Themenheft: Hirnforschung und Psychotherapie
Verhaltensmuster und Persönlichkeitsstruktur entfremdeter Eltern: Psychosoziale Diagnostik und Orientierungskriterien für Interventionen (S. 166-183)
Walter Andritzky
Summary
This contribution examines behavioral patterns of alienating parents and the dynamics of their personality affecting childrens’developmental chances. Knowledge of such factors allows psychotherapists, social workers, judicial personnel, judges, case workers, lawyers, teachers, kindergarten teachers, doctors, friends and neighbors early identification of alienating behavior following a separation/divorce.
In cases that would require consistent limit-setting, alienating parents (because of their specific family- and personality dynamics) often engage professional helpers astonishingly effortlessly in the pursuit of their own goals and view of the parental strife. From a distance, and from the perspective of an uninvolved observer, the seemingly uncritical or helpless collaboration with the alienating parents’ ”tricks” and strategies is often incomprehensible. It can only be understood in context of a deeper understanding of the alienating parents’ personality- and family dynamics, and overcome through a philosophy of intervention that follows from this understanding. The main focus are behaviors that ultimately lead to a phenomenon that was introduced by Gardner (1998) as ”Parental Alienation Syndrome (PAS)”.
Hereby, some children, following the initial custody battle (often following a non-agreed-upon ”taking of the child”, visitation boycott and devaluation of the other parent), begin to refuse contact with the non-custodial parent and his/her familiar environment, for no apparent reason. They invent their own ”reasons” and stress that all this is of their ”own will”. They present rather absurd reasoning, which they have taken over literally, from the alienating parent.
Keywords
divorce – borderline – visitation rights – intervention – parental alienation syndrome
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht Persönlichkeitsdynamik und Verhaltensmuster von Elternteilen, welche nach Scheidung/Trennung versuchen, den Kontakt eines Kindes zum anderen Elternteil z.B. durch Umgangsbehinderungen zu erschweren. Das für nicht beteiligte Beobachter und aus der Distanz oftmals unbegreifliche Mitagieren von Psychotherapeuten, Sozialarbeitern, Gerichtssachverständigen, Richtern, Verfahrenspflegern, Anwälten, Lehrern und KindergärtnerInnen mit den ‚Tricks‘ und Strategien entfremdender Eltern, kann nur vor dem Hintergrund eines tieferen Verständnisses für deren Persönlichkeits und Familiendynamik und durch eine daraus abgeleitete Interventionsphilosophie überwunden werden.
Es werden daher Kriterien entwickelt, um entfremdendes Verhalten nach Trennung/Scheidung frühzeitig erkennen und zum Wohle der betroffenen Kinder gegensteuern und ggf. die notwendigen Sorgerechts- und Umgangsregelungen einleiten zu können. Es werden jene Entfremdungstechniken beschrieben, die im Ergebnis beim betroffenen Kind zu einem ‚elterlichen Entfremdungssyndrom’ (nach Gardner 1998) führen und die Bedeutung deklaratorisch-grenzsetzender Interventionsstrategien hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Scheidung – Borderline – Intervention – Sorgerecht – Umgangsrecht– Entfremdungssyndrom
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Biologische Korrelate psychotherapeutischer Interventionen (S. 184-188)
Hans Förstl
Summary
Psychotherapy is an attempt to influence memory in order to achieve sustained changes of cognition and behaviour. This
manuscript offers a brief review of molecular biological memory studies, temporal and prefrontal memory functions.
Keywords
Psychotherapy – memory – molecular biology of memory –temporal lobe – prefrontal cortex
Zusammenfassung
Psychotherapie ist der gezielte Versuch, Gedächtnisfunktionen zu beeinflussen, um überdauernde Veränderungen von Kognition und Verhalten herbeizuführen. In diesem Beitrag werden wesentliche Erkenntnisse der molekularen Gedächtnisforschung wie der temporalen und präfrontalen Gedächtnisleistungen kurz zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Psychotherapie – Gedächtnis – Molekularbiologie – Temporallappen – Präfrontalkortex
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Frühkindliche Emotionen steuern die funktionelle Reifung des Gehirns (S. 190-194)
J. Bock, K. Braun
Summary
Juvenile, emotionally modulated learning events, such as the formation of an emotional bond between a newborn animal and its mother or both parents, are fundamental for the establishment and maintenance of synaptic networks in the developing brain. Clinical as well as animal studies revealed that disturbances of this emotional attachment leads to alterations of brain organisation and to deficits of emotional and cognitive capabilities. Our aim is to study the cellular and molecular mechanisms which underlie the experience-driven brain maturation and to analyze in which way juvenile traumatic experiences can influence such neurodevelopmental events.
By using systematic experimental approaches in two different experimental models, filial imprinting in the domestic chick and parental deprivation in Octodon degus, we discovered that disturbances of the emotional bond between newborns and the parents induce specific synaptic changes in different regions of the limbic prefrontal cortex, which play important roles during emotional behavior, learning and memory formation. Moreover, juvenile positive or negative socio-emotional experiences dramatically alter brain glucose metabolism, whose long-term consequences may be the observed synaptic changes. Further studies will clarify in which way such animal models are suitable for the experimental analysis of developmental brain disorders.
Keywords
Juvenile Learning – Parental Separation – Brain Development – Animal Models – Limbic System
Zusammenfassung
Frühkindliche emotional gesteuerte Lernprozesse, wie die Entstehung der Kind-Eltern-Beziehung, sind von grundlegender Bedeutung für die Ausbildung und Aufrechterhaltung funktioneller synaptischer Netzwerke im sich entwickelnden Gehirn. Klinische Befunde und tierexperimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass Störungen dieser emotionalen Bindung zu Veränderungen der Gehirnorganisation und zu Defiziten nicht nur im emotionalen, sondern auch im kognitiven Bereich führen. Das Ziel unserer Forschungen ist es die zellulären und molekularen Mechanismen zu untersuchen, die der erfahrungsabhängigen Gehirnreifung zu Grunde liegen und herauszufinden inwieweit frühkindliche traumatische Erfahrungen diese Prozesse beeinflussen.
In unseren Untersuchungen am Modell der Filialprägung des Haushuhnkükens und der Elterndeprivation bei der Strauchratte konnten wir zeigen, dass die Unterbrechung des Kind-Eltern-Kontaktes (Elternseparation) zu langfristigen spezifischen synaptischen Veränderungen in limbischen kortikalen Regionen führt, die bei emotionalem Verhalten, Lernen und Gedächtnisbildung eine grundlegende Rolle spielen. Zudem stellte sich heraus, dass es während der frühkindlichen Erfahrungen zu erheblichen Veränderungen des Gehirnstoffwechsels kommt, die möglicherweise ursächlich mit den beschriebenen Synapsenveränderungen korreliert sind. Weiterführende Untersuchungen stehen aus, um zu prüfen, inwieweit sich dieses Tiermodell für die experimentelle Analyse von entwicklungs- und umweltinduzierten psychischen Erkrankungen eignet.
Schlüsselwörter
Frühkindliches Lernen – Elternseparation – Gehirnentwicklung – Tiermodelle – Limbisches System
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Bildgebende Verfahren in der psychiatrischen Hirnforschung (S. 196-202)
C. Kaufmann, D. P. Auer
Zusammenfassung
Mit bildgebenden Verfahren sind Studien zu Morphologie, Funktion, Pharmakologie und Neurochemie des Gehirns in vivo möglich. Für die psychiatrische Hirnforschung liefern insbesondere nicht-invasive magnetresonanztomografische Techniken (MRT) geeignete methodische Ansätze zur neurobiologischen Charakterisierung auf Krankheits- bzw. Symptomebene, während dagegen nur geringe individualdiagnostische Beitrge möglich sind. Bildgebende Befunde können dabei sowohl zum besseren Verständnis der Pathophysiologie psychiatrischer Erkrankungen beitragen als auch ergänzend zu anderen biologischen Parametern eine pathobiologisch orientierte Klassifikation unterstützen. So können mit automatisierten morphometrischen Verfahren spezifische pathomorphologische Muster des Gehirnaufbaus vor allem bei schizophrenen und depressiven Patienten erfasst werden, die wiederum zu klinisch-epidemiologischen, psychometrischen und kognitiven Variabeln korreliert werden können.
Durch die funktionelle MRT (fMRT) können neuronale Aktivierungsmuster untersucht werden, die Aufschluss ber krankheits- bzw. symptomspezifische Fehlverarbeitung sensorischer bzw. emotionaler Reize und kognitiver Aufgaben geben. Darüber hinaus werden morphologische, funktionelle und neurochemische Parameter auf Prädiktionsmöglichkeit und Erfassung wirksamer medikamentser oder nichtmedikamentser Therapien hin überprft. So konnten erste fMRT-Studien zeigen, dass sich krankheitsspezifische Veränderungen der neuronalen Aktivittsmuster durch therapeutische Intervention normalisieren. Damit eröffnet sich ein klinisch relevantes Anwendungsgebiet der fMRT in der Psychiatrie/Psychotherapie mit dem Ziel, aufbauend auf pharmakologischen oder psychotherapeutischen Behandlungskonzepten, geeignete neurobiologische Surrogatmarker (z.B. spezifische Aktivierungsmuster nach Symptomprovokation) zur objektiven Therapieevaluation zu identifizieren. Anhand von magnetresonanztomografischen Techniken werden die derzeitigen Möglichkeiten skizziert und konkrete Anwendungen für die psychiatrische Hirnforschung am Beispiel der funktionellen Bildgebung errtert.
Schlüsselwörter
funktionelle Bildgebung – Magnetresonanztomografie –BOLD - Therapiemonitoring
Summary
Recent advances in brain imaging methods permit in vivo analysis of many facets regarding brain morphology, function, pharmacology, and neurochemistry. Techniques like magnetic resonance imaging (MRI) provide tools to characterize brain structure and function of mental diseases. Results from brain imaging studies might contribute towards a better understanding of the underlying pathophysiology of mental diseases and their diagnostic classification. Correlation of neurobiology and symptom, or neurobiology and therapeutical outcome, indicate that mental illness comes along with neurobiological alterations and that medical as well as non-medical therapies are able to modulate neurobiological measures.
Functional imaging studies either with patients suffering from major depressive disorder or alcoholic patients point at state-related neurobiological alterations of disease-related brain regions. With the identification of qualified neurobiological markers like specific disease-related functional activation patterns it should be possible to objectively evaluate medical therapies as well as psychotherapeutical outcome. Functional imaging studies in combination with studies on the morphology of the cortex and neural connections might be able to identify neurobiological measures to better understand how mental diseases evolve. We outline present potentialities of magnetic resonance tomography and discuss several studies relevant for topics in neuropsychiatry.
Keywords
functional imaging - Magnetic Resonance Tomography –BOLD - monitoring
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Bildgebende Verfahren bei Zwangsstörungen (S. 204-208)
O. Pogarell, U. Hegerl
Summary
Structural and functional neuroimaging studies have contributed substantially to the current understandig of the neurobiological basis of obsessive compulsive disorder (OCD). The studies provide evidence that both cortical and subcortical neuronal circuits are involved in OCD pathophysiology with orbitofrontal hyperactivity and corticostriatal dysfunction. Functional „neurochemical“ imaging studies further support the hypothesis of a dysfunction of the central serotonergic system in patiens with OCD.
Keywords
Obsessive-compulsive disorder – neuroimaging - PET – SPECT – neurobiology – serotonin
Zusammenfassung
Neue hirnfunktionelle Untersuchungstechniken, insbesondere die bildgebenden Verfahren, haben wesentlich zum derzeitigen Verständnis der neurobiologischen Grundlagen der Zwangsstörungen beigetragen. Während Studien mit den so genannten strukturell-bildgebenden Verfahren (kraniale Computertomographie, Magnetresonanztomographie) keine einheitlichen Auffälligkeiten bei Patienten mit Zwangsstörungen zeigten und allenfalls bei einer Untergruppe auf eine Entwicklungsstörung im Bereich der Basalganglien hinwiesen, ergaben sich mit den modernen funktionell-bildgebenden Untersuchungen (Positronenemissionstomographie – PET, Single Photonen Emissions-Computertomographie – SPECT) einheitlichere Befunde: Studien zu Hirnperfusion und -metabolismus deuten auf Beeinträchtigungen der Hirnfunktion im Bereich orbitofrontaler kortikaler sowie subkortikal-ganglionärer Regionen hin. Diese Veränderungen sind durch Symptomprovokation auslösbar bzw. verstärkt ausgeprägt und normalisieren sich unter erfolgreicher symptomatischer Therapie. SPECT- und PET-Untersuchungen der Neurotransmitter- bzw. rezeptorphysiologie bei Zwangspatienten stützen die Hypothese eines serotonergen Defizits. Zusammenfassend weisen die vorliegenden bildgebenden Studien auf eine frontale Überaktivität, vor allem im Bereich orbitofrontaler Strukturen und auf eine Dysfunktion frontaler subkortikaler basalganglionärer Regelkreise hin. Diese Dysregulation steht möglicherweise in Zusammenhang mit einer Störung zentral-modulierender Transmitter, insbesondere des Serotoninsystems, und kann bei einem Teil der Patienten durch eine serotonerge Medikation ausgeglichen werden.
Schlüsselwörter
Zwangsstörung – Bildgebung – PET-SPECT – Neurobiologie – Serotoninsystem
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Immunstimulation: Wirkung auf Stimmung und Gedächtnis (S. 210-218)
M. Haack, A. Schuld, Th. Pollmächer
Summary
Infectious and inflammatory diseases are often accompanied by deterioration of mood and cognitive functions. In humans, experimental inoculation with viruses or bacterial products such as endotoxin led to increased depression and anxiety as well as impaired attention, learning and memory. With respect to the underlying mechanisms there is strong evidence that cytokines play a major role in mediating changes of mood and cognition during immune activation. Peripheral secreted cytokines can influence such complex brain functions via humoral or neuronal pathways. At present, acute or chronic administration of interleukin (IL)-1, IL-2, IL-6, tumor necrosis factor (TNF)-a, and interferon (IFN) in humans and animals has been shown to impair emotional and cognitive function. The central role of cytokines in mediating emotional and cognitive changes has been further supported by animal studies, showing that infection-induced behavioral changes can be blocked by pretreatment with cytokine antagonists. Furthermore, in humans it has been shown that the cytokine response during experimental immune activation correlate with emotional and cognitive impairments. Cytokines are held responsible not only for infection-induced emotional and cognitive impairments. Moreover, in psychiatric and neurodegenerative diseases as well as in autoimmune diseases and cancer changes in the production of cytokines have been reported, eventually playing an etiopathological role. Therefore, impairment of emotionality, concentration, and cognition as seen in all chronic conditions, are maybe induced not only by the psychosocial stress but as well by increased production of inflammatory cytokines. For clinical use normalization of disregulated cytokine networks via cytokine blockers could be a promising novelty in the treatment of a number of longlasting diseases that impair emotional and cognitive functions.
Keywords
Infection – inflammation – cytokines – mood – depression – attention - memory
Zusammenfassung
Beeinträchtigungen des Befindens und kognitiver Leistungen sind eine häufige Begleiterscheinung infektiöser und entzündlicher Erkrankungen. Beim Menschen sind nach Inokulation mit Viren und Bakterienbestandteilen wie Endotoxin eine Zunahme von Depressivität und Ängstlichkeit sowie Verschlechterungen von Aufmerksamkeit, Lern- und Gedächtnisleistungen auch experimentell belegt worden. Hinsichtlich der zugrunde liegenden Mechanismen gibt es mittlerweile überzeugende Hinweise, dass Zytokine eine zentrale Rolle bei der Vermittlung dieser Stimmungs- und Leistungsveränderungen spielen. Die Beeinflussung solcher komplexen Hirnfunktionen durch peripher freigesetzte Zytokine kann dabei auf humoralem oder neuronalem Weg erfolgen. Bisher sind nach akuter und chronischer Verabreichung von Interleukin(IL)-1, IL-2, IL-6, Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-a und Interferon (IFN) bei Tieren und Menschen emotionale und kognitive Beeinträchtigungen beobachtet worden. Für eine Vermittlerfunkion von Zytokinen sprechen ferner tierexperimentelle Befunde, nach denen infektionsinduzierte Verhaltensveränderungen durch die Vorbehandlung mit Zytokinantagonisten verhindert werden können. Des Weiteren fand sich im Rahmen humanexperimenteller Immunaktivierung ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Zytokinantwort und der Beeinträchtigung von Stimmung und Gedächtnisleistungen. Darüber hinaus sind Zytokine wahrscheinlich nicht nur für die befindens- und leistungsmodulierenden Wirkungen von Infektionen und Entzündungen verantwortlich. Auch bei psychiatrischen oder neurodegenerativen Erkrankungen, bei Autoimmun- und Krebserkrankungen sind Veränderungen der Zytokinproduktion beobachtet worden, denen möglicherweise eine ätiopathogenetische Bedeutung zukommt. Deshalb sind Störungen von Emotionalität, Konzentrationsfähigkeit und Kognition, wie sie bei allen chronischen Erkrankungen beobachtet werden, eventuell nicht nur durch die erlebte psychosoziale Belastung, sondern auch durch die vermehrte Freisetzung inflammatorischer Zytokine bedingt. Aus therapeutischer Sicht könnte sich die Behandlung lang anhaltender Beeinträchtigungen des Befindens und kognitiver Leistungen im Rahmen einer Vielzahl von Erkrankungen in Zukunft dahingehend erweitern, dass durch entsprechende Zytokinblocker Fehlregulationen im Zytokinnetzwerk normalisiert werden.
Schlüsselwörter
Infektion – Entzündung – Zytokine – Befinden – Depression - Aufmerksamkeit – Gedächtnis
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Humanexperimentelle Angstmodelle: Die experimentelle Provokation von Panikattacken (S. 220-227)
A. Ströhle
Summary
The diagnostic symptom provocation has a long tradition in medicine. In psychiatry, symptom provocation studies are used to study the pathophysiology and treatment of disorders. Suddenly, and unexpected panic attacks have a characteristic course and a typical pattern of somatic, cognitive, emotional and behavioral symptoms. Beginning with the study Pitts and McClure who described in 1967 the panicogenic activity of sodium lactate, the experimental induction of panic attacks with different challenges has been used to characterize the neurobiology of anxiety. Furthermore, experimentally induced panic attacks can be used to study possible new treatment approaches. An anxiolytic activity of atrial natriuretic peptide suggests that modulation of natriuretic peptide receptors with nonpeptidergic ligands may be a new treatment approach. Experimentally induced panic attacks are a tool to characterize the neurobiology of panic anxiety and may be used to study new treatment approaches.
Keywords
panic – anxiety - experimental anxiety - neurobiology of anxiety
Zusammenfassung
Die diagnostische Symptomprovokation hat in der Medizin eine lange Tradition und wird z.B. bei der koronaren Herzerkrankung oder dem Diabetes mellitus auch heute noch angewandt. In der Psychiatrie wird die experimentelle Symptomprovokation z.B. eingesetzt, um neurobiologische Grundlagen psychiatrischer Erkrankungen zu untersuchen. Plötzlich und unerwartet, d.h. ohne ersichtlichen äußeren Auslöser auftretende Panikattacken können wegen ihres klar abgrenzbaren Verlaufs sowie des charakteristischen Musters ihrer somatischen, emotionalen, kognitiven und behavioralen Symptome als eine prototypische Erscheinungsform von Angstreaktionen angesehen werden. Seit Pitts und McClure 1967 erstmals beschrieben, dass eine Laktatinfusion panikogen ist, wurde die experimentelle Provokation von Panikattacken, auch mit anderen Stimuli, genutzt, um die Neurobiologie der Panikstörung zu charakterisieren. Serotoninerg, noradrenerg, aber auch GABA-erg vermittelte Panikattacken verweisen auf unterschiedliche Mechanismen, die an der Entstehung von Panikattacken beteiligt sind. Neben primär pathophysiologisch orientierten wissenschaftlichen Untersuchungen kann die experimentelle Symptomprovokation bei der Panikstörung z.B. auch als Therapie i.S. einer Exposition verwendet werden. Zudem lassen sich damit mögliche neue Therapieansätze untersuchen. Dies wird am Beispiel des atrialen natriuretischen Peptids gezeigt. Obwohl die Neurobiologie der Angst in vielen Bereichen noch ungeklärt ist, sind humanexperimentelle Angstmodelle, wie hier an der Panikstörung dargestellt, eine Möglichkeit, standardisiert so komplexe Verhaltensweisen wie Angst besser zu verstehen und Störungen möglicherweise besser zu behandeln.
Schlüsselwörter
Angst - Panikstörung - experimentelle Symptomprovokation - Neurobiologie von Angst
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Neurobiologische Erklärungsansätze bei Zwangsstörungen (S. 228-233)
U. Hegerl, V. Henkel, O. Pogarell
Neurobiologie der Depression (S. 234-246)
Thomas Nickel
Neurobiologie der Posttraumatischen Belastungsstörung (S.247-259)
H.P. Kapfhammer
Summary
Posttraumatic stress disorder (PTSD) may be but one major consequence among various psychiatric sequelae in the aftermath of serious traumatization. In PTSD classical conditioning is decisive.There can be described special features of cerebral information processing unterlying dissociative symptoms in the functions of many neuroanatomical centres. Dysfunctions in various neurotransmitter systems and in stress HPA-axis are important. Functional and structural methods of neuroimaging illustrate steps in the processing of traumatic experiences. Neurobiological findings help to better understand the complexity of symptoms encountered in PTSD and may forster to develop effective psychotherapeutic approaches.
Keywords
Posttraumatic stress disorder – neurobiology – clinical phenomenology – Psychotherapy
Zusammenfassung
Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) als eine mögliche Folge einer schwerwiegenden Traumatisierung geht mit einer Reihe von neurobiologischen Veränderungen einher. Eine PTSD kann als Beispiel einer klassischen Konditionierung beschrieben werden, in die Besonderheiten der cerebralen Informationsverarbeitung einfließen. Dissoziative Störungen in den Funktionen einzelner neuroanatomischer Strukturen unter Extremstress sind wesentlich. Dysfunktionen in verschiedenen Neurotransmittersystemen und in der Stresshormonachse von Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinde (HPA-Achse) sind zu identifizieren. Funktionelle und strukturelle Methoden des Neuroimaging illustrieren komplexe Prozesse der Stressverarbeitung. Diese neurobiologischen Befunde ermöglichen ein besseres Verständnis der klinischen Phänomenologie einer PTSD sowie wichtiger Voraussetzungen für psychotherapeutische Ansätze.
Schlüsselwörter
Posttraumatische Belastungsstörung – Neurobiologie – klinische Phänomenologie – Psychotherapie
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Genetik und Neurobiologie suizidalen Verhaltens (S. 260-272)
J. Brunner, Th. Bronisch
Summary
Heterogenous psychiatric disorders like depression, schizophrenia, substance-related disorders, nxiety disorders and personality disorders increase the risk of suicidal behavior. In addition to the enetic factors for the underlying psychiatric disorders, there seems to exist a separate genetic component for suicidal behavior. A diathesis for suicidal behavior may result from impaired control of impulsivity and aggression which may in part be determined or mediated by neurobiological mechanisms. Recently it was postulated that a serotonergic deficit in the ventral prefrontal cortex could predispose to impulsive and autoaggressive behavior in stressful life events. Molecular genetic studies focussed mainly on serotonergic candidate genes. The results, however, are preliminary and partially inconsistent. A series of neurobiological studies showed a dysregulation of the HPA system. A body of evidence suggest altered cholesterol and lipid metabolism. Controlled clinical trials show that antidepressantsand lithium significantly reduce suicidal behavior. A seriousproblem in the treatment of suicidal patients is that suicidal behavior cannot be sufficiently predicted and controlled. This may be due to increased impulsivity with overshooting autoaggressivity. Empirical studies demonstrate that impulsivity and aggressivity only poorly respond to pharmacological treatment or psychotherapy. Many patients lack sufficient insight into the necessity of a long-term treatment after a suicide attempt.
Keywords
Suicidal behavior – suicide – neurobiology – serotonergic system – HPA system – cholesterol – pharmacotherapy – psychotherapy
Zusammenfassung
Verschiedene psychiatrische Grunderkrankungen wie Depression, Schizophrenie, Suchterkrankungen, Angsterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen erhöhen das Risiko für suizidales Verhalten. Zusätzlich zu den genetischen Faktoren für die zugrunde liegenden psychiatrischen Erkrankungen scheint es auch eine separate genetische Komponente für suizidales Verhalten zu geben. Derzeit ist davon auszugehen, dass eine neurobiologisch determinierte oder vermittelte Disposition zu suizidalem Verhalten am ehesten aus einer nosologie-übergreifenden Impuls- und Aggressionskontrollstörung resultiert. In den letzten Jahren wurde die Hypothese aufgestellt, dass ein serotonerges Defizit im ventralen präfrontalen Cortex zu einer Impuls- und Aggressionskontrollstörung prädisponieren könnte. Molekulargenetischen Studien fokussierten serotonerge Kandidatengene. Die Ergebnisse sind jedoch präliminär und teilweise inkonsistent. Neben dem serotonergen System wurde auch eine Dysregulation des HPA-Systems nachgewiesen. Eine Reihe von Befunden weist auf Veränderungen des Cholesterin- und Lipidstoffwechsels hin. Kontrollierte Studien belegen die Reduktion von Suizidalität durch Antidepressiva und Lithium. Eines der größten Probleme in der Behandlung suizidaler Patienten ist die mangelnde Vorhersehbarkeit und Kontrolle suizidalen Verhaltens. Dies ist teilweise auf die vermehrte Impulsivität mit überschießender Autoaggressivität zurückzuführen. Empirische Studien zeigen, dass Impulsivität und Autoaggressivität nur schlecht pharmakologisch und psychotherapeutisch beeinflussbar sind. Zudem ist bei vielen Patienten nicht die Einsicht vorhanden, sich nach einem Suizidversuch einer längerfristigen Therapie zu unterziehen.
Schlüsselwörter
Suizidales Verhalten – Suizid – Neurobiologie – serotonerges System – HPA-System – Cholesterin – Pharmakotherapie – Psychotherapie
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Neurobiologie kognitiver Störungen bei schizophrenen Erkrankungen (S. 273-279)
E. M. Meisenzahl, H.-J. Möller:
Summary
Schizophrenia is a severe mental disorder characterized by a variety of signs and symptoms. Schizophrenic patients show deficits in many domains including attention, executive function, memory and language. There is increasing evidence that such deficits are specific and selective. Our knowledge about these processes reflect our growing understanding of schizophrenia from a neurocognitive prospective. The existence of specific patterns of cognitive dysfunction suggest several important avenues of future research and new therapeutic strategies.
Keywords
cognitive dysfunction – schizophrenia – attention – working memory – imaging – functional MRI
Zusammenfassung
Die schizophrene Störung ist eine schwere psychiatrische Erkrankung, die durch verschiedene Symptome gekennzeichnet ist. Schizophrene Patienten zeigen Defizite in umfangreichen kognitiven Domänen wie der Aufmerksamkeitsleistung, den exekutiven Funktionen, Gedächtnis und Sprache. Es gibt zunehmende Hinweise, dass diese Defizite spezifisch und selektiv sind. Unsere Kenntnisse über diese Vorgänge reflektieren unser wachsendes Verständnis über die Schizophrenie aus neurokognitiver Sicht. Das Wissen um diese spezifischen Störungsmuster weist wichtige Wege für die Forschung und insbesondere für die Entwicklung von neuen therapeutischen Strategien.
Schlüsselwörter
Kognitive Störungen – Schizophrenie – Aufmerksamkeit – Arbeitsgedächtnis – Bildgebung – funktionelle Kernspintomographie
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Die Bedeutung neurowissenschaftlicher Forschung für die psychotherapeutische Praxis (S. 281-294)
Maja Storch
Summary
The article provides an overview of the connection between the results of neuroscience and their consequences for Psychotherapy. An attempt has been made to develop a neuro- scientifically based model of psychic functions. What is particularly interesting is the concept of the Psyche as a knowledge system which is based of learning and memory processes. Furthermore, we discuss how self-congruent goals and intrinsic motivation can be operationalised on the basis of neuro-scientific theory formation. In addition, we discuss the consequences of such a perspective for Psychotherapy in practice.
Keywords
Neuroscience – Neurobiology – Memory – Learning – Somatic Markers – Self-congruence – Self-system – Motivation – Goals – Psychotherapy – Resources
Zusammenfassung
Der Artikel gibt einen Überblick über die Zusammenhänge von den Ergebnissen der Neurowissenschaften und deren Konsequenzen für die Psychotherapie. Es wird versucht, ein neurowissenschaftlich fundiertes Modell von psychischem Funktionieren zu entwickeln. Von besonderem Interesse ist hierbei die Konzeption von Psyche als einem Wissenssystem, das auf Lern- und Gedächtnisprozessen aufgebaut ist. Des weiteren wird diskutiert, wie selbstkongruente Ziele und intrinsische Motivation auf der Basis neurowissenschaftlicher Theoriebildung operationalisiert werden können. Die Konsequenzen einer solchen Sichtweise für die Praxis der Psychotherapie werden diskutiert.
Schlüsselwörter
Neurowissenschaft – Neurobiologie – Gedächtnis – Lernen – somatische Marker – Selbstkongruenz – Selbstsystem – Motivation – Ziele – Psychotherapie – Ressourcen
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