SCHRIFTGROSSE
kleiner  normal  grosser
VERANSTALTUNG


BUCHVORSCHLAG
Login
Online: 5 Besucher


Computerunterstützte Therapieplanung

Bei systematisierten Ansätzen zur Psychodiagnostik ist es naheliegend, den heute in jeder Klinik und Praxis verfügbaren Personal Computer zur Unterstützung der diagnostischen Schritte heranzuziehen. Ein Vorteil ist die größere und schneller abrufbare Kapazität an Informationen und Wissen (Klepsch, 1990). Ein anderer ist die visuelle Verfügbarkeit der Struktur und des Algorithmus des Diagnoseprozesses. So wie Bedeutungen für den Menschen sowohl affektiv als auch kognitiv sein sollten, damit ein vollständiges Bild der sozialen Welt entsteht, so ist auch nach dem emotional-intuitiven Erspüren des Problems des Patienten eine kognitive Strukturierung der diagnostischen Informationen im Rahmen einer Kurzzeittherapie z.B. mit Hilfe einer Expertensoftware hilfreich, um zu einem umfasenden Bild des Patienten und seiner Störung zu kommen. Die Widerstände der Therapeuten gegen das Einschalten einer Maschine sind verständlich. Die somatische Medizin hat die apparative Ära schon durchgemacht und wendet sich wieder der Natur zu, nicht ohne dort, wo Apparate hilfreich oder gar unverzichtbar sind, diese in der Alltagspraxis zu belassen. Analoge Entwicklungen bleiben auch in der Psychotherapie nicht aus.

Begleitend zum VDS-Handbuch „Das Verhaltensdiagnostiksystem VDS: Von der Anamnese zum Therapieplan“ (Sulz, 1992a) wurde 1992 eine Verhaltensdiagnostik-Software (VDS-Expert I) veröffentlicht, das dazu dienen sollte, aus den Anamnese-Fragebögen des Verhaltensdiagnostiksystems (Sulz 1992b) gezielt über einen Frage-Antwort-Dialog mit 68 Items die für die Therapieplanung relevante Information herauszufiltern, d.h. eine gezielte Datenreduktion einerseits und eine Erklärungskette zur Erstellung eines individuellen Störungsmodells bei einem spezifischen Patienten herauszuarbeiten.
Die in diesem Buch in den vorausgegangenen Kapiteln dargestellte Systematik der Bedingungsanalyse, Zielanalyse und Therapieplanung eignet sich besonders zum Einsatz des Computers als Unterstützung. Die Weiterentwicklung des genannten Diagnostikprogrammes (VDS-Expert II) bildet den in diesem Buch vorgestellten Algorithmus und damit auch die allgemeine Störungstheorie als einer affektiv-kognitiven Entwicklungstheorie psychischer Störungen ab. Natürlich können alle darin vollzogenen Schritte auch mit Papier und Bleistift vollzogen werden, das heißt, der Computer ist nicht notwendig, um zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen. Aber er ist sehr hilfreich, spart Arbeit und Zeit und gewährleistet eher ein stringentes diagnostisches Vorgehen.
VDS-Expert II kann in dreifacher Weise zur Anwendung kommen:
A) In Anlehnungan an die spezifischen VDS-Störungsmodelle Angst, Depression, Zwang, Bulimie oder Alkoholismus (Sulz 1992b) wird auf der Grundlage der anamnestischen Informationen ein individuelles Störungsmodell für einen Patienten erarbeitet, daraus Therapieziele und Therapieplan abgeleitet.
B) Unter Vorlage des allgemeinen Störungsmodells der affektiv-kognitiven Entwicklungstheorie psychischer Störungen wird auf der Basis der anamnestischen Informationen ein individuelles Störungsmodell für einen Patienten erarbeitet, daraus Therapieziele und Therapieplan abgeleitet.
C) Unter Vorlage des allgemeinen Störungsmodells der affektiv-kognitiven Entwicklungstheorie psychischer Störungen wird vom Anwender ein eigenes neues spezifisches Störungsmodell erarbeitet (z.B. für eine bestimmte Persönlichkeitsstörung oder für eine Störung wie Migräne. Ergebnis ist eine fallunabhängige spezifische Störungstheorie.
 
aus Sulz: Strategische Kurzzeittherapie. München: CIP-Medien 1994