Sucht- und Zwangscharakter der angesprochenen Störung und machen ihn zum Angriffspunkt für die Behandlung. In Metaanalysen der Katamnesen mit und ohne Behandlung werden immer wieder ähnliche Risikofaktoren für ungünstige Verläufe angegeben: Dissoziale Persönlichkeitsstörung und ein hoher Grad an Fixierung an die deviante Sexualität.
PSYCHOTHERAPIE MIT OPFERN VON SEXUALSTRAFTÄTERN
Hertha Richter-Appelt
Schlüsselwörter: Opfer von Sexualstraftaten - sexueller Missbrauch - Psychotherapie
Zusammenfassung:
Es wird diskutiert, welche Formen sexueller Traumatisierungen Folgen von Sexualstraftaten sind. Wichtige Aspekte der sexuellen Traumatisierung, wie die Vorgeschichte des Opfers, die Beziehung zum Täter, werden dargestellt. Die spezifische Bedeutung von Phantasie und Sprache bei sexuellen Übergriffen in der Kindheit wird unter psychoanalytischen Gesichtspunkten reflektiert.
TRANSSEXUELLE GESCHLECHTSIDENTITÄTSSTÖRUNGEN
Hartmut A. G. Bosinski
Schlüsselwörter: TRANSSEXUALISMUS - TYPOLOGIE - SEXUELLE ORIENTIERUNG - DIFFERENTIALDIAGNOSTIK - PSYCHOTHERAPIE - ALLTAGSTEST
Zusammenfassung:
Vor dem Hintergrund der aktuellen Nomenklatur (ICD-10; DSM-IV) wird die Symptomatologie der Geschlechtsidentitätsstörungen bei biologischen Frauen und biologischen Männern in ihrer Verschiedenheit skizziert. Dabei wird auch auf die beiden, nach Störungsverlauf und sexueller Orientierung unterschiedenen Unterformen transsexueller Geschlechtsidentitätsstörungen bei biologischen Männern eingegangen. Diagnostische Kriterien und differentialdiagnostische Erwägungen werden ventiliert und dabei besonders auf die Notwendigkeit eines länger währenden diagnostisch-psychotherapeutischen Klärungsprozesses unter Einbeziehung der Erfahrungen im Alltagstest vor Einleitung irreversibler körperverändernder Maßnahmen hingewiesen.


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